Anständig fahren und nicht  heizen

Helmar Roder wurde vom Fernsehen interviewt.

Altena – Die Motorradfreunde Sauerland haben am Samstag lärmgeplagte Anwohner und Biker auf dem Kohlberg zusammengebracht. Sie alle appellieren an die Vernunft der Biker, doch endlich angemessen zu fahren, damit sich die Lärmsituation endlich bessert.

Das Interesse war groß: Kaum hatten die Motorradfreunde Getränkestand, Grill und Bierzeltgarnituren auf dem Kohlberg aufgebaut, startete auch schon eine angeregte Diskussion, berichtet Vorsitzender Uwe Hoh am frühen Nachmittag. Seit Jahren müssen vor allem die Dahler Motorradlärm ertragen. Viele sind genervt. Spitzenwerte von 135 km/h wurden schon gemessen.

 Bei dem Gespräch sei klar geworden: Solange Motorradfahrer vernünftig fahren, habe kaum jemand was dagegen. Nur einer habe sich explizit für eine Streckensperrung ausgesprochen, sagt Hoh. Problematisch, da waren sich beide Parteien einig, seien die vielleicht zwei Prozent der Biker, die unvernünftig unterwegs sind, -zigmal den Kohlberg hoch- und runterheizen und das teilweise noch im niedrigen Gang, was für besonders viel Lärm sorgt.

 Die brächten mit ihrem Verhalten auch alle anderen Motorradfahrer in Verruf. Die Lösung des Problems muss aus der Motorradszene selbst kommen, sind sich die Motorradfreunde sicher. „Mit Verstand fahren“, appelliert Hoh. „Mit der rechten Hand fällt die Entscheidung, wie ich als Motorradfahrer wahrgenommen werde.“

 Von pauschalen Fahrverboten und weiteren Streckensperrungen halten die Biker nichts. Das verlagere das Problem nur an einen anderen Ort. Auch brauche das Sauerland den Motorradtourismus. Viele Gastronomen lebten davon, sagt Hoh und nennt die Sorpetalsperre als Beispiel, die bei gutem Wetter stets zum Hotspot für Kradfahrer werde. Die Motorradfreunde wollen im Gespräch bleiben und im nächsten Jahr öfter solche Treffen auf dem Kohlberg organisieren. Zusammen mit den Social Media-Kanälen der Gruppen Biker Street Scene und Moto e.V. möchten sie die Botschaft, vernünftig zu fahren, auch über die Grenzen der Heimat hinaus verbreiten. Viele Fahrer kämen zum Beispiel aus dem Ruhrgebiet.

 Als Raser outete sich bis in den frühen Nachmittag niemand, so Hoh. Bei den anderen Motorradfahrern war die Meinung eindeutig. „Uns nervt das genauso“, sagen Peter und Kordula Ciura, die seit über drei Jahrzehnten mit Motorrädern unterwegs sind – und das ohne irgendeinen Strafzettel, wie sie betonen. „Heile zuhause ankommen“, müsse doch das Ziel eines jeden Fahrers sein, sagen sie. 

„Anständig fahren, nicht heizen“, dafür sind auch Sven und Esther Brodesser. Das Ehepaar ist nach über 20 Jahren wieder zum Motorradfahren gekommen und mit einem Honda Tourenmotorrad unterwegs. „Wir machen damit Ausflüge und wollen die Landschaft genießen“, sagt der Halveraner. Von der Dahler Bevölkerung sei das Gesprächsangebot begrüßt und gut angenommen worden, berichtete der Dahler Ortsvorsteher Helmar Roder anschließend. Er sprach von einem „guten, ersten Schritt“ und setzt sich dafür ein, für die Strecke vom Ortsschild bis zur Knübottenkurve eine Geschwindigkeitsbeschränkung einzuführen. Das würde die Lautstärke erheblich reduzieren, wenn deren Einhaltung dann auch noch kontrolliert würde. Die in letzter Zeit hohe Präsenz der Polizei hat durchaus schon ihre Wirkung gezeigt, loben die Dahler. Sie darf aber auch nicht nachlassen. Zu dieser ersten Gesprächsrunde war sogar ein ARD Kamerateam aus Köln angereist.

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