Missbrauchsprozess gegen 83-jährigen Altenaer wird fortgesetzt

+
Der Prozess gegen den 83-jährigen Altenaer, der seine Stiefenkelin missbraucht haben soll, geht weiter.

Altena - Der Vorwurf wiegt schwer: 37 Mal soll ein 83-jähriger Altenaer sich sexuell an seiner Stiefenkelin vergangen haben. Das Kind war im Tatzeitraum 2008 bis 2011 zwischen acht und elf Jahren alt.

Nach der Vernehmung der heute 15-Jährigen befragte die 1. große Strafkammer gestern Zeugen aus dem familiären Umfeld der Geschädigten. „Sie wollte nie mit ihm alleine sein“, erinnerte sich eine Cousine und überreichte dem Gericht 13 Blätter voller Kurznachrichten, in denen sie mit der Geschädigten über die Geschehnisse kommuniziert hatte. Sie selber habe aber keine Übergriffe des Angeklagten auf ihre Cousine beobachtet, sagte die Zeugin. 

Anders ihr Bruder: Er habe bei einer Gelegenheit gesehen, wie die Hand des Angeklagten über den Oberschenkel seiner Cousine geglitten sei, berichtete er. Bei einer anderen Gelegenheit habe er durch die Schlafzimmertür gehört, wie der alte Herr das junge Mädchen aufforderte, sich auszuziehen. Der Vorsitzende Richter Marcus Teich erinnerte den Zeugen daran, dass dieser bei der Polizei auch noch von einer weiteren Beobachtung gesprochen hatte. Daran konnte sich der 22-jährige Zeuge aber nicht mehr erinnern. 

Möglicherweise gab es auch Annäherungsversuche gegenüber der älteren Schwester

Seine Cousine habe das Ganze zunächst abgestritten, sich dann aber doch seiner Schwester, also ihrer Cousine, anvertraut. Möglicherweise gab es Annäherungsversuche des Angeklagten auch gegenüber der älteren Schwester der Hauptbelastungszeugin. Sie hatte gegenüber der wahrheitspsychologischen Gutachterin Cornelia Orth allerdings keine einheitlichen Angaben mehr über diese Vorfälle machen können. War die Zeugin 15, 16 oder 17 zum Zeitpunkt der Vorkommnisse? Und wie weit waren diese gegangen?

 „Sehr komisch“ seien diese Vorfälle für sie gewesen. „Für mich war das schon ein ‚no-go’“, zitierte die Gutachterin die Zeugin, die ihr berichtet habe „wie versteinert“ gewesen zu sein. Es gebe in dieser Aussage allerdings so viele Unwägbarkeiten, „dass man nicht sicher weiß, ob diese auf einem entsprechenden Erleben beruhen“, befand die Gutachterin. Es gebe aber auch keine Hinweise darauf, dass die Zeugin gelogen habe. Möglicherweise waren „die Erinnerungen an das Geschehen von Verdrängungen bearbeitet worden, die den Geschehenskern unkenntlich gemacht“ hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare