Dagmar Freitag löst Einladung von Kopatz ein

Dagmar Freitag MdB, Andrea und Frank Kopatz: Sie sprachen über Mindeslohn und den Beruf des Gebäudereinigers. Foto: Bonnekoh

Altena -  Wenn es nach Frank Kopatz, Geschäftsführer und Inhaber der gleichnamigen Gebäudereinigung und -Service gehen würde, sollte der Gesetzgeber den so genannten Mini-Job abschaffen. Diese Forderung stellte er beim Besuch der heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag.

Von Johannes Bonnekoh

Kopatz – dieser Name steht seit 1936 in Altena und weit darüber hinaus für Gebäudereinigung. Und Kopatz selbst beschäftigt heute „zwischen 50 bis 55 Mitarbeiter“. Dabei legen sowohl der Gebäudereinigungmeister selbst als auch seine im Betrieb mitarbeitende Ehefrau Andrea Wert darauf, „dass unser Credo ist: Vollzeitkräfte arbeiten besser.“

Das beziehe sich nicht auf die Ausführung der Arbeit, aber in ihrem Genre tätig zu sein, um sich einen zusätzlichen Urlaub zu erfüllen, ein Auto zu unterhalten oder ein Kind beim Studium zu unterstützen, „das nimmt mehr und mehr ab. Wer bei uns tätig ist, braucht das Geld zum Leben“, so die Erfahrung des Paares.

8,50 Euro soll künftig der Mindestlohn betragen – bei Kopatz längst Wirklichkeit. Angelernte Reinigungskräfte erhalten 9,31 Euro die Stunde vergütet, Gesellen gehen mit einem Salär von brutto um die 2 000 Euro im Monat nach Hause. „Je nach Zusatzqualifikation noch mehr“, so Kopatz.

Und da beißt sich für ihn in der gesamten Diskussion über den Mindestlohn „die Katze in den Schwanz“: Wer über eine Leihfirma einen Schlosser, der schweißen, schrauben und montieren könne, ordere, diesem Mann werde später kaum mehr als 7,50 Euro die Stunde gutgeschrieben.

Das sei beim Gebäudereiniger ganz anders. „Problem für uns: Europaweite Ausschreibungen, wo nur noch alles über den Preis geht. Damit hat die Politik uns aus dem Handwerk, viele sagen auch dem Dienstleistungsgewerbe, einen Bärendienst erwiesen.“

Frank Kopatz machte auch seinen Unmut über die ObSt-Firma (Oberstufen-Firma) von Burggymnasiasten Luft. So etwas verzerre den Wettbewerb gegenüber den steuerzahlenden und ausbildenden Fachbetrieben. Natürlich müsse Jugend lernen, auch wirtschaftliche Zusammenhänge, aber diese Tätigkeit nähme Firmen aus Handwerk und Dienstleistung echte Aufträge weg.

Kopatz beschäftigt heute Gesellen, die den Beruf in drei Jahren mit Kammerprüfung „von der Pike auf erlernt haben“ und stellt auch regelmäßig Auszubildende ein. Daneben haben angelernte Kräfte die Möglichkeit, über die Fachakademie für Gebäudemanagement zum Beispiel Objektleiter zu werden und damit besser zu verdienen.

„Unser Problem ist das schlechte Image in der Öffentlichkeit. Unser Job ist mehr als Putzen. Aber alles wird nur damit assoziiert“, ärgert sich Kopatz. Da sieht er großen Klarstellungsbedarf. „Jeder kann in unserem Gewerbe Geselle, Meister, Techniker, Fachwirt oder Ingenieur werden. Das weiß nur fast niemand.“

Dieser Umstand war übrigens auch der Anknüpfungspunkt für Dagmar Freitags Besuch. Kopatz hatte sich über ein SPD-Plakat im Bundestagswahlkampf 2013 geärgert, das vermeintliche Gebäudereiniger in der pro 8.50-Euro-Kampagne der Sozialdemokraten zeigte. „Wirklichkeitsfremd“, sagte er damals und lud Freitag ein. Sie stellte gestern klar: Das kam damals über die SPD-Bundesgeschäftsstelle in alle Wahlkreise. Dargestellt worden sei damals auch ein Hausmeister, kein Gebäudereiniger...

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