Mordfall Muckebeutel: Der Angeklagte schweigt

ALTENA ▪ Mit einem juristischen Schlagabtausch und einem Befangenheitsantrag begann am Mittwoch am Hagener Landgericht der Prozess gegen den 49-jährigen Neuenrader Michael P. Ihm wird von der Anklage zweifacher Mord zur Last gelegt – ein Tatvorwurf, zu dem er sich weiterhin nicht äußert.

Der Verteidiger des Mannes, Andreas Trode aus Iserlohn, monierte nach Verlesung der Anklage die verspätete Übergabe wichtiger Ermittlungsergebnisse. Erst am Dienstagnachmittag sei ihm ein 91 Seiten starker Aktennachtrag ausgehändigt worden. Dazu habe auch das DNA-Gutachten des Landeskriminalamtes gehört.

DNA-Spuren des Angeklagten in der Wohnung des Opfers

Ein überaus wichtiges Beweismittel: Es sagt aus, dass DNA-Spuren des Angeklagten in der Wohnung von Hildegard S. gefunden wurden. Die 79-Jährige wurde im März 1999 in ihrer Wohnung im Muckebeutel erschossen und ausgeraubt. Das ist der erste Mord, den die Staatsanwaltschaft dem 49-Jährigen vorwirft. Den zweiten soll er am 6. Oktober 2006 in Köln begangen haben. Dort soll er den Besitzer einer Pizzeria in Köln erschossen haben. Nachdem das Opfer die Existenz eines Tresors verneint und dann vor Angst geschrien haben soll, hatte der 48-Jährige laut Anklage das Feuer auf den Mann eröffnet.

Nach der Verlesung der Anklage forderte Trode zunächst eine zweitägige Aussetzung des Verfahrens – er brauche Zeit, um die neue Aktenlage mit seinem Mandanten zu besprechen.

Die Kammer unter Vorsitz von Dr. Frank Schreiber billigte der Vereidigung dazu gerade mal 55 Minuten zu, was Trode als willkürlich bezeichnete. Es sei unmöglich, in der knappen Zeit die neuen Unterlagen im Detail mit dem seinem Mandanten zu besprechen. Trode äußerte den Verdacht, das Gericht wolle nur schnell fertig werden, und stellte einen Befangenheitsantrag. Über den soll erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Nach der kurzen Unterbrechung eröffnete das Gericht die Beweisaufnahme, und fragte den Angeklagten, ob er sich zu den Vorwürfen äußern wolle, was Andreas Trode verneinte. Tatsächlich sagte der im schwarzen Anzug erschienene und Kaugummi kauende Angeklagte den ganzen Tag lang kein einziges Wort.

Ex-Frau belastete Michael P. schon im Jahr 2007

Ein 51-jähriger Kriminalbeamter aus Hagen war der erste Zeuge, den das Gericht hörte. Er schilderte, wie es nach so langer Zeit überhaupt zur Wiederaufnahme des Mordfalles gekommen war. Detaillierte Angaben der Ex-Frau des Angeklagten hätten dazu geführt, sagte er. Erste Hinweise habe es schon 2007 gegeben, sie seien aber noch sehr vage gewesen. Als die Frau dann 2009 wegen einer ganz anderen Sache als Zeugin vernommen wurde, konnte sie sich auf einmal sehr viel detaillierter erinnern. „Es war eine ganze Menge, was sie mir da erzählt hat”, so der Polizist gestern.

Aggressiv und schnell auf 189

Der nächste Zeuge war der zweite Ehemann der Hauptbelastungszeugin, von dem sie aber auch schon wieder geschieden ist. Er gab an, der Angeklagte habe der Frau gegenüber die Tat in Köln gestanden, woraufhin sie sich wiederum Rat suchend an ihn gewendet habe. Der 47-Jährige beschrieb den Angeklagten, den er aus dem Gefängnis kannte (Michael P. saß wegen Banküberfällen eine längere Haftstrafe ab), als „schnell auf 180“ und aggressiv.

Am Donnerstag geht der Prozess in die nächste Runde. Das Urteil wird für den 10. November erwartet.

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