Im Mai 2016 sollte alles fertig sein

An vielen Stellen wurde die Bewehrung freigelegt, damit Gutachter sich einen Eindruck von den Schäden machen können.

Altena - Im September 2014 wird in der Innenstadt mit einer Millioneninvestition begonnen: Die Fritz-Berg-Stiftung hat den Parkplatz am ehemaligen Café Overbeck gekauft, um dort ein großes Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Aber: Seit zwei Jahren ruhen die Arbeiten auf der Baustelle.

Was wir wissen:

Das Projekt: 19 barrierefreie Wohnungen mit insgesamt 1400 Quadratmetern Wohnfläche soll der Neubau bieten. Sie sind frei finanziert und können damit auch von Menschen bezogen werden, die keinen Wohnberechtigungsschein haben. Zielgruppe sind in erster Linie Senioren, sagt Olaf Berg, der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung. Die Fertigstellung ist für Mai 2016 geplant. „Einen Riesenbedarf“ sieht Bürgermeister Dr. Hollstein für diese Art des innenstadtnahen Wohnens. Erste Überlegungen für einen solchen Neubau gab es schon im Jahr 2010.

Im Erdgeschoss ist ein Ladenlokal vorgesehen. Die Planung des Gesamtprojektes liegt in den Händen des Dahler Architekturbüros OE Plan.

Der Startschuss: Zum ersten Spatenstich rückt am 19. September 2014 ein Bagger an, um Platz zu schaffen - er reißt das Haus Bungernstraße 2 ab, das dem Neubau im Weg steht. Einen interessanten Satz sagt Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, als er auf längere Pro- und Contra-Diskussion verweist, die dem Baubeginn vorangegangen war: Es sei typisch für die Mentalität der Sauerländer, dass „die meisten 100 Gründe kennen, warum etwas nicht klappen kann“. Im Rathaus gehen schon jetzt viele Anfragen nach den neuen Wohnungen ein. Die Lüdenscheider Firma Rothmann-Immobilien wird mit der Vermietung der Wohnungen beauftragt.

Erster Rückschlag: Bautechnischen Probleme stellen sich ein. Im Dezember 2014 stellt sich heraus, dass die Gründung ungewöhnlich schwierig ist. Die Planer haben sich für eine Pfahlgründung entschieden. Sie lassen bis auf den gewachsenen Fels bohren und dann Betonpfeiler gießen, die die Last des Gebäudes tragen sollen. Bis zu 14 Meter tief müssen diese Löcher werden. Das kostet Zeit und Geld. Man sei mit dem Bauvorhaben drei bis vier Monate in Verzug, berichtet die Berg-Stiftung.

Auch Fortschritte: Anfang Mai 2015 nähern sich die Bohrungen ihrem Abschluss. Für die Wohnungen gibt es bereits mehrere Interessenten, berichtet die Berg-Stiftung. Jede Wohnung soll einen Balkon oder eine Dachterrasse bekommen, alle sind mit Aufzügen zu erreichen.

Ein Wechsel: Im Juli 2015 kommt zum bestehenden Rückstand ein weiterer Monat hinzu. Die Berg-Stiftung hatte sich einen neuen Hochbauer suchen müssen, weil das bisherige Bau-Unternehmen aus Plettenberg passen musste. Jetzt hat die Karl Winsel GmbH & Co. KG aus Hagen das Heft in der Hand. Die Bodendecke wird gegossen. Mitte November 2015 soll der Rohbau mit Dach errichtet sein.

Sieben Mieter: Anfang Februar 2016 beginnt der Innenausbau. Installateure sind am Werk, zeitgleich werden Fenster eingebaut. Olaf Berg lobt die gute Zusammenarbeit der Planer und der beauftragten Handwerker. Sieben Wohnungen sind bereits fest vermietet, für einige weitere gibt es vorgemerkte Interessenten.

Der Schock: Am 21. März wird bekannt: Die Ausbauarbeiten am Wohnkomplex sind gestoppt. Das bestätigt auf Anfrage Olaf Berg. Die Bauüberwachung sei im Rahmen der Rohbauabnahme der Gebäude auf Fehler in der Bewehrungsführung (Armierung) gestoßen. Eigentlich hätte auch diese Armierung schon vor dem Gießen der Betonteile abgenommen (geprüft) werden müssen.

Was wir nicht wissen:

Die Zukunft: Es scheint völlig unklar, wie und ob es mit diesem Projekt weitergehen kann. Mehrfach kursierten Gerüchte, dass die Immobilie teilweise oder komplett wieder abgerissen werden muss.

Das Schweigen: Woran genau es bautechnisch hapert und was die Folgen davon sind, wird nicht kommuniziert. Wer ist eigentlich für die Fehler verantwortlich? Seit dem Baustopp herrscht fast nur Schweigen.

Betroffene: Was wird aus den Mietern, die bereits Verträge unterschrieben und teilweise ihr Eigentum verkauft haben? Bekannt ist ein Fall, bei dem die Berg-Stiftung die Kosten für eine andere Unterbringung übernommen hat.

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