Minnesänger: Das Geheimnis der Popstars anno dazumal

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Walther von der Vogelweide und die Burg Altena: Der märkische Graf aus der Zeit der Minne bildet ein Bindeglied zur Burgstadt.

Altena – Über den Minnegesang, die Sängern und die große Bedeutung für die Nachwelt gibt es am Dienstag in der Burg Holtzbrinck viel zu lernen. Und auch darüber, warum Altena einen besonders engen Bezug zum Minnegesang hat.

„Sie schillert schlicht“: Mit markanten Worten beschreibt Karsten Wolfewicz die Minne. Um diese Gesangs- und Dichtungsform geht es beim „Garten der Geschichte“ am Dienstagabend (30. Juli) in der Burg Holtzbrinck. Geschichtliche Informationen und Erkenntnisse werden dabei weniger im Vordergrund stehen als die Poesie der über 800 Jahre alten Lieder. „Ich werde mich also wahnsinnig drosseln“, sagt Wolfewicz mit Blick auf die zu erwartende Stofffülle. „Ich will in die Lieder gehen.“ Dazu wird er mit Harfe, Harfenzither, Leier und Laute musizieren. 

Was steckt hinter dem Thema des morgigen Abends? Worum geht es? Um die Hohe Minne. Diese beschreibt eine besondere literarische Version der Minne, die sich seit etwa 1170/80 im Minnesang entwickelte und durch ein neues Verhältnis der Geschlechter gekennzeichnet war. 

Seltsames Frauenbild

Das männliche lyrische Ich, also der Werbende, spricht in dieser Gattung über seine erfolglosen Werbebemühungen um eine überhöht dargestellte Frau. Der Mann realisiert, akzeptiert und schätzt schließlich seine einseitige, unerwiderte und aussichtslose Liebe. Das Rittertum irritiert die Nachwelt mit diesem Frauenideal. 

Es ist die Zeit, als Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach den höfischen Traum von einer geordneten Welt um Artus Tafelrunde begründen, um den Heiligen Gral zu suchen und die Krone des Lebens zu erlangen. 

Zeitgleich kommen seit 1152 Troubadourweisen an die deutschen Höfe. Die Protagonisten heißen Walther von der Vogelweide, Dietmar von Aist, Spervogel, der Tannhäuser, Heinrich von dem Türlin, Neidhart von Reuenthal oder Reinmar von Brennenberg, der tugendhafte Schreiber am Hof des Landgrafs Hermann von Thüringen. 

„Er hat das höfische Geschehen schriftlich festgehalten, war quasi die Festplatte des Landesherrn“, sagt Karsten Wolfewicz über von Brennenberg. „Die Minnesänger waren so etwas wie die Popstars ihrer Zeit.“ 

Hochdeutsch, damit es jeder versteht 

Was bewirkten sie? Aus Mundart wird Hochsprache im möglichst allgemein verständlichen Vers. „Denn wer applaudiert, wenn dich niemand versteht?“, fragt Wolfgang Noack, Geschäftsführer des Kulturrings. Und so festigen sich sprachräumliche Zusammenhänge: Das Abendland wird englisch, deutsch, französisch. „Die Geburtsstunde der Hochsprache, also des Mittelhochdeutschen“, sagt Wolfewicz. 

„Die Minne“, ergänzt der Mittelalterexperte mit Hinweis auf die Festung auf der Wulfsegge, „ist die Software zur Burg. Sie zeigt, wie Sprache und Schrift auch außerhalb der Klostermauern verwendet wurden.“ 

Eleonore und Graf Adolf von Altena

Altena sei durchaus nah am Ursprung: Es war der Graf Adolf von Altena – und Erzbischof von Köln –, bei dem einst Herzogin Eleonore von Aquitanien einen Winter lang auf die Freilassung ihres Sohnes Richard Löwenherz wartete. Eleonore gilt als eine der einflussreichsten Frauen des Mittelalters. Wolfewicz sagt: Der kulturelle Impuls der Minne zeige die Identitätssuche des Rittertums und habe dazu beigetragen, „dass Frauen Taktgeber an den Höfen wurden“.

Die Veranstaltung findet am  Dienstag um 19 Uhr in der Burg Holtzbrinck statt. Der Eintritt kostet zehn, für Kulturring-Mitglieder acht Euro. Karten gibt es unter 0 23 52/20 93 46 oder www.kulturring-altena.de.

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