Muckebeutel-Mord: Angeklagter gesteht 2. Tat

ALTENA - Mit einem doppelten Geständnis des Angeklagten ist der gestrige Verhandlungstag im Schwurgerichtsprozess am Hagener Landgericht zu Ende gegangen. Der 48-jährige Angeklagte gab zu, im März 1999 in Altena eine Rentnerin und im Oktober 2006 in Köln einen Pizzeria-Besitzer erschossen zu haben. Beide Taten stehen offenbar in direktem Zusammenhang mit organisierter Kriminalität.

Mit leiser Stimme, aber sehr konzentriert wirkend, berichtete der Angeklagte wie es zu den Taten gekommen war. „Ich habe schweres Unrecht auf mich geladen.“ Er wolle mit seiner Vergangenheit abschließend und „endlich aussprechen, was sich jahrelang angestaut hat.“ Sein Geständnis offenbarte darüberhinaus Verstrickungen in Falschgeldtransporte  – „die Menge wurde in Kilogramm angegeben“  –, Waffengeschäfte und Banküberfälle, darunter eine „große Sache“ 1994 in Lüdenscheid. Die Kontakte ins kriminelle Milieu hatte der Angeklagte offenbar Anfang der 1990er Jahre als Verkäufer eines Autohauses geschlossen.

Er sei dann gefragt worden, ob er Rentenunterlagen, Sparkassenbücher oder Personalausweise beschaffen könne. Die Papiere habe er sich teils durch einfache Tricks ergaunert, bei denen er sich in Altenheimen als Besucher ausgab und sich anschließend in Zimmer schlich. Je umfangreicher diese Unterlagen gewesen seien, desto mehr Geld habe er bei Ablieferung erhalten.

Die Aussage des 48-Jährigen brachte gestern auch Licht in die Umstände des Muckebeutel-Mordes im März 1999. Er berichtete, dass er – wiederum auf der Suche nach Rentenpapieren – die Wohnung aufgebrochen habe. „Ich glaubte anfangs, dass ich dort alleine war.“ Dann aber sei die 79-Jährige Mieterin aufgetaucht, habe laut geschrieen und Anstalten gemacht zum Telefon zu greifen. Da habe er ein erstes Mal auf die Frau geschossen. Der 48-Jährige schilderte Überlegungen, dass er die Wohnung unmittelbar danach wieder verlassen wollte, aber letztlich aus Angst, vom Opfer wiedererkannt zu werden, zwei weitere Schüsse aus der Nähe abgegeben habe. Dann durchsuchte er die Wohnung, bis er eine Geldkassette mit Rentenunterlagen fand.

Die Beschreibung des Kölner Mordes leitete der Angeklagte damit ein, dass man ihm im Jahr 2006 ein weiteres Mal die Möglichkeit bot, „mein Konto aufzubessern.“ Dabei sollte für 10 000 Euro „jemand erledigt werden“ mit dem „Herr X“ sehr starke Probleme hatte. Das spätere Opfer habe „Herrn X im Weg gestanden.“ Der 48-Jährige beschrieb dem Gericht, wie ihn ein Kontaktmann nach einem Treffen am Hagener Bahnhof zum späteren Tatort geführt hatte. Im zweiten Teil seiner Zeugenaussage nannte der Angeklagte in Absprache mit dem Gericht keine Namen mehr, verwendete nur noch Buchstabenkürzel. In einer Unterbrechung vor diesem zweiten Teil der Aussage hatte das Gericht die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Jeder Besucher des Prozesses wurde nach den Eingangskontrollen an der Tür ein zweites Mal vor Betreten des Gerichtssaales auf Waffen kontrolliert.

Der Prozess soll am 26. November fortgesetzt werden.

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