Neubau-Ruine der Fritz-Berg-Stiftung: Prozess beginnt bald

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Bauruine mitten in der Stadt: Hier sollten eigentlich 19 seniorengerechte Wohnungen entstehen.

Altena – Mitten in der Stadt steht die Neubau-Ruine der Fritz-Berg-Stiftung. Seit 2016 ruht der Bau wegen angeblich erheblicher Mängel. Nun treffen sich die Parteien vor Gericht wieder.

Bestenfalls als Zufluchtsort für Fledermäuse taugt das seit drei Jahren vor sich hinrottende Neubau-Projekt der Fritz-Berg-Stiftung: „Wohnen am Bungern“ sollten Senioren in 19 barrierefreien Wohnungen. 

Nun steht eine Ruine mitten in Altena – und vor dem Landgericht Hagen ein möglicherweise jahrelanger Rechtsstreit um die Verantwortung für diese Situation bevor. 

Es geht um 3,1 Millionen Euro

Die Fritz-Berg-Stiftung klagt als Bauherr gegen vier beteiligte Parteien auf Schadensersatz in Höhe von 3,1 Millionen Euro. 2015 vergab die Stiftung Erd-, Maurer- und Betonarbeiten an die „Karl-Winsel-Bauunternehmung“, 2016 wurden laut Klageschrift erhebliche Baumängel festgestellt. Tragesäulen sollen Risse und Abplatzungen aufweisen. 

Angeblich mangelt es „an allen Ecken und Enden an Bewehrungsstahl“. Weil das Gebäude als einsturzgefährdet gilt, steht die Baustelle seitdem still. Die oberen Geschosse wurden durch ergänzende Stützstempel stabilisiert. 

Erster Ansprechpartner für Schadensersatzforderungen aufgrund mangelhafter Ausführung des Rohbaus war die Karl-Winsel-Bauunternehmung. Die ist jedoch mittlerweile insolvent. Die Klage richtet sich deshalb an den Insolvenzverwalter der Firma. Die Fritz-Berg-Stiftung klagt auf Aufnahme in die Tabelle der aus der Konkursmasse zu entschädigenden Gläubiger. Die Chance, eine hohe Schadensersatzsumme zu bekommen, ist allerdings gering. 

Architekt: Vorwürfe "gänzlich unbegründet"

Drei weitere Beklagte waren in unterschiedlicher Weisen für die Bauaufsicht zuständig: Das örtliche Architekturbüro OE-Planung- und Beratung GmbH war für den Bauentwurf und als Generalplaner tätig. Ihm oblag die Bau- und Objektüberwachung. Die Vorwürfe seien „gänzlich unbegründet“, betont Geschäftsführer Melchior Ossenberg-Engels. „Allein Fehler des inzwischen insolventen Rohbauunternehmens sind Ursache der Baumängel.“ 

Prüfstatiker der SKP-Ingenieursozietät waren für „stichprobenartige Überprüfungen der Standfestigkeit des Rohbaus“ zuständig. Dort möchte man mit Blick auf „den laufenden Rechtsstreit keine Stellungnahme abgeben“. 

Vier Kanzleien für vier Beklagte

Und es gab noch eine dritte nun beklagte „Architekten- und Partnerschafts-GmbH“: Vieweger Controlling. Auf Anfrage äußert sich das Unternehmen nicht zu den Vorwürfen. Die Klageschrift wirft den mit der Kontrolle des Bauvorhabens betrauten Firmen eine Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflichten vor. Die Stiftung verklagt sie deshalb als Gesamtschuldner auf 2,9 Millionen Euro Schadensersatz. 

Der Prozess soll am 29. Januar um 9 Uhr vor dem Landgericht Hagen beginnen. Geballter juristischer Sachverstand dürfte sich dann dort versammeln: Vier Anwaltskanzleien vertreten die vier Beklagten. Die Fritz-Berg-Stiftung wird von der renommierten Wirtschaftskanzlei Heuking, Kühn, Lüer und Wojtek vertreten.

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