Imra-Pläne einen wichtigen Schritt weiter

Tristesse pur rund ums Stapelcenter: Von einer tickenden Zeitbombe spricht der Bürgermeister.

ALTENA ▪ Die Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Imra-Gelände in der Rahmede ein „Nahversorgungszentrum“ mit Lebensmittel- und Drogeriemarkt entsteht, nimmt zu. Gestern Abend hat der Ausschuss für Stadtentwicklung die Offenlegung einer dafür notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Einen Monat lang haben demnächst alle Bürger Zeit, die Pläne einzusehen und ihre Meinung dazu zu Protokoll zu geben.

Wie berichtet, plant ein Dortmunder Investor, das Areal zu kaufen und die alten Imra-Gebäude abreißen zu lassen. An ihrer Stelle – und damit in unmittelbarer Nachbarschaft des Netto-Marktes – sollen ein rund 2000 Quadratmeter großer Lebensmittelmarkt und und ein Drogeriemarkt entstehen.

Dieses Vorhaben macht vielen Angst – Einzelhändlern zum Beispiel, die eine Schwächung der Innenstadt befürchten. Diese Bedenken versuchte gestern Jörg Lehnerdt von der in Köln ansässigen BBE Handelsberatung zu zerstreuen. Er stellte das im Vorfeld solcher Ansiedlungen erforderliche Einzelhandelsgutachten vor. Es wurde von dem Investor bezahlt und kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um ein konkurrierendes, sondern eher um ein die Innenstadt ergänzendes Angebot handele.

Lehnerdt wagte ein Prognose, was nach Eröffnung dieses Nahversorgungszentrums passieren wird. Rund zehn Millionen Euro Umsatz seien dort möglich, davon 2,5 Mio. im Drogeriemarkt. Der Fachmann wusste auch, woher das Geld kommen wird: 5,1 Mio. Euro fließen aus den Nachbarstädten zurück, vor allem dadurch, dass Altenaer nicht mehr dort, sondern eben in der Rahmede einkaufen gehen. Den Rest büßt der Altenaer Einzelhandel ein – wegen des dort vorhandenen Sortiments aber eher nicht der in der Innenstadt, sondern die Discounter und vor allem der Toom-Markt. Dessen Umsatzrückgang könne bei 2,5 Mio. Euro liegen, sagte Lehnerdt.

Vor allem Wolfgang Wilbers (SPS) machte sich Sorgen über die möglichen Konsequenzen solcher Verluste: Verschwinde der Toom, sehe es auch für die übrigen Mieter im Stapelcenter düster aus. „Ich will nicht, dass wir da am Ende sowas wie einen kleinen Nettenscheid haben“, sagte der SPD-Ratsherr. „Es gibt diese Ängste, die muss man auch ernst nehmen“, bestätigte Uwe Scholz von der CDU.

Von einer „tickenden Zeitbombe“ sprach in diesem Zusammenhang Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Er berichtete, dass der Toom-Mietvertrag 2017 auslaufe und von Verantwortlichen der Real-Gruppe allenfalls wage Angaben darüber gemacht würden, was dann passiere. „Wenn der schließt, dann haben wir wieder gar nichts mehr“, sagte Hollstein. Ohnehin sei es nicht so, „dass der Toom glücklich- und seligmachend ist“, sagte Hollstein; von Anfang an habe das Stapelcenter den übrigen Einzelhändlern geschadet.

Lehnerdt schlug in die gleiche Kerbe: „Sowas macht man heute nicht mehr“, sagte er über das Toom-Konzept. Als Ankermieter schade das SB-Warenhaus dem Stapelcenter womöglich mehr, als dass es nütze. Es sei dringend eine Umstrukturierung erforderlich, um die übrigen Flächen wieder attraktiver zu machen. Hollstein erinnerte daran, dass sich das schwierig gestalten dürfte: Die Eigentumsverhältnisse im Stapelcenter seien unklar. Es stehe unter Zwangsverwaltung, eine Bereitschaft zu grundlegenden Investitionen sei nicht erkennbar. J ben.-

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