Nach 27 Jahren: Letzter Hilfstransport für Pinsk

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Fleißige Helfer: Sie packen die Kartons für den letzten Transport nach Pinsk.

Altena – Seit 1993 machen sich jedes Jahr lkw mit Hilfsgütern auf den Weg nach Pinsk. Ende März fährt der letzte los. Eine Ära endet.

Die Kleiderständer und die Schuhregale sind schon verschwunden. Die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins Altena-Pinsk haben sich noch einmal zum „Wegsortieren“ getroffen, denn am 26. März geht der letzte Lkw-Transport nach Weißrussland. 

Am Samstag (14. März) werden noch einmal Privatpakete für Pinsker Familien angenommen, dann stellt die Kleiderkammer an der Dahler Hauptstraße den Betrieb ein. „Anfang April geben wir den Schlüssel ab“, sagt Ulla Klüppel. 

Jeden Mittwoch haben sich die Helfer hier im Obergeschoss der Schreinerei Frank getroffen. Und während noch einmal Karton um Karton gepackt wird, spricht Mariele Band wohl allen aus der Seele: „Wir werden es vermissen.“ 

12 bis 14 Tonnen pro Transport

„Es“, das ist das gemeinsame Anpacken und die engagierte Hilfeleistung für bedürftige Familien in Pinsk. Seit der Vereinsgründung im Jahr 1993 gab es regelmäßige Transporte, Einmal, 1999, fuhr sogar vier Mal ein Lkw gen Osten. „Mindestens einen Transport gab es in jedem Jahr“, erinnert sich Ulla Klüppel, die gute Seele des Vereins. 

Anfangs war es die baptische Gemeinde in Pinsk, die sich um die Verteilung der Hilfsgüter kümmerte. Seit 2009 ist der „Verein aller Behinderten“ für diese Aufgabe zuständig. Mit jedem Transport gingen zwölf bis 14 Tonnen Material nach Weißrussland. 

Frauen der ersten Stunde sind Trude Goseberg (links) und Ulla Klüppel.

Pro Lastwagen waren das jeweils 1300 Kartons gefüllt mit Kleidung, Schuhen, Spielzeug, Bettwäsche oder Handtüchern. Dazu kamen Rollstühle, Rollatoren, Toilettenstühle, Hygieneartikel - und Fahrräder. 

Ulla Klüppel hat nachgerechnet: In den vergangenen 27 Jahren gab es 38 Hilfstransporte, der 39. und letzte wird vorbereitet. „Für jeden Lkw und Fahrer wurde gebetet“, erinnert sich Trude Goseberg, „in Dahle und in Pinsk. Die Arbeit wurde von Gott gesegnet.“ 

"Magazin ohne Geld"

Die Verbindung nach Pinsk war im Übrigen nie eine Einbahnstraße, denn es kamen viele Besucher aus der Partnerstadt ins Sauerland, darunter rund 1000 Kinder, für die Ulla Klüppel Ferienaktionen organisierte. 

Alle Gäste konnten sich in der Kleiderkammer an der Haupstraße bedienen und machten regen Gebrauch davon: „Alle waren immer begeistert von den tollen Sachen“, berichtet Ulla Klüppel, weshalb die Einrichtung nach kurzer Zeit einen prägnanten Namen erhielt. 

„Magazin ohne Geld“ haben die Pinsker die Kleiderkammer stets genannt. Jetzt schließt es, das Magazin ohne Geld. Maßgeblich war am Aufbau der Kleiderkammer Jochen Goseberg beteiligt. „Bis zu seinem Tod kümmerte er sich um die wichtigen Belange und die Hilfstransporte, beschaffte mit viel Engagement Packtische, Kleiderständer, Schuhregale und vieles mehr“, erinnert Ulla Klüppel an die Zeit des Aufbaus. 

Von Anfang an sprang sie bei den Hilfstransporten mit. Im Gegenzug leistete Jochen Goseberg wichtige Unterstützung bei den Kindererholungsaktionen. 

Jüngere Helfer fehlen

In den ersten Jahren konnte man auf einen Kreis von immerhin 14 Helferinnen und Helfern zurückgreifen. Es sind in erster Linie Altersgründe, die die Ehrenamtler ans Aufhören denken ließen, berichtet Ulla Klüppel. 

Es gebe keine Jüngeren, die sich der Aufgabe annehmen wollen. „Es waren schöne Jahre“, blickt die 75-Jährige zurück. Sie sei wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. „Es sollte so sein. Aber alles hat seine Zeit.“ Und trotzdem ist nicht so ganz Schluss.

 „Wir wollen uns alle 14 Tage weiter treffen – zum Quatschen“, kündigt Ulla Klüppel an. Auch sei nicht an eine Auflösung des Vereins insgesamt gedacht. Man könne schließlich auch finanziell noch weiterhin etwas Gutes für die Menschen in der weißrussischen Partnerstadt tun

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