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Nach Prüfung: Brücken bekommen schlechte Noten

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Von: Maximilian Birke

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Als „nicht ausreichend“ bewerten die Bauwerksprüfer die Fritz-Berg-Brücke: Immerhin statisch ist sie aber noch in Ordnung.
Als „nicht ausreichend“ bewerten die Bauwerksprüfer die Fritz-Berg-Brücke: Immerhin statisch ist sie aber noch in Ordnung. © Henrik Wiemer

Wie schlimm es um einige Brücken in der Region steht, zeigt der Fall der Rahmedetalbrücke auf der A 45. Aber auch die Brückenbauwerke in Altena und Nachrodt erhalten keine guten Zustandsnoten.

Die Infrastruktur in Deutschland ist an vielen Stellen in die Jahre gekommen. Wie schlimm es um einige Bauwerke steht, zeigt der Fall der Rahmedetalbrücke auf der A 45. Die Bundesanstalt für Straßenwege (Bast) hat jetzt eine Übersicht veröffentlicht, aus der hervorgeht, wie es mit anderen Brücken in der Region steht. Nur wenige Bauwerke erhalten dabei eine gute Zustandsnote. Eine Übersicht.

Die Brücken in Altena

Die Bewertung erfolgt über Zustandsnoten (1,0 bis 4,0) und den sogenannten Traglastindex (TLI). Tatsächlich schafft es in Altena nicht eine Brücke auf eine gute Zustandsnote. Alle untersuchten Bauwerke bewegen sich zwischen „befriedigend“ und „nicht ausreichend“.

Zu berücksichtigen ist, dass in der veröffentlichten Übersicht lediglich Brücken berücksichtigt sind, für die der Bund die Baulast trägt. Mit anderen Worten: Es sind nur Brücken, die direkt unter einer Bundesstraße liegen oder sie überqueren. Daher finden sich für Altena auch lediglich zwei richtige Brücken sowie eine Unterführung.

Fritz-Berg-Brücke: „Nicht ausreichend“

Die Fritz-Berg-Brücke, die die B 236 im Bahnhofsbereich überspannt, erhielt von den Bauwerksprüfern die Note 3,0. Gleichermaßen wurde die Pott-Jost-Brücke bewertet. Die 3,0 bedeutet, dass der Zustand „nicht ausreichend“ ist.

Die Pott-Jost-Brücke bekommt die Gesamtnote 3,0. Das bedeutet „nicht ausreichend“.
Die Pott-Jost-Brücke bekommt die Gesamtnote 3,0. Das bedeutet „nicht ausreichend“. © Goor-Schotten, Hilde

Die Zustandsnoten dienen laut Bundesanstalt für Straßenwege allerdings lediglich der weiteren Erhaltungsplanung und ließen die Dringlichkeit erkennen, mit der an den Brücken gearbeitet werden muss. Die Noten geben jedoch keine Auskunft darüber, wie zahlreich oder wie groß die jeweiligen Schäden sein können.

Traglastindex als zweiter Indikator

Deshalb gibt es den zweiten Indikator des Traglastindexes. Durch diesen erfolgt laut Bundesanstalt der Vergleich der Tragfähigkeit einer Brücke mit der vorhandenen oder nachgewiesenen Brückenklasse (Norm über anzunehmende Belastung) des Bauwerks. Die Bewertung erfolgt in fünf Stufen über römische Ziffern.

Grundlagen für die Benotung der Brücken und Einordnung der Noten

Grundlage der Zustandsnote für Brückenbauwerke sind die Ergebnisse der regelmäßig stattfindenden Bauwerksprüfungen. Dabei werden die „Richtlinien zur einheitlichen Erfassung, Bewertung, Aufzeichnung und Auswertung der Bauwerksprüfungen nach DIN 1076“ beachtet. Ausschlaggebend für den Bauwerkszustand sind die vom Bauwerksprüfer festgestellten Mängel, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit bewertet werden. Der Gesamtzustand wird mit Noten von 1,0 bis 4,0 zusammengefasst. Dabei werden sechs Notenbereiche unterschieden: 1,0 bis 1,4 (sehr guter Zustand), 1,5 bis 1,9 (guter Zustand), 2,0 bis 2,4 (befriedigender Zustand), 2,5 bis 2,9 (ausreichender Zustand), 3,0 bis 3,4 (nicht ausreichender Zustand) und 3,5 bis 4,0 (ungenügender Zustand). Die Zustandsnote bildet die Grundlage für die Erhaltungsplanung. Sie lässt die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen erkennen, gibt jedoch keinen Aufschluss über Art und Umfang der Schäden oder die Kosten der Instandsetzungsmaßnahme.

Die Zustandsnote ist ein Stichtagswert, welcher der ständigen Fortschreibung der Daten unterliegt. Eine Zustandsnote von 3,0 bis 3,4 (nicht ausreichender Bauwerkszustand) bedeutet nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern ist vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen ist. Eine Zustandsnote von 3,5 und schlechter beschreibt zwar einen „ungenügenden Bauwerkszustand“ mit der Definition: „die Standsicherheit und/oder Verkehrssicherheit sind erheblich beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben“. Dies kann aber auch durch fehlende Gitterstäbe im Geländer ausgelöst werden oder sich auf eine große Anzahl von Schäden (zum Beispiel Betonabplatzungen) beziehen, ohne dass die Standsicherheit gefährdet wäre.

In der Bauwerksdatenbank sind nur Bauwerke in der Baulast des Bundes enthalten. Zu Bauwerken anderer Baulastträger, wie Bundesfernstraßenbrücken in Städten mit mehr als 80 000 Einwohnern, liegen dem Bund keine Informationen vor.

Dabei schneiden sowohl die Fritz-Berg- als auch die Pott-Jost-Brücke wiederum gut ab. Die Tragfähigkeit stellt derzeit also kein Problem dar und die Bauwerke sollten zukunftsfähig sein. Die Fritz-Berg-Brücke erhält die römische Ziffer II, die Pott-Jost-Brücke sogar eine I und erzielt damit das bestmögliche Ergebnis. Zusammengefasst bedeutet das, dass an beiden Brücken zwar Schäden vorliegen, beispielsweise an den Geländern oder am Beton, diese sich aber nicht auf die Statik auswirken.

Unterirdische Konstruktion

Die Bundesanstalt für Straßenwege listet für Altena zudem eine weitere weitere Brücke, die den Brachtenbecker Bach überspannen soll. Dabei handelt es sich nicht um eine erkennbare Brücke, sondern eher um eine unterirdische Konstruktion, die es dem Bach ermöglicht, im Bereich des Brachtenbecker Wegs unter der B 236 hindurch in die Lenne zu fließen. Auch dieses Bauwerk wurde aber geprüft und hat dabei die Note 2 erhalten, was einem „befriedigend“ entspricht. Der Traglastindex ist mit II ebenfalls gut.

Brücken in Nachrodt

Für Nachrodt-Wiblingwerde taucht in der Übersicht lediglich eine Brücke auf. Dabei handelt es sich um die Lennebrücke an der B 236. Wenig überraschend fallen die Zustandsnoten schlecht aus: Das „alte Schätzchen“ erhält von den Bauwerksprüfern eine 3,7 und ist damit nicht weit von der schlechtestmöglichen Note 4 entfernt. 3,7 heißt, dass der Zustand der Brücke „ungenügend“ ist. Auch der Traglastindex der Lennebrücke ist nicht gut. Er liegt bei IV. Schlechter wäre nur eine V, mit der Brücken gekennzeichnet werden, die „mit einem Alter von 50 Jahren und mehr den Zenit ihrer geplanten Nutzungszeit überschritten haben, nicht nach aktuellem Regelwerk geplant und gebaut wurden und bei denen aufgrund des seinerzeitigen Stands der Technik im Vergleich zu den heutigen Anforderungen die meisten statisch-konstruktiven Defizite auftreten“.

„Ungenügend“ ist der Zustand der Lennebrücke in Nachrodt: Sie muss dringend erneuert werden. Die Planungen laufen seit Jahren.
„Ungenügend“ ist der Zustand der Lennebrücke in Nachrodt: Sie muss dringend erneuert werden. Die Planungen laufen seit Jahren. © Lydia Machelett

Die Lennebrücke ist wegen ihres Zustands schon lange halbseitig gesperrt. Der Verkehr wird durch eine Ampelanlage über die Brücke geleitet, damit die Belastung für das Tragwerk nicht zu groß wird. Planungsarbeiten für den Neubau der Flussquerung laufen bereits. Frühestens für 2023 rechnete Bürgermeisterin Birgit Tupat zuletzt mit einem Beschluss, der dem Landesbetrieb Straßen.NRW das Baurecht zusprechen würde. Dann könnte 2024 oder 2025 mit dem Bau der neuen Lennebrücke begonnen werden. Bis dahin muss die alte noch durchhalten. Die letzte Bauwerksprüfung, die im November 2021 stattfand, hatte gezeigt, dass das klappen sollte.

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