Mittelalterlicher Eintopf fordert Körpereinsatz

ALTENA ▪ Da wunderten sich die Besucher der Burg am Samstag: Ein offenes Feuer, ein schmiedeeiserner Topf und ein Mann im Mönchshabit zogen im Burghof die Blicke auf sich. Auf der Burg wurde mittelalterlich gekocht und was alles dazu gehört, das wusste Roger Kämper, Rechtsanwalt und Hobbykoch aus Schalksmühle.

Kämper ist außerdem Mitglied der Ritterschaft der Wolfskuhle und leitete nicht zum ersten Mal einen Mittelalter-Kochkursus. „Die Rezepte kann man in alten Schriften noch nachlesen,“ berichtet Kämper. „Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält“ ist der Titel eines Kochbuches aus dem Mittelalter.

Bevor die Kochanleitung in die Tat umgesetzt werden konnte, mussten die zwölf Teilnehmer am Samstag zunächst einmal kräftig zuschlagen. Denn anstatt einen Schalter am Herd zu betätigen, mussten sie Holz hacken, um das Feuer anzuzünden. Das geschah nicht ganz stilecht mit Hilfe eines „bedruckten Zunderschwammes“, einer alten Zeitung.

Im großen Eisentopf wurde dann im Burghof über dem offenen Feuer ein Bohneneintopf gekocht, die Zutaten dafür waren vorher in der Küche der Caféteria vorbereitet worden.

Dort bereiteten die Teilnehmer auch das Lammgulasch, die Semmelknödel und das Gemüse aus „Arbaiß (Erbsen) und Möhren“ zu. Als Nachtisch stand ein Birnenkompott auf dem mittelalterlichen Speiseplan. Gewürzt wurde mit Salz und Pfeffer, Estragon, Thymian und Petersilie.

Körpereinsatz war von den Teilnehmern gefordert, die den Eintopf „überwachten“. Ständig musste gut gerührt werden, damit es nicht ansetzt. Gar nicht so einfach, denn die Flammen züngelten zwischenzeitlich ziemlich hoch um den Topf. Der Kochlöffel hatte zwar einen extra langen Stil, trotzdem warnte der Kursleiter: „Nicht zu nah rangehen, sonst hat sich das mit der Körperbehaarung von selbst erledigt!“ Wasser musste auch immer wieder nachgefüllt werden, das holten die Teilnehmer mit Krügen aus dem nächstgelegenen Wasserhahn.

„Wir machen hier heute ein Familien-Event“, erzählte Teilnehmer Dirk-Adolf Kayser aus Altena und legte ein wenig Holz nach. „Das riecht aber schon gut,“ freute er sich, während Julia Kock eher skeptisch in den schwarzen Topf schaut. „Sieht nicht so ganz hygienisch aus,“ lautete ihre Meinung, während die Männer in der Runde die Bezeichnung „rustikal“ wählten.

Geschmeckt hat es allen und zum Abwasch mussten die Teilnehmer auch nicht zum Brunnen gehen, sondern – Zugeständnis an die Neuzeit – sie konnten die Spüle in der Caféteria nutzen. ▪ sis

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