Kampfmittel-Experten nehmen die Arbeit auf

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Nach einer Besprechung über die Lage mit Truppführer Gerd Matthee (oben, rechts) wurde am Stortel die Suche aufgenommen. ▪

ALTENA ▪ Die erste Ansage von Gerd Matthee fällt eher kurz aus: „Hier kann alles liegen, von der Sprengkapsel bis zur 8,8-Granate“. Matthee ist Truppführer beim Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung und hatte am Donnerstagmorgen einen wichtigen Termin in den Lennewiesen am Stortel.

Seit dort am Sonntag verschiedene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, war klar, dass das Gelände zwischen ehemaligem Wasserwerk und Gasstation genauer unter die Lupe genommen werden muss. Dieser Auftrag ging an die Firma H. P. Röhll aus Düren, die gestern mit vier Mitarbeitern anrückte. Ausgerüstet mit verschiedenen Kalibern an Sonden – vom Metall- oder Minensuchgerät bis zur Tiefensonde oder Magnetfeldradiometer – können die Fachleute Waffen oder Munition aufspüren, die im Erdreich verborgen ist.

Eine Granate zum Beispiel verrät sich der Sonde zunächst nur als „ferromagnetischer Störkörper“, erklärt der Fachmann. Was letztlich dahinter steckt, muss man mit der Schüppe heraus finden. Das Magnetfeldradiometer kann sich sogar in bis zu sechs Meter Tiefe vortasten. Das werde vor Ort aber wohl nicht erforderlich sein. Zunächst wird im nördlichen Teil des Radweges auf einer Breite von fünf Metern links und rechts der Trasse gesucht.

Die Firma Rühll hat viele Einsätze in den ehemaligen Weltkriegs-Kampfgebieten von Eifel und Hürtgenwald bewältigt, jetzt lernt sie den einstigen „Ruhrkessel“ kennen. Kleiner Exkurs: Nachdem alliierte Truppen am 23. und 24. März 1945 den Rhein überquert hatten, drangen die Verbündeten im Süden und Norden des Ruhrgebiets schnell vor. Am 1. April 1945 vollendeten US-Truppen bei Lippstadt die Einschließung. Im „Ruhrkessel“ waren jetzt rund 300 000 deutsche Soldaten aus 21. Divisionen eingeschlossen, die so genannte Heeresgruppe B. Die südliche Front des Kessels bildete die Sieg, im Westen war der Rhein die Grenze.

Der Weltkrieg ging jetzt mit großen Schritten seinem Ende entgegen. Im Sauerland waren es amerikanische Einheiten, die den Resten der Wehrmacht gegenüber standen. Zu diesen Resten zählte die Anfang 1944 aufgestellte Panzerlehrdivision. Sie hatte unter anderem bei der alliierten Landung in der Normandie (D-Day) gekämpft. Für etwa 80 Fahrzeuge dieses Verbandes und wohl um die 1000 Mann endete der Krieg am 14. April 1945 genau dort, wo am Sonntagnachmittag 68 Jahre später ein Radfahrer auf eine deutsche 7,5-Zentimeter-Granate gestoßen war. Das zeigt eindrucksvoll eine Karte, die sich im Buch „Der große Kessel“ befindet. Andreas Blumenthal hatte sich an dieses Dokument erinnert. Das Buch stammt aus der Feder von Willi Mues aus Erwitte und gilt als beste entsprechende Werk über den heimischen Raum. Auf einen vergrößerten Ausschnitt der Karte warf gestern Gerd Matthee einen prüfenden Blick. „Das ist unser Gebiet“.

Michael Sonntag, der für das Ordnungsamt jetzt regelmäßig vor Ort sein wird und Kontakt zu den Kampfmittelräumern hält, berichtet, dass dem Sucheinsatz ein großer Aufwand vorausgegangen ist. So mussten zum Beispiel Karten beschafft werden, aus denen die genaue Lage von Gas- oder Stromleitungen hervorgeht. Diese können die Messungen der Sonden beeinflussen und müssen daher berücksichtigt werden. „Ich bin mal gespannt, was hier heraus kommt.“ ▪ Von Thomas Keim

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