Riesige Schäden

Nach der Flut: Unternehmen im MK verlegt Firmensitz in Nachbarstadt 

Die Firma Duschking ist von Altena ins Werdohler Gewerbegebiet Dresel umgezogen und hat auch schon ihren Firmensitz verlegt. Geschäftsführer Tobias Murza steht hier vor dem neuen Lager in den ehemaligen Gerhardi-Hallen.
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Die Firma Duschking ist von Altena ins Werdohler Gewerbegebiet Dresel umgezogen und hat auch schon ihren Firmensitz verlegt. Geschäftsführer Tobias Murza steht hier vor dem neuen Lager in den ehemaligen Gerhardi-Hallen.

Es waren die schlimmsten Stunden seines Lebens: Die Firma Duschking wurde bei der Flut völlig zerstört. Nun spricht der Geschäftsführer über die Katastrophe, den Neuanfang - und den Umzug in die Nachbarstadt

Werdohl/Altena – „Über Nacht war unser Firmengebäude in Altena zerstört, Ware und Inventar für hunderttausende Euro abgesoffen und wir waren der Verzweiflung nahe.“ Tobias Murza erzählt von den schlimmsten Stunden seines Lebens als Geschäftsführer der Firma Duschking, als das 50-Mann-Unternehmen über Nacht komplett den Bach herunterging. Zwei Monate später ist Duschking ins Gewerbegebiet Dresel umgesiedelt, auferstanden aus Ruinen.

„Vollgas“ ist ein Wort, das Tobias Murza oft verwendet, wenn es um das Engagement seiner Leute und Geschäftsfreunde geht. Der 33-Jährige steht immer noch oder schon wieder unter Strom, der Wiederaufbau des Unternehmens ist im Gange. Noch ist die Zukunft ungewiss, dringend wird sehr viel Geld aus dem Hochwasserfonds benötigt. Am Freitag war Murza einer der ersten, die Anträge für die NRW-Aufbauhilfe stellten.

Einsturzgefahr: Zutritt wurde verboten

Bei der Firma Duschking drang das Wasser in ein oberes Stockwerk ein und lief durchs ganze Gebäude.

In der Nacht des 14. Juli rauschte ein ansonsten harmloser Bach durch das mehrstöckige Altenaer Firmengebäude, drückte Tonnen von Schlamm und Geröll auf die Zwischendecken, beschädigte Waren, Einrichtung und letztlich das ganze Gebäude. Der Bach, der im Sommer oft gar kein Wasser führt, ist unterhalb des Gebäudes verrohrt, führt unter der Bundesstraße B 236 und unter der Bahnlinie in die Lenne.

Tobias Murza, Geschäftsführer von Duschking. Die Firma ist in erster Linie eine Vetriebs-Gesellschaft, produziert wird nur an zwei CNC-Fräsmaschinen.

In einer unvergleichlichen Solidaritätsaktion mit unzähligen Helfern konnten aus dem teils frisch renovierten Gebäude Waren und Möbel geholt werden. „Auf einmal stand einer vom Ordnungsamt vor uns und verbot uns den Zutritt“, erinnert sich Tobias Murza. Zwischendecken galten als akut einsturzgefährdet.

Zukunft der Gebäude unklar

Bis durch Statiker geklärt werden konnte, dass das Haus wieder betreten werden darf, vergingen zwei Wochen. Die Stadt Altena habe der Firma Duschking das Leben schwer gemacht, sagt Murza. Immer noch nicht klar ist deshalb, was mit dem Gebäude passieren soll. Juristen und Sachverständige werden klären müssen, wer für die Kontrolle des Bachlaufs oberhalb des Firmengeländes zuständig war, wer welche Kosten tragen muss. Den Bach neu im Gebäude zu verrohren, ist unmöglich. Über einen Teilabriss oder Abriss und Totalaufgabe wird nachgedacht.

Doch zurück zur Hochwassernacht. Murza: „Wir hatten praktisch nichts mehr. Ware, EDV, Gebäude, fast alles verloren. Sechsstellige Lagerwerte zerstört. Volle Verzweiflung.“ Keine Gesellschaft hatte das Gebäude gegen Elementarschäden versichern wollen. 50 Menschen waren über Nacht ohne Arbeit.

Flut: „Wirtschaftlich ein Desaster“

Nach zwei Wochen Streitigkeiten kamen Murzas wieder ins Gebäude. Das befreundete Unternehmen Praedata in Nachrodt bot an, die EDV von Duschking aufzustellen und provisorisch unterzukommen. Der Werdohler Thomas Dinter aus der Geschäftsführung von Gerhardi bot an, das nach dem Umzug nach Rosmart nicht mehr genutzte Gelände in Dresel zu mieten.

Duschking und Gerhardi wurden sich sofort einig, in aller Eile wurde begonnen, Ware aus Altena nach Dresel zu transportieren und sie dort zu reinigen. Nach acht Wochen am neuen Standort sieht es in Dresel schon wieder nach einem halbwegs funktionierenden Unternehmen aus. Nur in manchen Ecken liegen verschlammte Aluminiumprofile oder Waschtische, die noch geputzt werden müssen.

Murza lobt seine Leute und die Geschäftspartner immer wieder: „Das Schadensereignis hat uns alle zusammengeschweißt. Aus Partnern sind Fans geworden. Wirtschaftlich ist das ein Desaster, doch wir geben nicht auf.“

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