Motiv bleibt weiter im Dunkeln

ALTENA ▪ Im Mittelpunkt des Interesses am fünften Verhandlungstag stand noch einmal das Geschehen in einer Pizzeria in Köln-Deutz, wo der 55-jährige Besitzer Umberto S. im Oktober 2006 ermordet wurde. Auch nach der Vernehmung etlicher Zeugen – gestern wurden die drei Töchter des Opfers und zwei Schwiegersöhne gehört, zwei Angestellte der Pizzeria hatten schon zuvor ausgesagt – bleibt das Motiv der Bluttat im Dunkeln.

Der Gastronom wurde mit drei Schüssen getötet. Nach der Tat fehlte offenbar nichts außer einer Armbanduhr – Bargeld trug das Opfer noch in der Hosentasche.

Ein Beamter der Kölner Kriminalpolizei berichtete dem Gericht als Zeuge, wie die ersten Ermittlungen nach der Tat ausgesehen hatten. Dabei fielen italienische und russische Namen. Die Kripo setzte auf Telefonüberwachung, einen Lauschangriff und sogar auf einen verdeckten Ermittler, nahm Geschäftspartner des Getöteten unter die Lupe. Nach dem Verkauf eines Lokales – der Getötete hatte insgesamt drei – soll es noch Geldforderungen gegen einen der Verdächtigen gegeben haben. Es wurden bei einigen Verdächtigen sogar Verbindungen zur Mafia vermutet. Letztlich aber liefen die Ermittlungen ins Leere. „Wir waren auf der falschen Fährte“, sagte der Kripo-Mann. Das Wort „Auftragsmord“ stand dennoch im Raum. Der Kölner Ermittler sagte weiter, ein Mann wie der Angeklagte „passte überhaupt nicht in unsere Ermittlungsrichtung. Größe und Nationalität des Gesuchten schienen nicht ins Schema zu passen.

Ein 62-Jähriger, der vor dem Lokal Ohrenzeuge der Tat wurde, beschrieb, dass er nach jedem Schuss einen Schrei gehört hatte. Als Stammgast der Pizzeria habe er in den Schreien die Stimme des Besitzers erkannt. Als kurz darauf ein Mann das Haus verließ, habe der eine „Aktentasche“ unter dem Armgetragen, in der „unten ein Loch drin war.“ ▪ tk

Der Fall

Der 48-jährige Neuenrader Michael P. muss sich vor dem Hagener Landgericht wegen zweifachen Mordes verantworten. Er soll im Jahr 1999 eine Rentnerin ihrer Wohnung im Muckebeutel erschossen und beraubt haben. 2006 hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in Köln den Besitzer einer Pizzeria umgebracht. Ausschlaggebend für die Ermittlungen gegen ihn waren belastende Aussagen seiner Ex-Frau. Michael P. ist erheblich vorbestraft. Das Urteil wird für den 10. November erwartet.

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