Mit dem Navi in die Sackgasse – auf die Brücke

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Die neueste Software ist nicht unbedingt die beste: Tomtom und andere Navigationsgeräte schicken Autofahrer auf dem Weg zum Breitenhagen neuerdings über die seit 20 Jahren gesperrte Mittlere Brücke.

ALTENA - Seit knapp einem Jahr arbeitet Johannes Bonnekoh in der AK-Redaktion und kennt schon vieles, aber eben nicht alles. Für Fahrten innerhalb Altenas braucht er gelegentlich noch sein Navi – und staunte nicht schlecht, als er jetzt auf der Steinernen Brücke landete.

Es sollte zum Starenweg auf dem Breitenhagen gehen – beim Start an der Redaktion hatte Bonnekoh die Zieladresse eingetippt. Am Ende der Lenneuferstraße ließ „tomtom“ ihn aber nicht etwa auf die Pott-Jost-Brücke fahren: „Biegen sie rechts ab“, befahl das Gerät stattdessen. Dann die nächste wieder rechts und Bonnekoh stand vor dem Zaun, der seit zwei Jahrzehnten am Ende der Steinernen Brücke das Bahngleis abschirmt.

Großes Staunen

Großes Staunen, dann ein Test mit einem älteren Gerät des gleichen Herstellers. Das kannte den richtigen Weg. Also ein Fehler der Kartensoftware? Diese Vermutung bewahrheitete sich durch weitere Recherchen. Beispiel Routenplanung im Internet: Der tomtom-Routenplaner schickt seine Benutzer ebenso in die Irre wie die von Klicktel oder Michelin. Maps 24 hingegen kennt den richtigen Weg – er basiert nämlich auf elektronischen Karten der Firma Navteq, während viele andere Anbieter Tele Atlas-Karten nutzen. Auch die tomtom-Navigationsgeräte arbeiten damit, aber nicht nur die. Auch Mercedesfahrer mit werkseitig eingebautem Navigationssystem dürften auf der Steinernen Brücke landen, wenn sie das aktuellste Update für ihr Gerät geladen haben. Mercedes kooperiert wie viele andere Autohersteller und der Radiohersteller Blaupunkt mit Tele Atlas.

Bonnekoh nahm die Navi-Macke mit Gelassenheit – er rangierte rückwärts aus der Sackgasse, setzte seine Fahrt fort und ignorierte zunächst die Stimme aus dem Armaturenbrett, die „bitte wenden Sie“ vorschlug. Trotzdem wird sich die Stadt überlegen müssen, ob sie durch eine entsprechende Beschilderung auf die Panne reagieren muss. Immerhin wird auch LKW-Fahrern, die auf der B 236 von Werdohl kommend nach Lüdenscheid wollen, der Weg über die Steinerne Brücke empfohlen. Steht erst einmal ein 36-Tonner vor den Geleisen, wird‘s unter Umständen schwierig. Das zeigen Erfahrungen beispielsweise aus dem Mühlendorf und dem Springen, wo schon mehrfach LKW-Fahrer in die Irre geschickt wurden.

Anbieter variabel

Die Anbieter von Kartensoftware nutzen zur Aktualisierung ihrer Daten verschiedene Quellen: Sie haben eigene „Erkunder“, nutzen aber auch Informationen aus Zeitungen und werten die Deutsche Grundkarte aus.

Tele Atlas hat zudem im vergangenen Jahr eine enge Zusammenarbeit mit Google vereinbart und nutzt nun dessen Karten und Luftbilder. Daran kann der Fehler aber eigentlich nicht liegen: Google hat einen eigenen Routenplaner – und der kennt den richtigen Weg zum Breitenhagen.

von Thomas Bender

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