Bei der Sanierung des Altenaer Klärwerks im Einsatz

Millimeterarbeit: Bagger braucht eine Stunde durch schmale Unterführung

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Mehrfach vor und zurück ging es an der Unterführung - über eine Stunde lang.

Altena – Über eine Stunde dauerte es, bis der große Bagger durch die schmale Unterführung passte. Er war bei der Sanierung des Klärwerks im Einsatz. Dort sorgten die Arbeiten für Unmut.

Drei Meter breit, 30 Tonnen schwer: Es gibt deutlich größere Bagger als den Hyundai 290 NLC-9, der bis Montag an der Kläranlage am Pragpaul im Einsatz war. Mehr geht dort allerdings nicht. Alles, was auf die Baustelle gebracht werden muss, muss durch eine Bahnunterführung – und die ist exakt 3,01 Meter breit. 

Aufgabe des Baggers war der Abbruch des ersten von zwei Faultürmen. Er stand der geplanten Erneuerung der Anlage im Weg. Der Auftrag ging an die Firma Hanse Umwelt in Barsbüttel bei Hamburg, die dabei mit der Bewatech aus Brüsewitz bei Schwerin kooperierte. 

Baulärm ärgert Anwohner

Deren Chef Benjamin Waldszus kümmerte sich persönlich um den Abbruch in Altena und geriet am Ende unter Zeitdruck: Für den Abtransport des Baggers aus Altena war ein Schwertransport erforderlich, die Genehmigung gab es für Montagabend. 

Deshalb musste Waldszus durcharbeiten, auch sonntags. Am Tiergarten und Knerling führte das wegen des damit verbundenen Lärms zu Protesten. Eine Ausnahme, versichert Harro Feckler, der zuständige Leiter des Regionalbereichs Süd des Ruhrverbandes: „Es ist nicht vorgesehen, auf dieser Baustelle regelmäßig sonntags zu arbeiten.“ 

Am Montag war also Schluss für Waldszus, der Bagger musste von der Baustelle gefahren werden. Das ging nicht einfach so: Erstmal galt es aufzuräumen. Manche Anbauteile des 200 PS starken Baggers wiegen deutlich mehr als zwei Tonnen – zu schwer für die anderen Maschinen, die auf der Baustelle im Einsatz sind. Waldszus musste sie deshalb mit seinem Bagger auf Lkw und Anhänger heben. 

Teile am Bagger abmontiert

Dann wurde geschraubt: Der Lichterbalken auf dem Dach des Führerhauses, Spiegel, Schutzgitter: Alles musste ab, damit das Fahrzeugdurch die Unterführung passte. Nur passte es erst einmal nicht: Beim ersten Anlauf war eine Öse im Weg, sie musste ebenfalls demontiert werden und später auch noch ein Bolzen am Dach der Kabine. 

Für die Fahrt durch die Unterführung mussten mehrere teile am Bagger abmontiert werden.

Mehrfach ging es vor und wieder zurück, immer wieder musste Fred Kriebel abwinken. Der hatte es übernommen, den Baggerführer einzuweisen. Für ihn war klar, dass es passen musste: „Schließlich ist der Bagger ja auch auf dem Weg zur Kläranlage durch diese Unterführung gefahren.“ Damals hatte er das übernommen. 

Rechts unten war die mächige Kette des Baggers auf Tuchfühlung zur Mauer der Unterführung, links oben passte kein Blatt mehr zwischen das Dach der Kabine und der Decke der Unterführung. Korrekturen musste Waldszus im Millimeterbereich vornehmen, was mit einem 30-Tonnen-Bagger nicht ganz einfach ist. 

Applaus von Arbeitern

Nach deutlich über einer Stunde war es dann aber geschafft: Der Bagger fuhr aus der Unterführung, für den Baggerführer und seinen Einweiser gab es Applaus von Mitarbeitern des Ruhrverbandes und der anderen Baufirmen, die gerade am Pragpaul im Einsatz sind und die spektakuläre Aktion natürlich beobachteten. 

Der Rest war dann schnell erledigt: Der Hyundai wurde auf einem an der Hermann- Voß-Straße geparkten Tieflader verzurrt, der ihn in der Nacht nach Königstein im Taunus brachte, wo der nächste Abbruch ansteht. Mit einer Wiederholung ist allerdings zu rechnen: Auch der zweite Faulturm und das Betriebsgebäude müssen noch abgerissen werden. 

Das geht allerdings erst, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Die im Jahr 1984 eingeweihte Kläranlage wird bis 2021 komplett umgebaut, weil sie überaltert und überdimensioniert ist.

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