Mutter und Tochter wollten den deutschen Pass

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Zeynep Patan mit ihrem dreijährigen Sohn und ihre Mutter JHatice Süer.

ALTENA - Stolz halten Zeynep Patan (27) und ihre Mutter Hatice Süer (43) ihre deutschen Personalausweise in die Kamera. Die beiden Frauen besitzen seit kurzem die deutsche Staatsangehörigkeit und gehören zu einer Gruppe von 27 Altenaer Frauen und Männern, die kürzlich vom Märkischen Kreis „eingebürgert“ wurden.

Zeynep Patan wurde eher durch Zufall in der Türkei geboren, kam aber im Alter von kaum zwei Jahren nach Deutschland. Hier besuchte sie die Realschule, baute anschließend ihr Fachabitur und arbeitet heute als Erzieherin in einer städtischen Einrichtung in Werdohl.

Ihre Mutter Hatice Süer heiratete bereits mit 14 Jahren in der Türkei, kam dann vor knapp 30 Jahren nach Deutschland. Nach Stationen in Frankfurt und Dortmund wohnt und lebt sie mit ihrer Familie seit 1987 in Altena. Hier ist sie Vorsitzende der Frauengemeinschaft im Islamischen Zentrum an der Lüdenscheider Straße.

Treibende Kraft, endlich einen deutschen Pass zu besitzen, war bei Zeynep Patan ihre Mutter. „Sie hat immer wieder gesagt, das müssen wir machen“, sagt die junge Mama des dreijährigen Berr-Tan. Auf das Warum kommt es von Hatice Süer überzeugt: „Wir möchten endlich richtig dazu gehören. Die Kinder brauchen alle Chancen und Möglichkeiten von Anbeginn an. Da ist es von großem Vorteil, Deutsche zu sein“, sagt sie etwas nachdenklich.

Für Familie Patan und Süer hat der Wechsel der Staatsbürgerschaft durchaus auch noch eine andere Seite. „Wir sind Jahr für Jahr oft mehrere Wochen am Stück in die Türkei gefahren. Aber, dort zum Beispiel fünf Wochen im Jahr zu verbringen, den Lebensmittelpunkt aber sonst in Deutschland zu haben, das bedeutet, das Land nicht wirklich zu kennen“, sagt Zeynep Patan. „Ich fühlte mich nicht mehr zuhause.“ Sich hier wohlzufühlen sei aber manchmal auch nicht einfach. „Viele sehen in uns dauerhaft die Ausländer, in der Türkei sind wir die Deutschländer.“ Als kleine Familie in Altena ein Kind aufzuziehen, sei nicht einfach: „Wir haben als Moslems im Islam das Zucker- und Opferfest als höchste Feiertage und tauschen dann Geschenke aus.“ Ihr Junge lerne im Kindergarten natürlich christliche Feiertage wie Weihnachten und das Brauchtum zu Nikolaus kennen. „Da erhalten alle seine Freunde Geschenke“. Es sei schon schwierig, ihm dann klar zu machen, dass das im Islam nicht üblich sei. „Da sind dann schon Kompromisse gefragt.“ Eines aber ist den Eltern wichtig: „Wir unterrichten ihn auch in der türkischen Sprache.“

Zeynep Patan kann sich – wie ihre Mutter – eine Rückkehr in die Türkei nicht mehr vorstellen. Beide hoffen, dass sie als Deutsche mit Pass, Siegel und Stempel auch als solche im Alltag angesehen werden.

Altena und seinen Bewohnern stellen sie ein gutes Zeugnis aus. Es sei sehr schön hier, man komme mit allen Menschen wirklich gut aus. Ausführlicher Bericht in der Samstagausgabe, 9. Februar.

von Johannes Bonnekoh

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