Asylbewerber nicht mehr zur Thomeestraße

ALTENA - Die Würfel sind gefallen: In nicht öffentlicher Sitzung hat der Rat am Montag beschlossen, ein Baugesellschaftshaus In der Heimecke langfristig anzumieten und als Asylbewerberheim zu nutzen. Das Gebäude an der Thoméestraße soll nicht mehr genutzt werden. Möglicherweise werde es abgerissen, deutete Fachbereichsleiter Wolfgang Friess am Donnerstag an.

Schon seit Mai leben In der Heimecke knapp zwei Dutzend Flüchtlinge. Sie wurden dort untergebracht, nachdem ein Brand das bisher von der Stadt genutzte Haus neben dem deutschen Drahtmuseum unbewohnbar gemacht hatte. Es gehört der Evangelischen Kirchengemeinde, die nach Angaben von Friess bis heute nicht weiß, wie es weitergeht – es gebe keine Klarheit über die Höhe der Versicherungsentschädigung. Ein Abriss sei zumindest im Gespräch.

Zwei Gründe waren dafür ausschlaggebend, dass die Stadt jetzt handeln musste. Zum einen steht der Winter vor der Tür – In der Heimecke muss investiert werden, damit die Bewohner gut durch die kalte Jahreszeit kommen. „Noch lassen sich nicht alle Räume beheizen“, sagte der Fachbereichsleiter. Das wird die Baugesellschaft jetzt ändern. Ursprünglich wollte die das Haus verkaufen, sieht sich aber jetzt nach Abschluss eines zehnjährigen Mietvertrages dazu imstande, in das Gebäude zu investieren. „Wir sind der Baugesellschaft sehr dankbar dafür, dass sie uns in dieser schwierigen Situation schnell und unbürokratisch geholfen hat“, betonte Stefan Kemper, der stellvertretende Chef der Stadtverwaltung. Noch am Abend des Brandes hatte das Unternehmen das leerstehende Gebäude in der Nette soweit hergerichtet, dass es von den Asylbewerbern bezogen werden konnte.

Finanziell stellt sich die Stadt besser – das Haus an der Thoméestraße war schon wegen seiner Größe (es war für gut 100 Personen konzipiert) unwirtschaftlich. Aber auch die Qualität der Unterbringung sei jetzt wesentlich besser, stellte Friess klar.

Es gab einen zweiten Grund dafür, dass sich die Stadt der Problematik annehmen muste: Sie muss angesichts steigender Flüchtlingszahlen zumindest theoretisch auf einen Anstieg der Zuweisungen vorbereitet sein. Im Moment bringt das Land die Aslybewerber noch in zentralen Auffanglagern zum Beispiel in Hemer oder Unna-Massen unter. Dort, so vermutet der Fachbereichsleiter, werde jetzt eine erste Prüfung der Asylanträge vorgenommen. Man müsse zumindest damit rechnen, dass diejenigen, deren Anliegen nicht völlig unbegründet sind, in absehbarer Zeit auf die NRW-Kommunen verteilt werden. Die sind gesetzlich zur Aufnahme von Flüchtlingen verpflichtet. Wie viele Plätze sie bereitstellen müssen, liegt an deren Größe.

Bis zu 23 Plätze können In der Heimecke zur Verfügung gestellt werden – „die Verdichtung früherer Jahre wollen wir nicht mehr haben“, betont Friess. Und: Familien sollen nach Möglichkeit nicht in Heimen untergebracht werden. Aktuell werden ihnen Wohnungen im Alten Krankenhaus zugewiesen. Weder dort noch In der Heimecke gebe es nennenswerte Probleme mit den Nachbarn, betont der Fachbereichsleiter.

Für den Fall, dass in nächster Zukunft mehr Flüchtlinge nach Altena kommen, sieht die Verwaltung sich gewappnet: Es gebe genug Leerstände, die kurzfristig genutzt werden könnten, sagte Friess.

von Thomas Bender

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