Dahler Dorfmarkt kann noch die Kurve kriegen

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Sybille Seelbach freut sich: Durch ehrenamtliches Engagement kann sie jetzt auch montags frisches Obst und Gemüse in guter Qualität anbieten. ▪

ALTENA ▪ Die Dahler stehen zu ihrem Dorfmarkt. Das wurde deutlich, nachdem sich Joachim Schaumann und Willy Beckmerhagen mit einem „Brandbrief“ an die Mitglieder der Genossenschaft, aber auch an die Öffentlichkeit gewandt hatten.

„Es wurden mehrere neue Anteile gezeichnet“, berichtete Schaumann bereits zu Beginn der Generalversammlung am Dienstagabend. In deren Verlauf wurden weitere Anteile geordert.

Um das Geschäft überhaupt gründen zu können, gründeten die Dahler vor gut zwei Jahren die Dahler Dorfmarkt eG. Das eG steht für eingetragene Genossenschaft und bedeutet, dass jedermann Anteilsscheine kaufen kann. Die kosten 100 Euro, über 650 wurden bisher ausgegeben. Heißt: Das kleine Unternehmen hat ein Kapital von über 65000 Euro.

Das diente zum einen dazu, die Einrichtung des Ladens in der Dahler Dorfmitte zu finanzieren. Zum anderen sollten mögliche Defizite in der Gründungsphase damit ausgeglichen werden, was auch nötig wurde: Rund 27000 Euro musste die Genossenschaft bisher zuschießen. Wenn das so weitergehen, sei bald kein Geld mehr da, hatte Aufsichtsratsvorsitzender Schaumann im Vorfeld der Versammlung gewarnt. Und ohne Euros läuft nichts – es sei „beschlossene Sache, dass das Unternehmen keinen Euro Schulden machen wird“, betonte der Jurist gestern.

„Damit haben wir ein Liquiditätsproblem“, erkannte ein Mitglied der Genossenschaft bei der Versammlung in der Gaststätte Droste. Besonders offenkundig wurde das, als sich die Genossenschaft im Frühjahr mit einer hohen Nebenkostenachzahlung konfrontiert sei. Das war der Zeitpunkt, zu dem Schaumann und der übrige Vorstand Alarm schlugen.

Inzwischen stelle sich die Situation etwas entspannter dar, erläuterte Beckmerhagen, als er die finanzielle Situation des Ladens darstellte. Seit Januar leiten Sybille Seelbach und Sandra Rohe das Geschäft – die dritte Marktleitung in anderthalb Jahren und „die beste, die wir je hatten“, wie aus der Versammlung angemerkt wurde. Das mache sich durch bessere Umsatzzahlen und damit auch höhere Überschüsse bemerkbar, bestätigte Beckmerhagen. Besonders gut sei der Mai gewesen – und das sei ein für den Einzelhandel eher schwacher Monat, wussten Branchenkenner unter den Besuchern der Versammlung. Damit stieg die Zuversicht, dass das Geschäft die Kurve noch kriegen werde.

Trotzdem muss noch mehr passieren, waren sich die Mitglieder der Genossenschaft einig. Nachgedacht wurde über eine Reduzierung der geringfügig Beschäftigten, die Seelbach und Rohe zur Seite stehen – das scheiterte, weil sich keine ehrenamtlichen Kräfte fanden. Auch der Dahler Wochenmarkt kam ins Gespräch, weil sich nachweisen lässt, dass der dem Laden Umsatz nimmt – „rund 500 Euro pro Markttag“, berichtete Seelbach. Trotz der Konkurrenz wollen die Dorfmarkt-Genossen auf den Markt nicht verzichten, er sei wichtiger Treffpunkt für das Dorf. Mehr Werbung wollen sie jetzt machen, in dem sie an zentralen Anlaufstellen in Dahle und Evingsen Handzettel auslegen. Eine Teilnehmerin der Versammlung erklärte sich bereit, jeden Montagmorgen einen Fahrdienst zum Edeka-Markt in Nachrodt zu organisieren. Der beliefert den Dorfmarkt zu Sonderkonditionen mit Obst und Gemüse – der Großhändler, der den Dorfmarkt täglich beliefert, hat am ersten Tag der Woche keine wirklich frische Ware im Angebot.

Der Dorfmarkt zählt rund 150 Kunden pro Tag, jeder von ihnen gibt im Schnitt zehn Euro aus. Die Handelsspanne beträgt rund 30 Prozent. Von dem, was übrig bleibt, müssen nicht nur die Mitarbeiterinnen und die Kosten für das Ladenlokal bestritten werden. Es entstehen auch Verwaltungskosten etwa für die Finanzbuchhaltung oder für die jährlich vorgeschriebene Prüfung. Nur die Lohnbuchhaltung erfolgt ehrenamtlich. ▪ ben.-

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