Alte Schätze und ihre Geheimnisse: Was ein Reisekoffer über eitle Männer aussagt

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Den edlen Reisekoffer mit allerlei Utensilien für Männer schauten sich die Besucher im Museumsdepot an.

Altena – Ein 500 Jahre alte Truhe und ein Reisekoffer mit Männer-Utensilien: Viele Schätzchen lagern im Museumsdepot - und erzählen spannende Geschichten.

Auf Entdeckungstour haben sich die Freunde der Burg begeben: Begleitet von Restaurator Holger Lüders und Jahrespraktikantin Karay Klenner warfen sie einen Blick auf „verborgene Schätze“ in den Depots des Drahtmuseums und des alten Johanniter-Krankenhauses. 

Die Spanne der ausgewählten Stücke reichte von kleinen Münzen über einen neueingetroffenen Schwarz-Weiß-Fernseher der einstigen Altenaer Firma Graetz bis zum riesigen denkmalgeschützten Gebäude des Drahtmuseums an sich. 

"Spuren der Zeit erhalten"

Irgendwo dazwischen lag eine schwere Eichentruhe, die vermutlich stattliche 500 Jahre alt ist. „Wir denken, sie kommt aus dem 16. Jahrhundert“, erklärte Karay Klenner. Sie nutzte ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege zur Wiederaufarbeitung der Truhe. Dazu gehörten neue Beschläge, die Wiederherstellung ihrer Standsicherheit und die Auswechselung wurmstichiger und verrotteter Hölzer. 

„Das Ziel war, dass wir nicht noch mehr Substanz verlieren“, sagte Klenner, die mit ihrem Praktikum eine zentrale Zulassungsbedingung für das Studium zur Restauratorin in Hildesheim erfüllte. Und an der Truhe gibt es „Spuren der Zeit, die wir erhalten möchten“. Gefunden wurde die Truhe auf einem Gutshof in Dresel, der einst zur Versorgung der Burg Altena beitrug.

Schnittspuren auf dem Deckel

Insofern ist das alte Möbelstück bestens aufgehoben in den Museen der Burg. Doch zunächst bleibt es in der zweiten Reihe. „Erstmal ins Depot“, antwortete Klenner auf die Frage, wohin es für die Truhe geht. Die Freunde der Burg stellten auch die Frage nach der einstigen Nutzung: Weisen die Schnittspuren auf dem Deckel darauf hin, dass auf der Truhe ohne Teller gefrühstückt und auch geschnitten wurde? Enthielt sie das Nötigste: je einen Zentner Mehl, Zucker und Salz? Und warum bieten ihre Dimensionen in etwa den Platz für eine Leiche?

Jahrespraktikantin Karay Klenner mit der 500 Jahre alten Truhe.

Diplom-Restaurator Holger Lüders lenkte den Blick auch auf das Gebäude des Drahtmuseums: Es wurde in zwei Bauabschnitten 1912 und 1923/24 als höhere Mädchenschule errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Damit stellt sich die Frage nach seiner ursprünglichen Ausstattung, die im Laufe von rund 100 Jahren teilweise verloren gegangen ist. 

Besonderes "Zollinger Dach"

Lüders machte das am Beispiel einer Lampe deutlich, die durch ziemlich schäbige Leuchtstoffröhren ersetzt wurde. Inzwischen gibt es Nachbauten dieser Lampen und die Chance, den Kulturverfall rückgängig zu machen. Eine weitere Forschungsfrage betrifft die ursprüngliche Farbgebung der Türen und Fenster der Mädchenschule. Sollte es schlüssige Ergebnisse geben, könnten diese bei der nächsten Renovierung berücksichtigt werden. 

Auf dem Dachboden konnten die Besucher die Dachkonstruktion bewundern, deren Sparren in Rautenform angelegt wurden. Das sogenannte „Zollinger Dach“ ist sehr praktisch, aber recht selten – und einer der Gründe, warum das Gebäude unter Denkmalschutz steht. 

Nach einem Gang ins alte Johanniter-Krankenhaus, das den Museen als weiteres Depot dient, meldete sich der Teilnehmer persönlich zu Wort: „Hier bin ich geboren“, sagte er. Holger Lüders und Karay Klenner zeigten den Gästen auch ein kostbares Service aus Meißener Porzellan, einen kunstvoll gefertigten Reisekasten aus Zedernholz mit Herrenutensilien aller Art, ein Glasfenster aus dem alten Altenaer Rathaus und einen „Entwurf zum Um- und Aufbau der höheren Mädchenschule“.

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