Nach Hochwasser

Einsturzgefährdete Firma im MK: Nachts kommen Plünderer 

Firma Duschking an der Lüdenscheider Straße in Altena
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Die Firma ist einsturzgefährdet und darf nicht betreten werden.

Nach dem verheerenden Hochwasser ist die Firma im MK einsturzgefährdet. Und als sei das nicht genug, hoffen Plünderer dort nun auf Beute - ohne Erfolg.

Altena – „Den Stapler hatten wir ‘reingefahren. Da kommen wir ja schnell wieder dran. Dachten wir. Zwei Stunden später wurde das Gebäude dichtgemacht. Wegen akuter Einsturzgefahr. Für uns. Aber THW und alle möglichen Leute laufen noch darin ‘rum. Wir dürfen den Stapler nicht ‘rausholen, dürfen Material und Dokumente nicht herausholen. Auch das THW darf das nicht für uns tun. Und das bis heute.“

Andras Murza schüttelt den Kopf, ringt sich ein Lächeln ab, steht zehn Meter vor seiner Firma – oder vor dem, was davon übrig geblieben ist. Duschking hat das Unwetter aufs Härteste getroffen. Ruiniert. Im sicheren Abstand zum Gebäude ist die Lüdenscheider Straße – und somit die Bundesstraße – komplett gesperrt.

Scheiben eingeschlagen, um Wasser ablaufen zu lassen

Wie es weitergeht, ist noch nicht geklärt. „Wir müssen gucken, wie wir eine Lösung hinbekommen“ , sagt Bürgermeister Uwe Kober. Und das gehe nur in enger Zusammenarbeit mit der Firma. Man sei im Gespräch. „Aber ich will da keine Leute ‘reinschicken, die dann vielleicht ums Leben kommen“, so Uwe Kober.

Die Fluten – und tatsächlich schossen Wassermassen – waren im vierten Stock ins Gebäude eingedrungen. Als die Feuerwehr nach eineinhalb Stunden kam, stand alles unter Wasser, auch der Aufzugschacht. „Da haben wir die Scheiben eingeschlagen, damit die Wassermengen kontrolliert ‘rauslaufen konnten“, erzählt Andreas Murza von den Dramen, die sich bei Duschking abspielten.

Millionenschaden, keine Versicherung

Ein Millionenschaden. Und: keine Elementarversicherung. Duschking hat Soforthilfe beantragt. Aber das dürfte nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.

Er kann noch lächeln, obwohl er das Gebäude an der Lüdenscheider Straße in Altena aufgrund der Einsturzgefahr nicht betreten darf: Duschking-Geschäftsführer Andreas Murza.

Nach dem Zusammenbruch der Firma kam der Zusammenhalt der Menschen. Vor wenigen Tagen haben bei Duschking noch hunderte Freunde, Kollegen, Kunden und Firmenpartner geholfen, geradezu geackert, um den Wasser- und Geröllmassen Herr zu werden. Das nachträgliche Wissen, dass die Helfer womöglich in großer Gefahr waren, setzt sich schwer auf die Gefühlsachterbahn des Geschäftsführers.

Verkehr: Vibrationen erhöhen Einsturzgefahr

Aber er sagt auch, ohne verharmlosen zu wollen: „Das Gebäude steht immer noch und die Gefahr wird geringer. Der Schutt wird immer trockener, bekommt also weniger Gewicht.“ Nur: Wenn wieder Verkehr rollen sollte, könnten die Vibrationen möglicherweise für einen Einsturz sorgen.

Unter Schock? Unfähig, das Unfassbare in Worte zu fassen? Was man vermuten könnte, trifft weder auf Andreas Murza noch auf seinen Sohn Tobias oder den dritten Geschäftsführer Lutz Ruppel zu. „Wir haben sofort realisiert, was los ist“, sagt Andreas Murza und fügt kampfeslustig und mit einem Schmunzeln hinzu: „Jetzt machen wir Duschking groß.“ Es ist Optimismus trotz des Blickes auf die Trümmer.

Notproduktion in Werdohl

„Wenn die Firma Gerhardi uns nicht geholfen hätte, dann würde die Welt aber ander aussehen“, gibt der 57-Jährige zu. Gerhardi hat in Werdohl-Dresel Gebäudehallen zur Verfügung gestellt. „Nach einer Stunde hatten wir den Schlüssel und konnten alles, was wir durch die Helfer retten konnten, dorthin bringen“, schickt Andreas Murza ein riesiges Dankeschön an alle Unterstützer.

Von der Hilfsbereitschaft und der Power ist er völlig überwältigt. „Kunden von uns haben ihre Mitarbeiter hierhin geschickt. Es kamen sogar sieben Leute aus dem Allgäu“, erzählt Andreas Murza. Mit Trocknungsgeräten, Kanalreiniger, Warmwasserversorgung und anderen händeringend benötigten Geräten rückten die Helfer bei Duschking an und eilten auch zum Grennigloher Weg.

Helfer-Tourismus ärgert Geschäftsführer

Doch nicht immer war es unkompliziert: „Sie haben auch bei der Handwerkskammer angerufen, weil sie noch an anderen Stellen helfen wollten. Da hat die Handwerkskammer gesagt, dass das so schnell nicht gehe, dann müssten sie das ja organisieren und koordinieren“, erzählt Andreas Murza. Er glaubt bei aller Begeisterung und Dankbarkeit für die Solidarität, dass die Not der Menschen auch von manchen Leuten, die die Opfer für Leistungen zur Kasse bitten, schamlos ausgenutzt wird. Und dass es auch Helfer-Tourismus gibt.

Einmal war, so berichtet der Nachrodter, eine Gruppe aus Minden da. „Die haben eine halbe Stunde geholfen, dann wurde es ihnen zu anstrengend.“ Und so gibt es augenscheinlich immer zwei Seiten der Medaille: Freiwillige Helfer, die „malochen bis zum Umfallen“ und andere, die das eben nicht tun. Von den Plünderern ganz zu schweigen. Es sind diejenigen, die auch jetzt noch glauben, irgendetwas Brauchbares bei Duschking ergattern zu können. Und nicht nur dort. Sie sind vermehrt in Altena unterwegs. Oder Fotos machen wollen.

Plünderer: THW ruft Polizei

Das THW, das noch dabei ist, das Gebäude von der Rückseite aus leerzupumpen, ist auch nachts vor Ort und hat deshalb schon mehrmals die Polizei gerufen, wie Frank Herbel, Ortsbeauftragter des THW Altena, bestätigt. Um das Gebäude zu bewachen, hatte Andreas Murza auch in seinem Wohnmobil vor der Tür übernachtet.

Und nun? Eine Idee der Duschking-Geschäftsführer ist es, das linke Gebäude abzureißen. Verwaltung und Ausstellung könnten im Gebäude rechts bleiben. Im Moment werden in Werdohl Produktionstische gebaut, damit eine Notproduktion starten kann. Und in Werdohl soll auch zukünftig der Produktionsstandort sein. Mit aller Kraft sollen die Existenz der Firma und die Arbeitsplätze für mehr als 40 Mitarbeiter gerettet werden.

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