Neues, prominentes Mitglied

Nach nur einem Jahr: Wechsel an Altenas CDU-Spitze

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Dirk Siebecke (links) ist neuer Vorsitzender der CDU Altena. Mit seinem Vorgänger Björn Uhr ehrte er die Jubilarinnen Hella Bemme und Andrea Kern (rechts).

Altena - Mit Prof. Dr. Thorsten Müller hat die CDU Altena ein neues, prominentes Mitglied. Der ehemalige Leiter des NRW-Landesbüros der Konrad-Adenauer Stiftung ist nach Altena gezogen und stellte sich am Dienstag den Mitgliedern des Ortsverbandes mit einem Referat über Populismus vor. Vorher musste allerdings ein neuer Vorsitzender gewählt werden.

Nach nur einem Jahr an der Spitze des CDU-Stadtverbandes stellte Björn Uhr sein Amt schon wieder zur Verfügung. Umstrukturierungen bei seinem Arbeitgeber hätten dazu geführt, dass sich sein Aufgabenbereich deutlich vergrößert habe und er beruflich viel unterwegs sei, begründete er seine Entscheidung. Für die ehrenamtliche Arbeit an der Spitze des Stadtverbandes bleibe keine Zeit mehr. Der Nachfolger hat Zeit genug: Dirk Siebecke ist 64 Jahre alte und längst in Rente. Den elterlichen Bauernhof auf dem Nettenscheid, den er jahrelang nach ökologischen Prinzipien im Nebenerwerb betrieb, hat er an einen seiner Söhne übergeben. „Grünes Herz, scharfer Verstand, schwarze Seele“: So sieht Siebecke sich selbst.

„Mit meiner Familie habe ich bestimmt schon 10 000 Bäume gepflanzt.“ Als CDU-Vorsitzender will er Bürgerstammtische einführen, den Parteinachwuchs stärken und Referate zu aktuellen politischen Themen organisieren. Wichtiges Vorbild sei für ihn neben dem Ex-Stadtverbandsvorsitzenden Uwe Scholz und Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein auch Gudrun Hein, die der Frauenunion immer wieder neue Impulse gebe, sagte Siebecke, bevor er einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.

In dieser Funktion hat er im kommenden Jahr einen Kommunalwahlkampf zu führen, bei dem es zumindest am Geld nicht scheitern dürfte: Kassierer Frank Waßmuth berichtete von einem Kassenstand, der knapp unter 100 000 Euro liegt. In seiner Abschiedsrede hatte Uhr aber durchaus auch Probleme benannt: Leerstände in der Innenstadt, Stillstand beim Stapelcenter und das Krankenhaus machten ihm Sorgen, sagte er. „Und die Aufbruchstimmung, die wir nach der Fertigstellung der Lennepromenade und des Burgaufzugs hatten, die würde ich gerne noch einmal verspüren.“

Insgesamt zeigte er sich aber mit der Entwicklung der Stadt zufrieden. Gerade der Zuzug junger Familien aus Nachbarstädten zeige, „dass es sich in Altena gut leben lässt“. Ganz so jung ist Prof. Dr. Thorsten Müller zwar nicht mehr, aber ebenfalls neu in Altena. Er zog in die Burgstadt, nachdem er Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen wurde. Zuvor lebte er in Düsseldorf, wo er in einem Ministerium arbeitete und den CDU-Ortsverein Altstadt leitete. Mit dem Umzug wurde er automatisch Mitglied der CDU Altena, bei der er sich mit einem Vortrag über Populismus vorstellte.

Populismus ist an sich nichts Schlimmes. Diese Botschaft war dem Referenten wichtig. Er erinnerte an Politiker wie Franz Josef Strauß, Herbert Wehner und Gerhard Schröder, die in der politischen Auseinandersetzung kein Blatt vor den Mund nahmen. „Viellei cht müssen wir das wieder lernen“, sagte er. „Man darf die Auseinandersetzung suchen und dabei gerne auch etwas deftiger formulieren.“ Damit erreiche Politik die Bürger sicher besser als mit weichgespülten Debatten. Wichtig sei aber, dass Grenzen nicht überschritten würden – wenn US-Präsident Donald Trump politische Gegner als Abschaum bezeichne, dann nutze er „ein Vokabular, das sich verbietet“.

Ähnliches attestierte Müller auch der AfD. Mit zahlreichen verbalen Entgleisungen habe sie gezeigt, dass sie nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehe. Er erinnerte an Alexander Gaulands Zitat „Wir werden Frau Merkel jagen.“ Wer so etwas sage, sei für rechtsextreme Gewalttaten zumindest mitverantwortlich. Immer wieder spiele das rechte Lager Gruppen gegeneinander aus, wenn zum Beispiel Slogans wie „Geld für Oma statt für Sinti und Roma“ plakatiert würden oder behauptet werde, Zuwanderung führe zu Überfremdung und sei Völkermord am deutschen Volk. „Hier werden Ängste insbesondere gegen den Islam geschürt, das fällt auf fruchtbaren Boden“, sagte Müller. Und: Wo der Migrant Nachbar oder Kollege sei, da seien die AfD-Wahlergebnisse nicht so hoch wie in Gegenden mit niedrigem Ausländeranteil.

„Das ist Angst vor dem, was man nicht kennt“, erklärte Müller. Er forderte die CDU aber auch auf, Diskussionen, beispielsweise über Asylpolitik, nicht aus dem Weg zu gehen: „Bürgerlich zu sein heißt, konstruktiv Probleme anzusehen und klare Kante zu zeigen – aber nicht, Gruppen aufeinanderzuhetzen.“ Weil das der Stil der AfD sei, komme eine Zusammenarbeit mit ihr auf keinen Fall in Frage, sagte Müller mit Blick auf die Wahlergebnisse in Thüringen.

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