Netter Wähler wählen falsch

Auszählen in der Burg Holtzbrinck – hier lief alles glatt. Nicht so in zwei Stimmbezirken. Im Rathaus wurde darauf hin nachgezählt.

ALTENA - Deutlicher Sieg für Michael Scheffler (SPD), Achtungserfolg für Thorsten Schick von der CDU – die Altenaer haben sich bei der gestrigen Landtagswahl nicht weit vom Landestrend entfernt. Überlegener Sieger ist die SPD, die 47,2 Prozent der Zweitstimmen holte – gut acht Prozent mehr als bei der letzten Wahl.

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Michael Scheffler gewinnt den Wahlkreis 121 klar

Um 20 Uhr konnten im Rathaus die Computer ausgeschaltet werden – Ende eines Wahltages, der nicht frei von Pannen war. Die schwerwiegendste fiel am Morgen einem Wähler in der Netter Schule auf – er entdeckte auf seinem Stimmzettel statt heimischer Kandidaten wie Schick und Scheffler Namen wie Wolfgang Exler und Inge Blask und damit Kandidaten aus dem Wahlkreis Menden/Balve/Neuenrade. Er alarmierte den Wahlvorstand, der Nachschau hielt und feststellte, dass entweder in der Druckerei oder beim Kreis falsche Stimmzettel unter die für Altena gedachten gerutscht waren. Sofort wurde der Wahlvorstand informiert, der seinerseits beim Kreiswahlleiter Alarm schlug und sämtliche Wahlvorstände anwies, die Stimmzettel vor der Ausgabe auf Richtigkeit zu überprüfen. Dabei wurden keine weiteren Fehlexemplare entdeckt.

Bei der Auszählung stellte sich heraus, dass in der Nette etwa 60 falsche Stimmzettel ausgegeben worden waren. Bei ihnen wurde die Erststimme für ungültig erklärt, die Zweitstimme wurde normal mitgezählt. Damit folgte der Wahlvorstand der Rechtsauffassung des Kreiswahlleiters.

Einfluss auf das Gesamtergebnis hatte diese Panne nicht: Sowohl auf Stadt- als auch auf Wahlkreisebene siegte Scheffler sehr deutlich vor Schick. Immerhin: Mit 32,8 Prozent der Erststimmen lag Schick deutlich besser als bei den Zweitstimmen für die CDU. Hier wurde die Union vor Ort mit 25,9 Prozent (Wahl 2010 32,7 Prozent) vom landesweiten Desaster voll erwischt. Er sei gespannt, wie es jetzt weitergehe mit der Landespartei, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Seines Erachtens sei jetzt ein umfassender personeller Neuanfang erforderlich. Das Bedauern bei den CDU-Anhängern hielt sich jedenfalls in Grenzen, als schon um 18.10 Uhr die Nachricht vom Rücktritt Norbert Röttgens bekannt wurde. Freude herrschte darüber, dass Schick über die Landesliste den Sprung in den Landtag schaffte.

Gute Arbeit geleistet hätten die Wahlvorstände und auch die „Wahlzentrale“ im Rathaus, attestierte der Bürgermeister und erinnerte daran, dass es nach Dietmar Flusches Pensionierung für Tanja Jäker die erste Wahl war, für die sie die alleinige organisatorische Verantwortung trug. Mit Bravour meisterte sie auch Probleme, die es in gleich zwei Stimmbezirken gab. Als sie nicht plausible Ergebnisse meldeten und auch im zweiten Anlauf falsche Zahlen lieferten, wurden die beiden Wahlvorstände kurzerhand ins Rathaus beordert – zum nochmaligen Nachzählen unter der Aufsicht von Profis.

von Thomas Bender

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