Neue Kläranlage: Zweistelliger Millionenbetrag für einzigartige Technik

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Schwarzer Riese: Harro Feckler blickt auf den verbliebenen Faulturm. Einer ist bereits abgerissen worden.

Altena – Schlamm in Kugeln: Das ist neu in Deutschland - und wird es ab 2021 erstmals in Altena geben. Dafür gibt der Ruhrverband einen zweistelligen Millionenbetrag aus. 

Eine „spannende Aufgabe“ liegt vor dem Ruhrverband. So beschreibt es Harro Feckler, Leiter des Regionalbereiches Süd mit Sitz in Plettenberg. Nach 30 Jahren wird die Kläranlage am Pragpaul grundlegend erneuert – und der Ruhrverband wird dazu eine Menge Geld in die Hand nehmen. 

Ende 2021 soll die „neue Biologie“, so Feckler, in Betrieb gehen. Dann geht die Anlage in einen zwei Jahre dauernden Probebetrieb. Das hat die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde so vorgesehen, weil es sich um eine Technologie handelt, die in Deutschland noch nicht angewendet wurde.

Ende 2024 soll die Anlage dann in den regulären Betrieb übergehen. Vor der Versuchsphase ist es Feckler nicht bange. „Warum sollte es bei uns nicht funktionieren, wenn es sich andernorts gut bewährt hat?“ 

Zwei Maschinenhäuser sind bisher errichtet worden, und einer der beiden Faultürme, der seit Jahren nicht benutzt wurde, ist abgerissen worden. An der Lenneseite des Betriebsgebäudes sind noch die Spuren des Abrisses zu erkennen. Auch das Betriebsgebäude wird noch abgerissen werden. 

Im Maschinenhaus: Zwei von ihnen sind bisher schon errichtet worden.

Hintergrund ist die Neuausrichtung des gesamten Klärprozesses auf das sogenannte Nereda-Verfahren. Es ist deutschlandweit das erste Mal, dass eine solche Technik verwendet wird. Sie spart – und das ist auf dem beengten Gelände am Pragpaul sehr nützlich – Platz, und sie braucht weniger Energie. 

Rund 30 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs könnten eingespart werden, erklärt Harro Feckler. Weil man bei der Errichtung der Nereda-Becken wegen des Grundwasserspiegels der nahe gelegenen Lenne nicht in die Tiefe bauen kann, werden die Becken in Altena in die Höhe wachsen. Acht Meter sind veranschlagt. 

Die besondere Schwierigkeit: Der Neubau geschieht bei laufendem Betrieb: „Das ist, als würde man eine Uhr auseinandernehmen, ohne sie anzuhalten“, sagt Feckler. Beim Nereda-Verfahren entsteht Klärschlamm, der sich von selbst am Boden des Beckens absetzt. Das habe mit seiner Struktur zu tun, erklärt Feckler. Wo es jetzt Flocken gibt, gibt es nach dem Neubau Kugeln, Granulen genannt. „Die sind schwerer“, erklärt der Fachmann, und setzten sich daher ab. 

Die Reserve: Wenn es stark regnet, sammelt sich das Niederschlagswasser in diesen Regenbecken auf dem Gelände der Kläranlage.

Entwickelt wurde das Verfahren an der Uni Delft, seit etwa einem Jahrzehnt hat es sich in den Niederlanden und in anderen Ländern bereits in der Praxis bewährt. Der Kernauftrag zum Neubau wurde europaweit ausgeschrieben und befindet sich in der Vergabe.

 Es geht dabei um 3,3 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen des Projektes aber wird rund 14,5 Millionen Euro ausmachen. Es wird sich um eine Satelliten-Anlage handeln, die nicht ständig besetzt ist. Im September sollen zwei Kräne auf dem Gelände in Stellung gebracht werden, dann beginnen die großen Arbeiten.

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