Entsetzen im Kohlberghaus

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Warnung vor dem Windpark: Silke Köhler, Claudia Bialas, David Pauli und Michael Voß machen sich große Sorgen um das Kohlberghaus und seine Bewohner.

Altena - Das Kohlberghaus sei durch den in direkter Nachbarschaft geplanten Windpark in seiner Existenz bedroht. Das ist die Botschaft, die Michael Voß, der neue Geschäftsführer der Einrichtung, am Donnerstag per offenem Brief verbreitete.

Auch Silke Köhler, Vorsitzende des Heimbeirates und damit Vertrauensperson der Patienten, meldet sich zu Wort: „Der geplante Windpark würde unseren Rückzugsort, der uns Reizarmut und Ruhe bietet und den wir so dringend zur Rekonvaleszenz benötigen, vollkommen zerstören“, heißt es darin. Und weiter: „Für manche von uns ist jeder Tag ein neuer Kampf. Wie kann man uns all dies zusätzlich zumuten?“.

Für David Pauli steht fest, dass die Anlagen Auswirkungen auf die Bewohner des Kohlberghauses haben werden. Schon der Lärm der Motorradfahrer, die sich neuerdings am Kohlberg tummeln, löse bei manchem von ihnen extreme Ängste aus, erklärt der Pflegedienstleiter des Hauses. Jede Veränderung, jeder Reiz von außen könne Ursache einer Psychose sein, erklärte er gestern während eines Pressegespräches in der Einrichtung.

Ruhe und Abgeschiedenheit sind wichtig

Ruhe und Abgeschiedenheit seien ein extrem wichtiger Standortfaktor, der vor 20 Jahren zum Kauf des Kohlberghauses geführt habe, erklärte Voß, der in einer ganz besonderen Zwickmühle steckt. Als Geschäftsführer muss er – gemeinsam mit dem Betreiber Martin Ihde – in den nächsten Wochen eine Entscheidung darüber treffen, ob ein Erweiterungsbau errichtet werden soll. Der wäre eigentlich notwendig, um den Ansprüchen des Teilhabegesetzes zu genügen und für 80 Prozent der demnächst 80 Bewohner Einzelzimmer anbieten zu können. Aber kann man eine solche Investition vor dem Hintergrund des Windparks überhaupt rechtfertigen? Kaum zu glauben übrigens: Eine von der Geschäftsführung bis her als Bauplatz ins Auge gefasste Fläche kommt nicht in Frage – aus Gründen des Umweltschutzes...

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„Aus unternehmerischer Sicht findet hier der absolute Wahnsinn statt“, schimpft Voß, der sich auch maßlos darüber ärgert, dass sich keiner der Entscheider je bei ihm blicken ließ, wie er schildert. Vor allem Toni Wiesemann, der Neuenrader Bürgermeister, habe in der Vergangenheit mehrere Gesprächstermine platzen lassen, zuletzt am Montag.

Dass die Stadt Neuenrade die Bedenken der Einrichtungsleitung nicht ernst nimmt, ergibt sich für Voß auch auf deren Reaktion auf Martin Ihdes Einspruch im Planungsverfahren. Auf den Hinweis auf mögliche schädliche Auswirkungen auf Bewohner und Mitarbeiter antwortete das Neuenrader Bauamt, eine Störung des Tourismus durch Windkraftanlagen könne nicht pauschal angenommen werden. „Na klasse – wir sind doch kein Hotel hier“, stöhnt Silke Köhler.

Neuer Standort keine Alternative

Auf den Neubau verzichten und an anderer Stelle neu anfangen? Das für Voß nicht wirklich eine Alternative. Erstens wäre ein mit dem Kohlberg vergleichbares Objekt oder ein dafür geeignetes Grundstück wohl kaum zu finden, argumentiert er. Zweitens könne die Kohlberghaus GmbH als relativ kleines Unternehmen eine solche Investition schon deshalb nicht schultern, weil abzusehen sei, dass man für das Kohlberghaus kaum einen Käufer finden werde, wenn demnächst in nur 200 Metern Entfernung ein 200 Meter hohes Windrad stehen werde.

Ironie des Schicksals: Neulich wurden die Fernsehgeräte der Einrichtung auf Satellitenempfang umgestellt – die mit der Sat-Schüssel einhergehende optische Beeinträchtigung des denkmalgeschützten Hauses sei für die Behörden ein echtes Thema gewesen, sagte Voß.

Die Briefe von Heimbeirat und Einrichtungsleitung sind im Wortlaut auf www.kohlberghaus.de veröffentlicht.

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