Es gibt bald keine Drahtzieher mehr

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Die kommende Generation der Drahtzieher erhält eine neue Berufsbezeichnung. ▪

ALTENA ▪ Den Drahtzieher alter Schule soll es bald nicht mehr geben. Es wird jedoch in der Praxis nur die offizielle Berufsbezeichnung verschwinden, natürlich nicht das Berufsbild als solches. Ab August soll vielmehr die Ausbildung zur „Fachkraft für Metalltechnik“ die Inhalte von elf „Altberufen“ zusammenführen. Der Drahtzieher findet sich dann in der Fachrichtung für Draht- und Umformtechnik wieder.

Von dieser Reform der Ausbildungsordnung sind neben dem Drahtzieher als wohl bekanntester Beruf auch der Schleifer und der Teilezurichter betroffen. Es finden sich aber auch exotisch klingende Berufsbezeichnungen wie „Maschinenzusammensetzer“ und „Kabeljungwerker“ in der Liste der künftig aufgehobenen Berufe. Die Neuordnung folgt einer gewissen Kontinutät. Bereits bei einer vorangegangenen Reform im Jahr 1987 waren einige alte Metallberufe abgelöst worden – so wurde beispielsweise aus dem Maschinenschlosser und dem Betriebsschlosser der heutige Industriemechaniker. Die Ausbildungsordnungen stammten aus dem Jahr 1937. Ähnlich in die Jahre gekommen war die Ausbildungsordnung für die Drahtzieher; sie stammt aus dem Jahr 1955. Zuletzt hatte es 2004 eine Neuordnung der Metall- und Elektroberufe gegeben. Damals ging es aber nur um jene mit einer dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit wie etwa Zerspanungsmechaniker oder Werkzeugmechaniker. Berufsbilder seien nun einmal nicht statisch und müssten immer wieder an neue Anforderungen angepasst werden, heißt es dazu bei der SIHK in Hagen.

Im Vorfeld der jetzt anstehenden Veränderungen haben sich zwei Altenaer Unternehmen, Fr. & H. Lüling und das Stahldrahtwerk Wagener, im technischen Ausschuss der Eisen- und Stahldrahtvereinigung für die Sache der Drahtzieher stark gemacht. Lüling-Geschäftsführer Christian von der Crone sagt, es sei dabei zum einen darum gegangen, dass die Tätigkeit künftig nicht als Anlernberuf deklariert wird. Zum anderen habe der Einsatz dem Erhalt des Berufsbildes als solchem gegolten. ▪ tk

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