Lockerungen im Stufen-Modell

Nach Corona-Gipfel: Reaktionen zwischen Freude und Frust 

Restaurants und Bars wurden bereits Anfang November aufgrund der Corona-Pandemie wieder geschlossen
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Restaurants und Bars bleiben vorerst weiterhin geschlossen.

Buchhändler dürfen öffnen, Lokale erstmal nicht. Und shoppen geht bald mit Termin und Test? Die Ergebnisse des Corona-Gipfels lösen in Altena und Nachrodt sehr unterschiedliche Reaktionen aus.

Lange hat Altenas Stadtoberhaupt Uwe Kober (CDU) am Mittwochabend (3. März) auf Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz gewartet, um am Donnerstagvormittag (4. März) festzustellen: „Der große Wurf war es nicht.“ Vor allem die arg gebeutelte Gastronomie habe nach Uwe Kobers Einschätzung „noch immer keine richtige Perspektive“.

Die Einführung von massenhaften Schnell- und Selbsttests sind nach Ansicht Kobers „sicherlich hilfreich“, allerdings sieht er auch noch „viel Arbeit“ auf die Kreise zukommen, was Organisation und Kommunikation anbelangt. Stichwort Meldepflicht bei positivem Testergebnis.

Hausarzt: „Impfen das einzig Wahre“

Ab Ende März/Anfang April sollen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte mitimpfen. Und das begrüßt der internistische Hausarzt Dr. med. Joachim Matuszewski außerordentlich. „Das finde ich sehr gut und wird auch Zeit“, so Matuszewski, der bereits mehrere Impfungen gegen Corona in Pflegeeinrichtungen verabreicht hat.

Im Kampf gegen das Virus sei das Impfen das „einzig Wahre. Alles andere wie zum Beispiel die Selbsttests ist nur Beiwerk“, betont der erfahrene Mediziner, für den es höchste Zeit wird, dass Hausärzte nun an der Impfkampagne beteiligt werden. Damit stößt er ins selbe Horn wie Matthias Hartig aus Nachrodt, der klare Wünsche äußert.

Dr. Jürgen Matuszewski aus Altena.

Fahrlehrer: Teststrategie mit „dickem Fragezeichen“

„Es ist immer schwierig zu sagen, welche neuen Regelungen der Politik auf die Fahrschulen zutreffen und wie wir sie umsetzen sollen. Deshalb warte ich auf die Mitteilung unseres Straßenverkehrsamtes, in der die Infos zum weiteren Vorgehen stehen“, sagt Fahrschul-Inhaber Patrick Persicke.

„Aber ich freue mich! Es ist schön, dass der Betrieb nun endlich auch umfassender weitergehen kann. Fragwürdig sind noch manche Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Idee mit den Corona-Schnelltests. Ob und wie wir die machen sollen, da steht für mich momentan noch ein dickes Fragezeichen hinter.“ Er ist froh, dass der Flickenteppich an Regeln, die bislang für Fahrschulen galten, ein Ende hat. Der hatte bei ihm für Kopfschütteln gesorgt.

Juwelierin: Regeln für Handel „schwer nachvollziehbar“

Ab Montag ist der Einkauf vor Ort je nach regionaler Inzidenz in Geschäften des Einzelhandels mit einem Termin möglich. Dort, wo die Inzidenz über 50 und unter 100 liegt, können Geschäfte mit Click and Meet öffnen. Aber wird das auch im MK so sein, wo der Inzidenzwert über 100 liegt?

Juwelierin Ulrike Betzler-Hüttemeister.

Juwelierin Ulrike Betzler-Hüttemeister glaubt nicht daran und findet die Beschlüsse, was den Handel betrifft, „schwer nachvollziehbar“. Die Entscheidungen vom Corona-Gipfel finden Sie hier. „Es würde uns freuen, wenn Kunden wieder ins Geschäft kommen könnten“, sagt sie. Solange das noch nicht möglich ist, wird der Verkauf weiter an der Tür stattfinden.

Beauty Atelier: Unklarheit, was erlaubt ist

Seit 1. März darf Kalliopi Cochylas von „Das kleine Beauty Atelier“ wieder kosmetische Fußpflege anbieten. Ob sie schon in Kürze weitere „körpernahe Dienstleistungen“ anbieten wird, konnte die Inhaberin am Donnerstagmittag noch nicht absehen. „Ich weiß es noch nicht und warte jetzt auf Informationen von der Handwerkskammer“, so Cochylas.

Sollte sie wieder ihre kosmetischen Behandlungen anbieten dürfen, dann müssten ihre Kunden einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest vorweisen, falls sie bei ihrem Termin die Maske nicht aufbehalten können.

Buchhändlerin: Öffnung trotz hoher Inzidenz „hat Geschmäckle“

„Ich werde am Montag höchstwahrscheinlich aufmachen. Es bleibt aber ein Geschmäckle, weil die Zahlen gerade bei uns im Kreis nicht sonderlich berauschend sind“, sagt Gerlinde Fuhrmann. Sie darf nach den Frisören ab 8. März wieder Kunden in ihrer Buchhandlung empfangen.

Gerlinde Fuhrmann öffnet am Montag die Buchhandlung Katerlöh.

„Die Sorge vor einer Infektion“, sagt Fuhrmann offen und ehrlich, sei trotz des Hygienekonzeptes und aller Vorsicht aber „immer da“. Für die Kunden freut sie sich: „Die Leute möchten wieder stöbern und nicht nur am Fenster stehen und sich die Nase platt drücken.“

Wirt der Brenscheider Mühle: „Arbeit macht so keinen Spaß mehr“

„Mir ist nicht klar, wie das mit den Tests ablaufen soll. Was für eine Arbeit soll das für uns Gastronomen werden? Wenn die neuen Regeln bewirken, dass nur fünf Leute am Tag kommen, lasse ich das Restaurant lieber geschlossen. Das würde sich nicht lohnen. Die Arbeit ist kompliziert und aufwendig geworden und macht keinen Spaß mehr“, sagt Tilemachos Delisavvidis, Wirt der Brenscheider Mühle

„Die Finanzhilfen kommen nicht an, aber die Kosten laufen. Bis jetzt sehe ich noch keine Zukunft. Den März habe ich schon abgeschrieben. Ich denke, es wird frühestens im April etwas. Da bleibt abzuwarten, ob es Sonderregeln für Ostern gibt.“

Apothekerin: „Je mehr Selbsttests, desto besser“

Als „wichtigen Baustein“ der Pandemie-Eindämmung hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Selbsttests bezeichnet. Da findet er eine Fürsprecherin in Apothekerin Jaqueline Daly, Inhaberin der Lenne-Apotheke. „Das sehe ich genauso“, sagt die Pharmazeutin. Grundsätzlich gelte: „Je mehr, desto besser.“

Apothekerin Jaqueline Daly aus der Lenne-Apotheke in Nachrodt.

Es gebe allerdings, wie anfangs bei den Schutzmasken, die Frage der Verfügbarkeit, wirft sie ein. Auf dem Markt seien bislang nur vier Anbieter mit einem für Laien geeigneten Verfahren. Sie habe „divers“ bestellt, derzeit aber noch keine dieser Tests zur Verfügung.

Kulturring: „Keine Chance“ bei diesen Inzidenzzahlen

Kulturring-Geschäftsführer Wolfgang Noack weiß, dass er sich wohl noch in Geduld üben muss: „Ich sehe keine Chance, bei diesen Inzidenzzahlen Vereinbarungen mit Künstlern zu treffen.“ Vielleicht könne man für Juni an eine Wiederaufnahme des Kulturbetriebs denken.

„Dann können wir bis zum Jahresende noch ein schönes Programm präsentieren“, sagt Wolfgang Noack. „Ich kann aber keinen Schalter umlegen.“ Vier Wochen Vorlauf brauche er mindestens, denn Veranstaltungen müssten ja auch beworben werden, um Eintrittsgelder zu generieren.

Sekundarschul-Leiterin: „Viele Unklarheiten“

Pro Präsenzwoche sieht der Bund-Länder-Beschluss einen kostenlosen Schnelltest für Schüler und für Lehrer vor. Anne Rohde, Leiterin der Sekundarschule in Altena und Nachrodt, sieht offene Fragen. „Wer macht die Tests, wie soll der Ablauf genau absehen? Es gibt noch viele Unklarheiten.“

Das Land NRW berät noch, vielleicht könne sie danach mehr sagen, meint Rohde. Grundsätzlich sei aber alles richtig, „was uns wieder Präsenz-Unterricht ermöglicht“, sagt die Pädagogin. Es sei gut, dass Grundschullehrer und Erzieherinnen jetzt priorisiert geimpft werden.

Blumen Steinmann: Verkauf wird „unkomplizierter“

„Für uns ändert sich durch die Neuerung gar nicht so viel. Einige Sachen durften wir ja auch vorher schon verkaufen. Jetzt wird es unkomplizierter, weil man nicht mehr so viel darüber nachdenken muss, was verkauft werden darf“, sagt Katrin Schipper-Steinmann von Blumen Steinmann.

Im Laden von Dieter Steinmann und seine Tochter Katrin Schipper-Steinmann läuft das Geschäft.

„Für Motorgeräte wie Kettensägen, bei denen wir vorher keine Beratungen durchführen durften, fängt außerdem jetzt die Saison an. Insofern ist der Beschluss für uns praktisch. Der Betrieb läuft dank des super Wetters momentan gut. Die Leute freuen sich und wollen sich draußen Buntes hinstellen. Dadurch werden sie zu uns gelockt.“

Kuzina-Wirt: Keine Hoffnung auf Öffnung vor Ostern

„An sich ist es gut, wenn die Restaurants mit dem Betrieb vielleicht wieder starten können. Aber ich denke nicht, dass das vor den Osterferien klappen wird“, sagt Sokratis Agnantis, Wirt des Kuzina.

„Die Lage ist bei uns sehr schwierig, bei den Außer-Haus-Verkäufen läuft es eher ruhig. Einer Öffnung stehe ich deshalb positiv gegenüber – von mir aus können wir sofort aufmachen. Aber ich halte mich an die Vorgaben, Gesetz ist Gesetz. Was Schnelltests betrifft, kann ich mir vorstellen, dass sie bald zur neuen Normalität gehören werden. Dann sollten sie auch vor dem Restaurantbesuch kein Problem darstellen.“

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