"Lost Places"-Jäger dringen in Gebäude ein

Lebensgefahr in Nettenscheid: Platten von Dach in Garten geworfen

Blick auf den letzten noch bewohnten Komplex am Nettenscheid: Die Eigentümer der einzigen nutzbaren Einheiten pflegen Haus und Grundstück in Eigenregie. Die Hausverwaltung hat sich vor Jahren aus der Verantwortung gezogen.

Altena - Sie dringen ein, drehen Videos, suchen das Abenteuer – dass sich gelegentlich Jäger sogenannter Lost Places in den leer stehenden Hochhauskomplex am Nettenscheid einschleichen, hat die direkten Nachbarn eigentlich nie gestört. Jetzt aber fanden sie Wurfgeschosse in Form von abgelösten Eternitplatten in ihren Vorgärten vor.

Die sind vom Dach der Brache geworfen worden, weshalb die Nachbarschaft nun die Stadt in der Pflicht sieht: „Sichert die Treppe zum Dach ab!“, fordert sie.

Die in YouTube eingestellten Videos wurden bislang eher mit Belustigung, als Verärgerung wahrgenommen. „Manche sind sogar richtig informativ mit Text unterlegt, der die Geschichte dieses Wohngebäudes erzählt“, schildert einer der Nettenscheider.

Wenn sich jemand im Gebäude aufgehalten hat, ist das in der Vergangenheit nicht mal bemerkt worden – bis in der vergangenen Woche das Dach als bislang unbekannter Aufenthaltsort entdeckt und das abgelöste Baumaterial als Wurfgeschosse genutzt wurde. Nur knapp wurde ein Fenster verfehlt. Die spitzen Eternitplatten bohrten sich in die Rasenflächen der Nachbarschaft. „Hier spielen doch auch kleine Kinder!“ regen sich die Grundstückseigentümer auf. „Und außerdem können sich auch die jungen Leute, die aufs Dach steigen, da oben schwer verletzen oder gar runter fallen.

Diese Platten sind auf den Grundstücken der Nachbarn gelandet, nachdem sie vom Dach geschleudert worden waren.

Das ist lebensgefährlich!“ Sämtliche Hauseingänge in dem seit Jahren unbewohnten Gebäude sind mit Platten abgesichert. Von der Energie- und Wasserversorgung ist es abgetrennt. Viele Fensterscheiben sind eingeschlagen, fast alle Wohnungstüren stehen offen und von den Hausfluren aus können die Relikte zerplatzter Träume junger Familien betrachtet werden, die einst ihr Glück auf dem Nettenscheid suchten, so der Nachbar – bis die Hausverwaltung die Umlagen der Eigentümer nicht mehr an die Energieversorger abführte.

Immer mehr Bewohner kapitulieren

In der Folge kapitulierten immer mehr der Bewohner und zogen aus. Heute sind noch drei von 121 Wohnungen bewohnt, die Eigentümer kümmern sich in Eigenregie um Versorgung und Grundstückspflege und leben auch weiterhin an der Blackburner Straße.

Fast jede Scheibe in den Hausfluren ist eingeschlagen, überall im Haus verteilt liegen Scherben.

Insgesamt sind die Wohnungen auf 83 Eigentümer aufgeteilt, was die Situation nicht einfacher gestaltet. 2011 ist es bereits zu Sicherungsmaßnahmen durch die Stadt gekommen, nachdem Kinder sich zum Spielen durch offene Türen begeben hatten. 

Der Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid

Joachim Protzer vom Ordnungsamt ist die Situation auf dem Nettenscheid gut bekannt. Er betont, dass das Eindringen in das Haus streng verboten ist und zur Anzeige gebracht werden kann. „Um zu verhindern, dass da immer noch Leute einsteigen, müssten manche Öffnungen eigentlich komplett zubetoniert werden – und das alle paar Jahre neu“, sagt er.

Polizeichef warnt vor Hausfriedensbruch

Auch Alexander Fall, Leiter der Altenaer Polizeiwache, kennt die Immobilie gut und war aus Gründen der Gefahrenabwehr schon oft vor Ort. Er kann jedem nur dringend davon abraten, dort einzusteigen. Schwerwiegender als Hausfriedensbrüche und Sachbeschädigungen wiegt für ihn die Gefahr für Leib und Leben: „Es ist richtig gefährlich, sich dort aufzuhalten!“

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