St. Vinzenz: Jetzt bangen auch die Mieter

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Auch für Küchenleiter Carsten Gierse und sein fünfköpfiges Team ist die Zukunft ungewiss. Bis zum 31. März gibt es noch einen Essensplan. „Dann werden wir aufräumen....“ In den besten Zeiten gab es 18 Mitarbeiter.

Altena - Wie in einer Geisterstadt kommen sich die Bewohner der acht seniorengerechten Wohnungen im St. Vinzenz-Komplex vor: „Jetzt fällt noch die Anbindung zum Pflegeheim weg. Ob wir hier bleiben können, ist total unklar“, erklärt Karin Kapfer auf Nachfrage.

Bis vor einem halben Jahr wurden auch die Mieter noch eingeladen, wenn das Pflegeheim Feste feierte. „Dieser Kontakt ist komplett abgebrochen“, schildert Karin Kapfer. Seitens des Insolvenzverwalters hören die acht Mieter nichts. „Wir sind schriftlich über die Insolvenz der Lennekliniken-GmbH informiert worden, das war’s.“

Die Mietzahlungen werden weiterhin an die Volksbank Dortmund überwiesen. „Uns wird trotzdem mulmig. Die Krankenhaus- und Pflegeheimschließung kamen so plötzlich. Es kann doch jeden Tag auch an unserer Tür klingeln und dann sagt uns einer ,bitte ausziehen!’“

Viele sind auf Unterstützung angewiesen

Noch kommt wie gewohnt die Müllabfuhr und auch der Aufzug fährt die Mieter im Seniorenalter von ihrem Haupteingang neben dem Bistro zu ihren Wohnungen. „Auf den sind wir angewiesen“, erklärt Karin Kapfer. Eine ihrer Nachbarinnen sei pflegebedürftig und bekomme täglich Besuch vom Pflegedienst, eine weitere Mieterin ist 92, auf Rollator und Versorgung durch ihre Tochter angewiesen. „Wer kann, hilft dem anderen. Wir sind eine gute Gemeinschaft.“

Vor allem das Wohnen ohne Stufen und Schwellen mit breiten Türen und gut zugänglichen Sanitäranlagen schätzen die Bewohner. „Wenn wir gekündigt werden, finden wir so schnell doch nichts Vergleichbares. Der neue Bau der Fritz-Berg-Stiftung liegt brach und anderer barrierearmer Wohnraum ist schwierig zu finden auf die Schnelle.“ Bislang erweist sich auch die Parksituation als komfortabel für die Mieter: Sie besitzen eine Karte für das unterhalb des Krankenhauses gelegene Parkhaus, durch das sie trockenen Fußes ihre Einkäufe heimbringen können. „Die Schranke steht noch, aber aktuell ziehen da manchmal nur drei Fahrer ein Ticket. Auch das Parkhaus könnte als unrentabel gelten und geschlossen werden“, fürchtet Kapfer.

Hoffen auf baldige Gewissheit

„Wir sind in der Schwebe zwischen Hoffen und Bangen“, erläutert sie die Situation und hofft auf baldige Klärung des Mietverhältnisses. Nicht nur um ihretwillen: „Für die ganze Stadt ist es schlecht, wenn so ein Riesenkomplex leersteht.“

„Beharrlichkeit“, so Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, sei nun gefragt „und nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Am Mittwoch „und in den nächsten Tagen“ werde es weitere Termine in Sachen Krankenhaus geben. Das erklärte Ziel bleibe, an der Bornstraße Gesundheits- und Pflegeangebote unter einem Dach zu haben. Ein anderes Grundprinzip werde es dort nicht geben, betonte Hollstein. Der Rat und die Stadtverwaltung hätten dort einen direkten Einfluss. „Wir können dort einen Part spielen“, und davon werde man Gebrauch machen.

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