Hier wurde das Geld verdient

Altena – Ein Rundgang durch das urtümliche Altena stand am Samstag auf dem Programm der Freunde der Burg: Gerd Klimpel und Hans-Ludwig Knau führten rund 40 Interessierte durch die Nette - jenen geschichtsträchtigen Stadtteil, in den sich Touristen eher selten verirren.

 Der Treffpunkt an der ehemaligen Drahtzieherei Stahlrump, heute „Eksi Dorstener Draht“, eröffnete den Blick auf ein zwar mächtiges, sonst aber eher schmuckloses Wohnhaus gegenüber der Einmündung der Kronenstraße: „Wir vermuten darin Altenas älteste Drahtrolle“, erklärte Hans-Ludwig Knau und baute eine gedankliche Brücke in die Mitte des 14. Jahrhunderts: Damals wurden in Nürnberg die Techniken des Drahtzugs entwickelt, die bald darauf auch das märkische Sauerland erreichten.

 1394 sind zwei Drahtrollen in Iserlohn nachweisbar, und auch das erste Gebäude der späteren „Mettwurstrolle“ an der Nettestraße soll aus dieser Zeit stammen. Hans-Ludwig Knau erzählte die Geschichte des Drahtzugs in der Nette, der zunächst ausschließlich auf der Kraft des „Gewaltbachs“ beruht hatte, bis zur Indienststellung einer Dampfmaschine im 19. Jahrhundert, die die Fabrikation unabhängig machte von der launischen Wasserkraft.

 „Das war der Beginn der modernen Fabrikation.“ Dort, wo die Nette heute nicht eingesperrt unter der Straße fließt, zeigte sich in einem erneut sehr trockenen Sommer eher ein Rinnsal als ein starker Bach. Vor diesem Hintergrund war es nachvollziehbar, dass es früher öfter mal Streit um die Wasserrechte zwischen den eng benachbarten Netter Unternehmern gab. 

Ein Gang durch die verwinkelte zweite Reihe der Nette machte deutlich, dass zwischen den Produktionsstätten viele Menschen auf engem Raum mit Lärm, Abgasen und Schmutz lebten. „Im 17. Jahrhundert hatte die Nette genauso viele Einwohner wie das Mühlendorf“, erklärte Hans-Ludwig Knau. „Hier wurde das Geld verdient.“

  Der Stadtführer Gerd Klimpel, selber ein Bewohner der Bergstraße, komplettierte das Bild einer industriellen Entwicklung, die damals im märkischen Sauerland beste Voraussetzungen hatte: „Eisenerze vor der Haustür, Wälder für die Holzkohle und Rennöfen auf den Bergen“. Im 14. Jahrhundert sei die Eisenverarbeitung dann „von den Bergen an den Gewaltbach“ heruntergewandert, wo die Kraft von Mühlrädern durch Transmissionsriemen übertragen wurde. Diese mussten produziert werden, was ein weiteres wichtiges Gewerbe in Altena hervorbrachte: Die Gerber, die das Leder für die Riemen herstellten.

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