Einmaliger Klavierabend mit Justus Frantz

Selten gesehen: Justus Frantz ölt das Pedal eines Pianos, bevor er es bespielt.

ALTENA - Einen in jeder Hinsicht besonderen und in gewisser Weise einmaligen Klavierabend mit Justus Frantz erlebten am Freitagabendm 24. Februar, etwa 150 Besucher im Burggymnasium. Zu einem besonderen Stargast avancierte dabei der Ibach-Konzertflügel, der zum Ziel diverser Aktivitäten wurde.

Schon zu Beginn tauchte der Pianist unter dem Instrument ab, weil ein Pedal quietschte. „Entschuldigen Sie, aber ich muss mir das doch einmal angucken!“ Das half nicht. Ulrich Frenschkowski, stellvertretender Vorsitzender des Kulturrings, vermutete eine Seele in dem Instrument: Nach dem Vorbild von Mozarts Freiheitswillen habe der Flügel auf das vorangegangene „Korsett“ des Klavierstimmers mit einer Rückkehr zu seinem ganz besonderen Ton reagiert. Justus Frantz wiederum witterte eine Absicht in Frenschkowskis relativ großem Abstand zur Bühne: „Sie kennen wohl den Flügel?!“ Bevor der Pianist auf dem „ein bisschen piependen Instrument“ Mozarts Klaviersonate KV 332 spielte, suchte er Trost beim großen Wolfgang Amadeus selber, der „wahrscheinlich kaum bessere Instrumente gehabt hat“. Und mit dieser Vermutung näherte sich Justus Frantz seinem Instrument für einen Abend immer mehr an. Ja, es passe sogar recht gut zum ersten Satz der Klaviersonate a-moll KV 310 – „das Avantgardistischste, was Mozart je geschrieben hat“. Ausführlich begründete Justus Frantz den von ihm gewählten Beinamen „Zornessonate“ für dieses Werk, erzählte von Mozarts Wut auf seinen Vater und von dessen Empörung darüber, dass sein Sohn mal so eben einen Hausstand mit zwei Frauen gründen wollte. Mozart junior also war zornig und komponierte, und was dabei herauskam, „kann man auf diesem Instrument besonders schön zeigen“, scherzte Justus Frantz. Kurz vor der Pause war das Eis zwischen ihm und dem Ibach endgültig gebrochen: „Sie werden sich wundern, dass ich mich noch einmal hinsetze, aber jetzt kann ich schon gar nicht mehr loslassen von diesem Flügel!“ Es folgten unterhaltsame Anekdoten aus dem Musikleben unter Einschluss von Funktionären der verblichenen Sowjetunion und einer russischen Schönheitskönigin, die sich als Anna Netrebko herausstellte.

Die Pause bot Gelegenheit zu diversen hektischen Aktivitäten rund um das quietschende Pedal.

Kulturring-Geschäftsführerin Barbara Langos und ein Mann, den Justus Frantz später als „Ingenieur“ bezeichnen sollte, kamen mit einem Ölkännchen, das zunächst aber Ulrich Frenschkowski zum Einsatz brachte. Es ging um viel: Als letztes Werk sollte Mozarts wunderschöne Klaviersonate A-Dur KV 331 erklingen, und da wäre ein Flügel mit Störgeräuschen nicht mehr nur ein unterhaltsamer „Running Gag“ gewesen, sondern ein echtes Ärgernis. „Das Wunder ist geschehen“, freute sich der Pianist nach seiner Rückkehr über die hörbare Veränderung und zögerte doch: „Es wird uns etwas fehlen.“ Aber auch Justus Frantz zeigte den festen Willen, jene Musik, die „so neu ist wie am Tage ihrer Entstehung“ ohne störende Beigeräusche zu spielen. Und so krabbelte er noch ein letztes Mal gemeinsam mit Ulrich Frenschkowski unter den Ibach und sorgte dort für eine fachgerechte letzte Ölung.

Nach einem nicht nur wegen der Kapriolen unvergesslichen Konzertabend zeigte Ulrich Frenschkowski – sicherlich im Namen des gesamten Publikums – wie gewogen die Altenaer dem großen Mozartspezialisten an diesem Abend waren: „Ich würde Ihnen die Flasche Öl mitgeben.“ Schließlich gibt es auch andernorts quietschende Instrumente.

von Thomas Krumm

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