in Altena

Nach Pleiten und Pannen: Fußgängerbrücke auch noch teurer

Fußgängerbrücke Altena
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Der Bau der Fußgängerbrücke in Altena war teurer als geplant.

Die Irrittation war groß: Die Fußgänger

Altena – Pikiert reagierte Ulrich Biroth, als die Verwaltung dem Rat jetzt eine Liste mit über- und außerplanmäßigen Ausgaben vorlegte. Bei deren genauem Studium entdeckte der Fraktionsvorsitzende der Sozialen und demokratischen Alternative (SDA) erhebliche Mehrkosten für die neue Fußgängerbrücke zwischen Markaner und Bahnhofsgelände.

Und das weiß die Verwaltung nicht erst seit gestern: „Bereits die Erd- und Gründungsarbeiten durch die Firma Krutmann, die im September 2018 abgeschlossen wurden, gerieten schon teurer als der ursprüngliche Auftrag“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

180.000 Euro Mehrkosten für Brücke

Es geht um insgesamt rund 180 000 Euro: Im Jahr 2020 mussten gut 130 000 Euro nachgelegt werden, 2021 wurden weitere 50 000 Euro fällig. „Das ist schon eine Hausnummer“, sagte Biroth. Und: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals darauf hingewiesen worden wäre.“ Dass die Verwaltung suboptimal arbeitete, räumt sie in der Vorlage indirekt ein: Schon 2018 stand fest, dass das Geld nicht reicht: „Es wurde versäumt, (...) zusätzliche Haushaltsmittel einzuplanen, sodass das Geld jetzt am Ende für den Stahlbau fehlt“, schreibt Kämmerer Stefan Kemper.

Warum das alles so gelaufen ist, ließ sich in der Ratssitzung nicht klären. Fachlich fällt die Brücke in die Zuständigkeit von Roland Balkenhol. Der Abteilungsleiter für Planen und Bauen hat Urlaub und konnte deshalb an der Ratssitzung nicht teilnehmen. Balkenhol hat im Rat und im Ausschuss für Stadtentwicklung mehrfach über das Projekt und seine vielen Pannen und Verzögerungen berichtet, zuletzt im November 2020. Damals kündigte er weitere Verzögerungen an, zu den Mehrkosten sagte er kein Wort.

Ursprünglich 1,2 Millionen Baukosten geplant

Auch als das Bauwerk kurz vor Ostern endlich fertig war, konnte Balkenhol noch keine Angaben zu den Gesamtkosten machen. Tatsächlich trudelten auch in diesem Jahr noch Rechnungen ein, womit Kämmerer Kemper nicht gerechnet hatte: Als der Haushalt 2021 im Sommer 2020 aufgestellt worden sei, wurden „ebenfalls keine weiteren Mittel eingeplant, weil (...) noch fest davon ausgegangen wurde, dass alle Rechnungen noch in 2020 fällig werden“.

Ursprünglich waren für den Bau der Brücke 1,2 Millionen Euro veranschlagt, die Kostensteigerung liegt also bei gut zehn Prozent. Warum die Politik nicht beziehungsweise mit erheblicher Verzögerung über die Mehrkosten informiert wurde, soll dem Rat jetzt schriftlich mitgeteilt werden, und zwar als Anlage zum Protokoll.

Einige Projekte auf später verschoben

Immerhin sorgen die erheblichen Verzögerungen beim Bau der Brücke dafür, dass der Kämmerer Deckungsvorschläge machen kann. Ein großer Teil der Mehrkosten kann nämlich dadurch aufgefangen werden, dass es mit dem Lennepark am Bahnhof nicht so schnell vorangeht wie geplant. Deshalb wurde 2020 an der Park-and-Ride-Anlage und dem hinteren Ausgang der Bahnhofsunterführung praktisch nichts getan, was im Etat zu Einsparungen von rund 100.000 Euro führte. Das sind natürlich keine echten Einsparungen, die Mittel werden nur in einem späteren Haushaltsjahr fällig.

Auch die Mehrkosten für 2021 kann Kemper dadurch decken, dass für die Erschließung des Bahngeländes in diesem Jahr noch nicht so viel Geld ausgegeben werden kann wie geplant.

Ganz reicht das aber nicht, um die Mehrkosten zu decken. Deshalb hat sich der Kämmerer im 2020-er Haushalt auf die Suche gemacht und eine Menge meist kleinerer Vorhaben gefunden, für die entgegen der Planungen kein beziehungsweise weniger Geld ausgegeben wurde als geplant. Dazu zählen Ausstattungsgegenstände für die Jugendbegegnungsstätten, ein 4000 Euro teurer „Werkzeugsatz Türöffnung“ für die Feuerwehr, die nach dem Einsatzstichwort „hilflose Person hinter verschlossener Tür“ immer Wohnungstüren öffnen muss.

Über die über- und außerplanmäßigen Ausgaben informiert der Kämmerer den Rat in regelmäßigen Abständen. Abgestimmt wird darüber nicht, die Politiker nehmen die Vorlage nur zur Kenntnis.

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