Nach 65 Jahren schließt die Altenaer Metzgerei Radke

ALTENA – Noch sind die Auslagen für Frischwurst und Fleisch gut gefüllt. „Wir haben aber etwas weniger gemacht“, sagt Marianne Radke und ihr Ehemann Klaus nickt. „Freitag ist endgültig Schluss, dann gehen wir endlich in den Ruhestand“, so das Paar, das die City Metzgerei an der Lennestraße 62 an diesem Standort seit 30 Jahren führt.

Eine Ära endet dann, denn der Vater von Marianne Radke, Fleischermeister Hermann Wiebusch, begründete die Tradition der Metzgerei kurz nach seiner Meisterprüfung vor „exakt 65 Jahren.“

Seither stand die Fleischerei für alles, „was lecker ist“, sagt Marianne Radke mit etwas Wehmut in der Stimme.

Seit knapp zehn Jahren wird nicht mehr im Hause geschlachtet, „wir haben das in Gelsenkirchen machen lassen. Die Ware wurde dann täglich frisch angeliefert.“

Ob das, was sie an Frischwurst im Kühlhaus und in der Auslage haben und was als Schinken oder Würstchen am Haken hängt, wirklich bis Freitag, 18.30 Uhr, ausreicht, wissen die beiden nicht. „Schluss ist, wenn keine Ware mehr da ist. Dann drehen wir den Schlüssel eben früher um“, haben sie sich vorgenommen. „Wir selbst können doch nicht noch tage- oder wochenlang selbst so viel essen“, sagt Marianne Radke und lacht.

Es kommt ihr an diesem Morgen aus dem Herzen, denn sie fügt an: „Wissen Sie, wir haben seit Jahren versucht, einen Nachfolger zu finden. Vergeblich. Aber mein Mann ist 71 Jahre alt und einfach oppe vom vielen Arbeiten. Und ich selbst bin auch schon 68 Jahre.“

Es sei Knochenarbeit gewesen, das Stehen in der Wurstküche, das Verkaufen, das Ausliefern, das Herrichten von Buffets und das praktisch rund-um-die-Uhr für das Geschäft da zu sein, mit dem Partyservice auch an den Wochenenden. „Hätte ich einen Stundenzettel geführt, so 60, ach was, 70 Stunden wären allein bei mir pro Woche zusammen gekommen“, resümiert die Geschäftsfrau.

„Aber“, und sie tut einen tiefen Seufzer und rückt ihrem Mann Klaus die Schürze fürs Foto zurecht, „wir beiden haben das gern gemacht. Die Kunden haben uns die Treue gehalten und wir konnten auch mit den Menschen.“

Welche besondere Spezialitäten gab es denn aus dem Hause Radke? Die Frage scheint etwas zu verwirren, denn die Antwort ist entwaffnend einfach: „Das, was wir angeboten haben, war immer frisch, lecker und von guter Qualität. Das haben die Kunden honoriert, denen wir an dieser Stelle auch einmal herzlich danken möchten“, sagt das Paar. „Aber wenn Sie schon fragen, ich denke mal unser Schinken, der war immer besonders lecker, haben jedenfalls die Altenaer gesagt.“

In den letzten Jahren hat das Paar den Ruhestand immer wieder vor sich hergeschoben. „Aber dann kamen und blieben die vielen Baustellen. Das raubt nicht nur Nerven, das kostet auch Umsatz“, sagt Marianne Radke.

Beide bleiben in ihrem Hause wohnen, „und machen endlich das, was wir immer wollten: Laufen, mit den Hunden raus gehen. Mal spontan nach Hagen, Dortmund oder auf die Landesgartenschau in Hemer fahren. Eines ist klar: Langweilig wird es uns nicht, wir haben jede Menge nachzuholen.“ 

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