Zehn Vorfälle rufen alleine 2018 die Polizei auf den Plan 

Am Tag danach im Altenaer Lidl-Markt: Unternehmen setzt Security-Firma ein

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Kamen am Dienstagmorgen nichtsahnend in die Lidl-Filiale: Elisabeth und Wilfried Hepping. Sie waren entsetzt vom Reizgas-Vorfall.

[Update, 21.31 Uhr] Altena - Schauplatz Lidl an der Werdohler Straße in Altena: Am Tag danach sitzen Verkaufsleiter Vadim Achziger und Marktleiterin Silke Mertens mit einer Kollegin im Büro. Sie war mittendrin im Geschehen um jenen Mann, der erst Whiskey-Flaschen klauen wollte, dann Reizgas versprühte und elf Menschen verletzte. "Wir möchten nichts sagen. Wir möchten die Kollegen schützen", betont Vadim Achziger.

Der Täter ist weiter auf der Flucht. Er spricht Deutsch mit Akzent, ist zwischen 25 und 35 Jahre alt, 165 Zentimeter groß, hat einen dunklen Teint und einen kleinen Zopf. Die Polizei ist aber guter Dinge, den Täter aufgrund von Zeugenaussagen doch noch schnappen zu können. 

Die Großfahndung direkt am Montagabend war allerdings erfolglos geblieben. Auch am Dienstagabend gab es noch keine Spur von dem Täter.

Reizgas-Aggressor offenbar kein Lidl-Stammkunde

Augenscheinlich ist der Mann kein Stammkunde an der Werdohler Straße, denn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kennen ihre Pappenheimer, wie es so schön heißt. "Die haben wir eigentlich immer im Blick", sagt eine Lidl-Angestellte, die Montag Frühschicht hatte und gegen 19 Uhr nicht mehr in der Filiale war. Und sie ergänzt: "Ich beneide die Kollegen wahrlich nicht, die das miterlebt haben. Mir reichen schon die Randalierer!"

Hier geht es zu unserer Erstberichterstattung vom 12. November

Auch davon gibt es wohl einige. Den Zorn lassen sie im Laden aus oder gern auch mal an der Tür, die dann kaputt getreten wird. Insgesamt gab es in diesem Jahr zehn solche Vorfälle in der Lidl-Filiale, die 1999 eröffnet wurde, drei Jahre später ausbrannte und wieder aufgebaut wurde.

Immer wieder fallen aggressive Personen auf

Als Brennpunkt für Straftaten gilt der Supermarkt an der Werdohler Straße 5 allerdings nicht. Den Mitarbeitern dürften die Vorfälle allerdings reichen...

Eine gefährliche Körperverletzung gab es im August, als ein Mann im Markt randalierte und mit Bierdosen um sich warf. Er musste nach Informationen unserer Redaktion in eine psychiatrische Einrichtung zwangsweise eingewiesen werden. 

Zehn Vorfälle gab es in diesem Jahr in der Lidl-Filiale an der Werdohler Straße.

Erst am 22. Oktober versuchte ein Ladendieb, Alkohol und Zigaretten mitgehen zu lassen. Er wurde von den Lidl-Mitarbeitern - wie am Montagabend der jetzt noch flüchtige Reizgas-Aggressor - wegen des versuchten Diebstahls angesprochen und konnte bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Dann allerdings trat und beleidigte der stark alkoholisierte Mann die Beamten.

Lidl-Stellungnahme: Sicherheitsunternehmen beauftragt

Das Unternehmen antwortete auf eine Anfrage unserer Redaktion, dass "aufgrund des Ereignisses für uns in Altena zusätzlich ein Sicherheitsunternehmen im Einsatz" sein wird.

Weiter heißt es: "Die betroffenen Mitarbeiter erhielten nach diesem Vorfall direkt und unmittelbar durch ihren Verkaufsleiter und unseren Personalbetreuer, den Beauftragten für Mitarbeiter und Soziales, jegliche Unterstützung und Hilfe. 

Grundsätzlich bieten wir unseren Mitarbeitern in Notfällen beispielsweise die Möglichkeit, psychologische Betreuung über die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) in Anspruch zu nehmen. Den Mitarbeitern geht es mittlerweile gut und sie arbeiten wieder."

Viele Kunden betreten ahnungslos den Supermarkt

Seit Dienstagmorgen läuft längst wieder der ganz normale Geschäftsbetrieb im Lidl-Markt, nachdem die Filiale "während der Schließung gründlich gelüftet und im Bereich, in dem das Reizgas versprüht wurde, gereinigt wurde", so eine Unternehmenssprecherin.

Viele Kunden wussten bei ihrem Einkauf trotz der umfangreichen Berichterstattung im Internet, in der Tageszeitung oder im Lokalradio noch gar nichts vom abendlichen Reizgas-Vorfall – so wie beispielsweise das Ehepaar Hepping. 

"Ich bin entsetzt", sagt Elisabeth Hepping. Ihr wird ganz mulmig, als sie von den Vorkommnissen erfährt.

"Passieren kann überall etwas", meint indes Ursula Carlabrese, die auch nichts ahnend durch den Laden schlendert. 

Kunden wünschen Leichtverletzten gute Besserung

Die meisten Kunden äußern sich unserer Redaktion gegenüber sehr gefasst und hoffen, dass die Verletzungen, die elf Menschen erlitten haben, nicht so schwerwiegend sind. Wie es den Betroffenen gesundheitlich geht, ist im Detail nicht bekannt.

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