Nach Familienstreit fünf Monate Haft auf Bewährung

Wegen einer langen Vorstrafenliste des Angeklagten ließ Richter Dirk Reckschmidt keine Gnade walten und verurteilte diesen zu einer fünfmonatigen Haftstrafe auf Bewährung.

Altena - Familienstreitigkeiten sind oft ein schwieriges Feld für eine strafrechtliche Aufarbeitung. Anders war es im Fall eines 36-jährigen Altenaers, der am 30. Juli auf seine Schwester losgegangen war und sie geschlagen hatte. Er kassierte im Amtsgericht eine fünfmonatige Haftstrafe, die allerdings auf Bewährung ausgesetzt wurde.

Im Gerichtssaal zeigte sich schnell, dass der Konflikt offenbar schon seit längerem offen ausgetragen wurde. Auch die Geschädigte musste einräumen, dass sie ihrem Bruder schon mal eine böse Nachricht geschickt hatte.

Das Geschehen am 30. Juli ging jedoch deutlich über die vorangegangenen Scharmützel hinaus. Zunächst schickte der Angeklagte ihr eine „Voicemail“ – eine gesprochene Nachricht oder wahlweise eine üble Beschimpfung zum Abhören, die dem Täter die direkte Konfrontation erspart.

Wie viel Hass und Verachtung in dieser Nachricht steckten, war noch im Gerichtssaal zu spüren, da die Zeugin das Tondokument mitgebracht hatte.

Kurz nach dem Absenden dieser Nachricht schellte der Angeklagte an der Tür seiner Schwester. Nach dem Öffnen griff er sie offenbar ohne Vorwarnung an: „Er hat mich an den Haaren gerissen, hin und her geschüttelt und meinen Kopf gegen die Türzarge geschlagen“, erinnerte sich die 48-jährige Zeugin.

Prellungen am Rücken, Kratzer und Schürfwunden waren die Folge. Als ihre Tochter zu Hilfe eilte, griff der Angeklagte auch seine Nichte an und brachte sie ebenfalls gezielt zu Boden.

Der 36-jährige Angeklagte reagierte mit einem reichhaltigen Redeschwall auf die Vorwürfe: Seine Schwester habe sofort angefangen, auf ihn einzuschlagen, sie sei „eine der größten Betrügerinnen, die ich kenne“ und überhaupt lasse er sich so etwas nicht gefallen.

„Solche Beleidigungen darf man nicht aussprechen“, konterte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer und beantragte wegen Beleidigung und zweifacher vorsätzlicher Körperverletzung eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 60 Euro.

Richter Dirk Reckschmidt blieb in seinem Urteil angesichts der langen Vorstrafenliste des Angeklagten jedoch deutlich über diesem Antrag: Die Bewährungszeit bis zum Erlass der fünfmonatigen Haftstrafe legte er auf vier statt der üblichen drei Jahre fest.

Von Thomas Krumm

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