Nach Ulrich geht auch Manfred Hücking in den Ruhestand

„Mutterhaus“ der Metzgereien Hücking schließt

+
Manfred und Karin Hücking (l.) wissen ihre Angestellten alle gut untergebracht. Heute ist ihr letzter Arbeitstag.

Altena - „Morgens mal in Ruhe die Zeitung lesen!“ das wird die erste Amtshandlung im Ruhestand sein, die Manfred Hücking sich fest vorgenommen hat. 79 Jahre ist er alt und erst heute ist sein letzter Arbeitstag in der Metzgerei in der Werdohler Straße. Obwohl er seinen Beruf nie als Arbeit empfunden hat: „Er hat mir immer Spaß gemacht, er war mein Leben“, resümiert Hücking, der heute letztmalig die Ladentür zum Verkauf aufschließt.

Es gab Dinge, die er sichergestellt wissen wollte. Zum Beispiel, dass die Frauen aus dem Verkaufsteam eine sichere Arbeitsstelle haben, wenn er den Laden schließt. Und dass Geselle Achim Hücking eine Anstellung in der Industrie bekommen hat. „Und ich wollte mich von den Kunden noch verabschieden können.“ Ehefrau Karin nickt zustimmend. Mit der Metzgerei an der Werdohler Straße schließt das „Mutterhaus“ des Generationenunternehmens. „Obwohl wir 1939 auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Haus Nummer 13 angefangen haben“, erklärt Manfred Hücking. 1968 ging es am heutigen Standort weiter. Große Teile der Familiengeschichte sind bereits erzählt. Erst im Mai schloss Ulrich Hücking seine Metzgerei in der Lennestraße, seine Geschichte ist auch die von Manfred Hücking, denn die Brüder sind immer Familie gewesen und nie Konkurrenten. Nach den Hückings benannte die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft scherzhaft den Zug Lennestein um in „Frikadellenzug“. Manfred Hücking lacht: „Die Schützen sind für uns Familie, unser Herz ist grün-weiß.“ Das bestätigt Ehefrau Karin, im nächsten Jahr feiert sie 40-jähriges Thronjubiläum als Königin. Mit der Metzgerei ist sie genauso stark verwurzelt, wie ihr Mann es war. „Ich komme aus einer Metzgerei-Familie und wollte nie einen Metzger heiraten“, schildert sie schmunzelnd. Und dann hat sie doch alles mitgetragen: Das frühe Aufstehen, damit die Theke um 8 Uhr bestückt war. Das Beliefern der kleinen Konsumläden bis nach Neheim, die Büffetbestellungen... Alle Angestellten haben die Hückings selbst ausgebildet und im Laden behalten. „Gute Leute lässt man nicht gehen. Die Verkäuferinnen wussten immer ganz genau, was die Kunden gerne mochten.“ Lieblingswürste der Altenaer? „Mettwurst, Fleischwurst und Leberwurst, ganz klar!“ zählt Hücking spontan auf. Die Frauen hinterm Tresen wird man in Kürze im neuen Edeka wiedersehen an der Frischetheke. Und Hückings? Freuen sich erstmal darauf, morgens nicht mehr gehetzt Kaffee trinken zu müssen. Nach dem Abverkauf - heute gibt’s noch einen Rabatt - kommt die Tafel und holt die Lagerbestände ab. Darunter auch Lebensmittel, die nicht zum typischen Metzgerei-Sortiment gehören, wegen spontaner Büffetbestellungen aber trotzdem vorrätig sein mussten. Manfred Hücking will noch das Inventar an den Mann bringen, dann bereitet er mit Karin den Umzug vor. „Nur eine Etage höher. Weg aus diesem Haus gehe ich nicht mehr. Höchstens mit den Füßen voran“, schildert er lachend. Lange gesund bleiben will er im Ruhestand. „50 Jahre habe ich nicht einmal einen Arzt gesehen oder eine Tablette geschluckt. Den Rekord konnte ich leider nicht halten. Ein paar Zipperlein haben sich nun doch eingestellt...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare