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98 Prozent waren in der Hitlerjugend

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Von: Thomas Keim

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kartehakenkreuz
Es fing schon in den 1920er-Jahren an: Auf der Postkarte der Abiturientia 1922 sieht man sehr deutlich ein Hakenkreuz © Stadtarchiv Altena

Altena – Das Burggymnasium und seine Entwicklung in der Zeit des Nationalsozialismus: In einem Aufsatz für die neueste Ausgabe des Märkers, der landeskundlichen Zeitschrift, wirft Kreisarchivar Ulrich Biroth einen Blick darauf, wie sich die Bildungseinrichtung in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg veränderte. Dazu gibt es im Stadtarchiv einige interessante Dokumente.

Altena – So zeige schon eine Postkarte des Abiturjahrgangs 1922 „eine unheilvolle Mischung aus Symbolen“, die die Farben des untergegangenen Kaiserreichs mit dem Westfalenross – und einem Hakenkreuz – verbindet. Biroth schreibt: „Ob wohl über 60 ihrer Kameraden und Lehrer in den Jahren 1914 bis 1918 gefallen waren, feierte man im Kriegsjahr 1919“, so heißt es, die bestandene Prüfung.

Es herrschte der Geist der nachwilhelminischen Ära – in mehrfacher Hinsicht. Dr. Friedrich Heyne war Schulleiter von 1925 bis 1933. Schon vor der Einstellung Heynes hatte es über mehrere Monate Auseinandersetzungen gegeben: So lieferten sich von 1924 bis in das Jahr 1925 ein Teil des Lehrerkollegiums, Vertreter der evangelischen Kirche, Ratsmitglieder und Heyne selbst einen heftigen Schlagabtausch. Autor Ulrich Biroth kommt zu dem Schluss: „Das belegt die vorhandenen Ressentiments nicht nur der Lehrerschaft gegenüber politischen Veränderungen und liberalen, demokratischen Gedanken.“

Schulleiter wird abgelöst

Seit 1930 war es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen Heyne, Parteimitgliedern der Altenaer NSDAP und älteren Schülern gekommen, die mit der Partei sympathisierten. Die Ablösung Heynes als Schulleiter sei letztlich nur noch eine Frage der Zeit gewesen, schlussfolgert Biroth. Auf Grundlage des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde Heyne mit Wirkung vom 1. September 1933 beurlaubt und einen Monat später aus dem Schuldienst entlassen. Sein Nachfolger wurde für kurze Zeit Studienrat Hermann Flebbe, dann im April 1934 ein Studiendirektor Johann Passe aus Gladbeck.

Mit dem Revolver in die Schule

Zu seiner Einführungsrede im November 1934 erschien Passe „in Amtswalteruniform mit Revolver“. Amtswalter waren die späteren politischen Leiter der NSDAP. Zu ihren Aufgaben zählte auch die weltanschauliche Schulung der Parteimitglieder. Passe kündigte an: „Diese Schule wird unter meiner Leitung im Geiste des nationalsozialistischen Erziehungsgedankens stehen.“

Zu Passes Rede schrieb das Altenaer Kreisblatt, sie sei „von problematischer Art“ gewesen. An die Schüler gerichtet hatte Passe gesagt: „Mit Stolz dürft ihr vernehmen, Jungens, dass ihr die einzige Höhere Schule in ganz Westfalen seid, an der alle Jungen der Hitlerjugend angehören.“ Märker-Autor Ulrich Biroth macht zugleich klar, das angesichts dieser Aussage Zweifel angebracht sind. Im November 1935 seien nach Informationen des Stadtarchivs „nur“ 98 Prozent der Jugendlichen am BGA in der Hitlerjugend organisiert gewesen.

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