Straßen, Brücken, Kanäle, Häuser kaputt

Nach der Flut: Wiederaufbau dauert in Altena mehrere Jahre 

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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Voll erwischt hatte das Hochwasser den Baubetriebshof in Altena.

Was ist alles kaputt gegangen bei der Flut vor sechs Wochen in Altena? Nun gibt‘s einen ersten Überblick. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Altena – Am Montag versuchte die Stadtverwaltung, den Mitgliedern des Rates einen Überblick zu geben. Neben den einzelnen Abteilungsleitern berichteten dort auch Hendrik Voß (Stadtwerke, Bäderbetrieb, Abwasserwerk) und Robert Groppe vom Baubetriebshof, was in ihren Zuständigkeitsbereichen passiert ist.

Bürgerservice am Markaner: Trockner laufen

Tanja Jäker informierte über die Schäden im Bürgerservice am Markaner. Dort mussten alle Böden herausgerissen werden, im Moment laufen die Trockner. Der Wiederaufbau kann vermutlich in vier Wochen beginnen. So lange ist der Bürgerservice im großen Sitzungssaal des Rathauses untergebracht.

In der Sekundarschule ist die gerade erst erneuerte Schulküche überflutet worden und muss erneuert werden. „Kleinere Probleme“ gebe es im Parkhaus unter dem Fritz-Berg-Haus, wo die untere Parketage weiter gesperrt ist, sagte Jäker. Ihre Abteilung organisierte auch das Bürgertelefon, das nach der Flut geschaltet wurde und das auch an den Wochenenden besetzt war.

Chemikaliengemisch in der Feuerwache

Sehr stolz sei sie, dass die Mitarbeiter der Verwaltung diesen Service ohne Murren möglich machten. „Das kam bei den Betroffenen richtig gut an“, sagte sie. Neben Jäker lobten übrigens auch die anderen Abteilungsleiter die Hilfe durch Mitarbeiter, die die Nachbarstädte und der Kreis nach Altena entsandten.

Ulrike Anweilers Ordnungsamtsabteilung war in der akuten Phase des Hochwassers pausenlos im Einsatz, um Straßen zu sperren, Parkplätze zu räumen und Menschen unterzubringen, die von eben auf jetzt ihre Häuser verlassen mussten. In Anweilers Zuständigkeitsbereich fällt auch die Feuerwehr, bei der das Gerätehaus Knerling und die Hauptwache betroffen waren.

An der Bachstraße habe sich ein wahres Chemikaliengemisch in den Keller ergossen: „Alles was da gelagert war, ist kaputt und muss ersetzt werden“, sagte Anweiler und sprach von einem „extremen finanziellen Aufwand“. Überschaubarer sind die Schäden an den Parkscheinautomaten: Sechs sind abgesoffen, Ersatz ist bestellt.

Bäche: Gefahrenabwehr läuft noch

„Wir sind noch immer in der Gefahrenabwehr“, sagte Bauabteilungsleiter Roland Balkenhol mit Blick auf die Bäche. Es werde „Wochen und Monate“ dauern, bis sie ausgebaggert seien. Es gebe Stellen, da liege das Geröll zwei Meter hoch in den Bachläufen und behindere den Abfluss. Auch umgefallene Ufermauern müssten an vielen Stellen noch geborgen werden. Sie sollen wo immer möglich nicht ersetzt, sondern durch Böschungen ersetzt werden, um den Bächen mehr Platz zu geben.

Statiker hätten sich inzwischen mit Brücken und Überbauungen beschäftigt und an einigen Stellen unterspülte Fundamente gefunden, was zur Sperrungen geführt habe. Das betreffe auch private Bauwerke, sagte Balkenhol. Was die Gemeindestraßen angeht, so müsse das bestehende Straßenbauprogramm völlig neu überdacht werden.

Flutgeschädigte Flüchtlinge betreut

„Wir müssen überlegen, was zuerst erneuert werden muss.“ Nachrangig sind für Balkenhol die Schäden der oberen Lenneterrasse. Sie könne genutzt werden, allerdings müssten bei Gelegenheit die Bohlen aufgenommen werden, um nach möglichen Schäden an der Unterkonstruktion zu suchen.

Die Abteilung Jugend und Soziales von Agnes Goniwiecha hat mit dem Hochwasser am wenigsten zu tun: Weder Kindergärten noch Jugendzentren seien betroffen, schilderte die Abteilungsleiterin für Jugend und Soziales. „Hochwassereinsätze“ hatten lediglich die für Integration zuständigen Mitarbeiter, die flutgeschädigten Flüchtlingen halfen.

Bauhof dankbar für riesige Unterstützung

„Zuallererst mussten wir uns mal selber helfen.“ Bauhof-Leiter Robert Groppe erinnerte daran, dass das Betriebsgelände am Brachtenbecker Weg ebenfalls stark beeinträchtigt war. Helfer in der Not sei das benachbarte Unternehmen Flori gewesen, das mit Radladern dafür gesorgt habe, dass die städtischen Fahrzeuge und Geräte wieder erreicht werden konnten.

Auch andere Firmen hätten sich hervorragend engagiert. In der Spitze seien zwölf Unternehmen mit im Schnitt jeweils zehn Leuten im Einsatz gewesen. Anfangs sei es vor allem darum gegangen, die Straßen für Rettungs- und Ordnungskräfte freizumachen.

Bachverrohrungen setzen sich immer wieder zu

Großartige Hilfe habe der Bauhof am Wochenende nach der Flut durch den Bauhof Iserlohn/Hemer erfahren, der unter anderem bei der Müllbeseitigung viel weggearbeitet habe. Im Moment seien noch fünf Fremdfirmen mit der Beseitigung von Flutschäden beschäftigt, sagte Groppe. Sorgen bereiten ihm vor allem Geschiebefänge, die fast ausnahmslos zerstört seien.

Das große Aufräumen in Altena

Das große Aufräumen in Altena.
Die Post kommt wieder nach Altena
Die Post kommt wieder nach Altena
Das Team vom Café Nostalgie mit dem wiedergefundenen Schild.
Das große Aufräumen in Altena

Das erhöhe die Gefahr, dass sich beim nächsten Stark-Regen wieder Bachverrohrungen zusetzen. Straßeneinläufe müssten weitaus öfter gereinigt werden als sonst, sagte Groppe: „Sie setzen sich immer wieder zu.“

Trinkwasser war nie in Gefahr

Hendrik Voß berichtete, dass immer noch mehrere Spülwagen im Einsatz seien, um die Abwasserkanäle von Geröll zu befreien: „Sobald es regnet, wird da wieder ganz viel Zeug eingeschwemmt“, schilderte er. Größere Schäden am Kanalnetz seien bisher nicht aufgefallen. Es sei aber geplant, in Kürze das komplette Kanalnetz mit Kameras zu untersuchen.

Auch dafür ist Voß zuständig. Die Versorgung mit Gas und Trinkwasser sei nicht wesentlich beeinträchtigt worden, schilderte er. Normal und unbedenklich sei es gewesen, dass das Trinkwasser nach den immensen Niederschlägen eingetrübt gewesen sei. Das sei untersucht worden, alle Werte seien unbedenklich gewesen.

Schwimmbad: Wohl kein Betrieb vor 2022

„Wir mussten keine Abkochempfehlung aussprechen.“ Stark getroffen hat es die Büros des Unternehmens: Das Kundenbüro am Markaner ist unbenutzbar, auch die untere Etage des Verwaltungsgebäudes an der Linscheidstraße stand unter Wasser. „Wir sind da jetzt im Rohbaustadium“, schilderte Voß den Stand der Schadensbehebung. Er hofft, dass die Büros in zwei Monaten wieder bezogen werden können. So lange sollten sich Kunden bevorzugt telefonsich an das Unternehmen wenden.

Im gefluteten Keller des Hallenbades ist laut Voß damit begonnen worden, die Schäden zu erheben: „Es muss alles aufgeschraubt, vom Schlamm befreit und getrocknet werden.“ Er gehe davon aus, dass die Beschaffung der erforderlichen Ersatzteile Monate dauern wird und das Bad erst 2022 wieder in Betrieb gehen kann.

B236 Richtung Werdohl noch länger gesperrt

„Straßen NRW hat in der Nette und in der Rahmede Außergewöhnliches geleistet“, lobte Bürgermeister Uwe Kober und berichtete von mehreren Gesprächen zur Problematik der nach wie vor gesperrten B 236. Er gehe davon aus, dass die Sperrung in Höhe Buchholz noch länger dauern werde. Großes Glück sei gewesen, dass die dort freigespülte Gas-Hochdruckleitung nicht gebrochen sei. „Wäre das passiert, dann stünde da jetzt vieles nicht mehr“, sagte er.

Straßen NRW nutzt die Vollsperrung der Lüdenscheider Straße in Altena zur Sanierung einer Stützmauer.

Schneller als am Buchholz wird es nach Kobers Einschätzung an der Lüdenscheider Straße gehen: Dort wird eine Bruchsteinmauer repariert. Wenn das erledigt sei, könne der Verkehr dort wohl wieder fließen. Nichts zu machen sei wohl gegen die avisierte Vollsperrung der Lüdenscheider Straße ab dem 26. September.

Aufarbeitung dauert Jahre

Es bleibe aber dabei, dass die Sperrung am Buchholz während des Austauschs der defekten Schallschutzelemente aufgehoben werde und der Verkehr einspurig fließen könne, sagte der Bürgermeister.

Kobers Fazit: „Wir sind immer noch massiv damit beschäftigt, alles Mögliche aufzuarbeiten. Das wird uns noch Wochen, Monate und Jahre beschäftigen.“

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