Nach 20 Jahren im Vorzimmer des Bürgermeisters jetzt in Rente

Mit Hollstein geht auch Schulze

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Gundula Schulze an ihrem Arbeitsplatz im Büro des Bürgermeisters. Sie hat 20 Jahre an dieser verantwortlichen Stelle gesessen, zuletzt als Chefsekretärin. Dabei verstand sie sich stets als Schnittstelle zwischen „Kollegen, der Verwaltungsleitung und außen.“

Altena – „Büro Dr. Hollstein, Gundula Schulze, guten Tag!“ Wie oft sich die Chefsekretärin des langjährigen Bürgermeisters Dr. Andreas Hollstein in seinem Büro in 20 Jahren so gemeldet hat, wenn Anrufe sie erreichten, weiß sie selbst nicht so genau.

Zeitgleich mit dem scheidenden Rathaus-Chef hat auch sie am Freitag, 30. Oktober, ihren letzten Arbeitstag. Ihr war immer wichtig, „Anrufern zu helfen, das vorgetragene Problem anzugehen.“ Manchmal habe es schon genügt, einfach im Haus weiter zu vermitteln und den richtigen Ansprechpartner für den Bürger zu finden. Und wenn man mal nicht helfen konnte? Schulze: „Das gab es nicht. Wir haben immer eine Lösung gefunden, der Bürger hat auf jeden Fall stets eine zufriedenstellende Antwort erhalten.“ Das galt im Besonderen für das lange Jahre von ihr betreute Altenaer Bürgertelefon. Die Arbeit im Vorzimmer war für sie stets „spannend und von gegenseitigem Vertrauen geprägt“, sagt die 65-Jährige. Vorzimmer – das treffe an sich nicht die Tätigkeit, „das war stets mehr als Kaffee zu kochen oder nur einfache Verwaltungsaufgaben zu erledigen.“ Ihrem Chef attestiert sie, „mich häufig mit ins Informationsboot genommen zu haben, damit ich wusste, worum es geht. Das erhöht nicht nur die Motivation, das ist auch enorm arbeitsproduktiv“, sagt sie rückblickend. Verschwiegenheit, Vertrauen, kein Getratsche „zu niemanden“, das sei immer ihr Credo gewesen sagt Schulze und lässt sich auch nicht die kleinste humorvolle Episode oder das kleinste Missgeschick entlocken. Sie habe sich immer als Schnittstelle verstanden zur Verwaltungsleitung, den Kolleginnen und Kollegen und nach außen. „Da kann nur Diskretion das Gebot sein“, so würde sie auch heute „keinen Deut von meinem Weg abrücken.“ 20 Jahre war Gundula Schulze eine der ersten Ansprechpartnerinnen des Bürgermeisters. Zuvor arbeitete sie viele Jahre in der Bücherei in Nachrodt, später noch in Altena. Nach dem Abitur hatte sie zunächst Jura studiert.

Sprachen liegen der freundlichen Frau und so genoss sie es, besondere Kontakte mit den Partnerstädten in England und Frankreich pflegen zu dürfen und im Auftrag der Stadt in die Partnerstadt Péronne zu reisen. Auch in die vielfachen Aktivitäten, die Hollstein international anstieß, war sie eingebunden. Ob nun das Urbact-Projekt oder Op-act – beides Programme, die sich mit dem Einwohnerschwund und seinen Problemen befassten. „Es war sehr interessant, auch bei diesen Projekten nicht nur Korrespondenz zu erledigen, Telefonate zu führen, sondern auch in der Altenaer Delegation mit dabei zu sein zu dürfen“, sagt sie. Ein Arbeitshöhepunkt über viele Jahre sei aber ganz sicher „alles rund um den Erlebnisaufzug“ gewesen. Botschafter, Exzellenzen, Ministerpräsidenten, Minister und Staatssekretäre ja sogar den Bundespräsidenten durfte sie persönlich in Altena kennenlernen. „In der Vorbereitung des Besuchs von Herrn Bundespräsident Steinmeier haben wir sehr gut mit der Staatskanzlei in Düsseldorf und dem Bundespräsidialamt in Berlin zusammengearbeitet. Auch dort arbeiten kompetente, freundliche Menschen, mit denen die Zusammenarbeit Spaß gemacht hat“. Dass ihr beim Empfang in der Bürgerburg Holtzbrinck dann die Ehre zukam, Steinmeier den Mantel abzunehmen, „geschenkt“, lacht Schulze. Andreas Hollstein sei „ein toller Chef gewesen“, sagt sie. Ihrer Familie mit vier Enkelkindern gehört jetzt ihre Zukunft. Ihr Ehemann genießt bereits seit sechs Jahren das Pensionärsleben. „Er hat immer viel erledigt und so konnten wir dann die gemeinsame Freizeit – insbesondere Reisen – miteinander genießen“, sagt Schulze. Noch häufiger als bisher möchte sie zudem „zum Buch greifen. Ich bin breit interessiert, wichtig ist mir, dass mich das Lesen auch weiterbringt.“ Ihren Kollegen dankt sie für eine „stets gute, freundschaftliche und faire Zusammenarbeit“ und bedauert (Stichwort Corona), nicht so Abschied nehmen zu können wie geplant.

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