Metzgermeister Anlauf und die Probleme mit der Bushaltestelle

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Ein ständiges An- und Abfahren: Die Bushaltestelle am Bahnhof ist nach dem Markaner der zweite sogenannte Hauptverkehrspunkt der MVG im Stadtgebiet. Eine Verlegung hält der Bürgermeister für nicht möglich. Das Foto zeigt: Alle Kundenparkplätze sind blockiert.

Altena - Vor dem Rat der Stadt Altena hatte sich Wolfgang Anlauf noch nie persönlich geäußert. Montag war deshalb so eine Art Premiere für ihn. Er verschaffte sich vor dem höchsten Gremium der Kommune „Luft“ – gebracht hat es ihm letzten Endes aber nichts.

Sein Ärger ist nur noch mehr gewachsen. Aber ganz der Reihe nach. Der Geschäftsmann betreibt eine der ältesten Metzgereien in der Stadt an der Bahnhofstraße. Die Fleischerei im Familienbesitz führt ihre Anfänge bis ins auslaufende 19. Jahrhundert zurück. Als Metzgermeister Wolfgang Anlauf Mitte-Ende der 1990er Jahre seinen Geschäftssitz um eine Haushälfte verlegte, machte ihm die Stadt zur Auflage, auch für Parkplätze vor dem neuen Ladenlokal an der Bahnhofstraße 31 zu sorgen. Die Baugenehmigung sah damals vor, dass er entweder sechs Stellplätze neu anzulegen habe oder sie finanziell ablösen müsste, damit sie an anderer Stelle in der Stadt entstehen könnten. Anlauf kaufte Grund und Boden zu einem Quadratmeterpreis von 150 Mark hinzu, weil er das für die bessere Lösung hielt. Schon damals gab es vor seinem Geschäft eine Bushaltestelle, an der, so sagt er im Rückblick, „aber immer nur ein Bus hielt.“ 

Metzgermeister Wolfgang Anlauf im Gespräch mit einem Nachbarn vor seiner Garage. Er zeigt auf seinen Grund und Boden.

Das änderte sich aber mit den Jahren. Die Stadt, die für die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) Bushaltestellen in der Burgstadt vorhalten muss, entschied sich Anfang der 2000er Jahre, eine große Bushaltestelle, einen sogenannten zweiten Hauptverkehrspunkt (wegen der Bahnhofsnähe), dort anzulegen. Das lief noch halbwegs, wenngleich die Busse, wenn sie denn in ihren Halteboxen standen, sehr häufig Kurzparker, also Kunden von Anlauf, regelrecht zusetzten. Gänzlich anders wurde es dann in der Folgezeit, als die Stadt vor sieben Jahren für die MVG ein von ihr gepflegtes Hochbeet in der Bahnhofstraße aufgab und die Bushaltestelle noch zusätzlich verlängerte. Haken an der Sache: Diese Busbucht, die Anlauf als „krumm und schief“ bezeichnet, weil sie sich dem schmalen Gehweg und dem Straßenverlauf anpasst, führt nicht nur über „meinen Grund und Boden der bis zu 120 Zentimeter über die Bordsteinkante bis mitten in den Straßenraum hineinreicht“, sie macht es auch möglich, dass Anlauf vor seiner Garage nicht mehr parken kann und sich regelrecht enteignet sieht. 

Mit einem selbst gestalteten Schild bittet er um Rücksicht.

„Das ist doch mein Grund“, sagt er. Anlauf klagte, forderte vor Gericht eine Art Mietzins für diese Fläche, die etwa 40 Quadratmeter Platz einnimmt. Aber er unterlag, bekam kein Recht, weil diese Quadratmeter als „öffentlich-rechtliche Fläche“ gelten und auch mittels Satzung der Stadt Altena der öffentlich-rechtlichen Nutzung so gewidmet sind. Pech für Anlauf. Er ist zwar Eigentümer, muss sie aber im Rahmen eines Wegerechtes der Öffentlichkeit zugänglich machen. Jetzt ganz offiziell, dank des entsprechenden Urteils. Für den Geschäftsmann schwer verständlich, nicht nachvollziehbar. Ebenso die ständigen An- und Abfahrten der Buslinien, die von einer vollen Stunde „mindestens 20 Minuten, oft länger, in voller Länge der bis zu drei Fahrzeuge vor meinen Kundenparkplätzen stehen. Die sitzen dann minutenlang fest. Die kommen nicht weg.“

Wolfgang Anlauf vor dem einzigen Haltestellenschild

Abenteuerliche Szenen spielen sich vor dem Geschäft ab, wenn man sich die Zeit nimmt, die Situation zu begutachten. Autos umkurven die haltenden MVG-Busse über den schmalen Gehweg nach links und rechts oder „huschen“ zwischen zwei haltenden Bussen durch und sorgen für gefahrvolle Momente. Zurück zu Wolfgang Anlauf und seinem Besuch der Ratssitzung. Als „unverschämt“ und „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet er es, dass ihm die Verwaltung anbot, ihm seine Geh- und Straßenfläche für die verlängerte Bushaltebox für zehn Euro/Quadratmeter abzukaufen. Und nicht nachvollziehbar ist für ihn auch, dass niemand bereit ist, den gesamten Busstop entlang der Haltestelle einige Meter nach vorne vorzuziehen und dann auf ein- oder zwei Fahrzeuge zu begrenzen, damit seine Kunden mit ihren Autos stets durch die Lücke kämen. Die Beschilderung des Bus-Haltepunktes hält Anlauf im übrigen auch für „Null und nichtig“. „Da gehört ein zweites Bus-Verkehrsschild hin.“ Vor beiden dürfe man dann laut seiner Auslegung der Straßen-Verkehrsordnung „je 15 Meter nicht parken. Problem gelöst!“

Und das sagen Bürgermeister und Grünen-Rats-Chef zum Fall:

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein sagt, er sei selbst zufriedener Anlauf-Kunde. Er bringe für „den Wolfgang und seine Probleme“ schon Verständnis auf. Allein: Mehr als 10 Euro/Quadratmeter für den Ankauf der öffentlich gewidmeten Fläche vor den Anlauf-Garagen von der Stadt anzubieten, „ist uns nicht möglich.“ Zudem habe er mehrfach mit Anlauf gesprochen und auch das Gespräch mit der MVG gesucht. Gemeinsam mit dem MVG-Hauptgeschäftsführer habe man sich sogar die Situation vor Ort angeguckt. „Glauben Sie

Ortstermin mit MVG-Chef

mir, der Herr Schmier fährt nicht zu jeder Bushaltestelle seiner Gesellschaft.“ Eine Verlegung – etwa zur Mittleren Brücke oder Richtung Rahmede – sei aus seiner Sicht wegen der fehlenden Frequenz nicht möglich. Grünen-Ratschef Oliver Held rief Anlauf an, ließ sich die Situation auch noch einmal schildern. Auch er zeigt sowohl als Kunde als auch Politiker „Verständnis.“ Wie das Problem lösen? – Da hat auch Held keine zündende Idee. Hollstein merkte übrigens noch an, dass bei allem Behelf und den diversen Gesprächen auch mit den Busfahrern, die informiert seien dort nicht überlang zu stehen, auch das Metzgereigeschäft selber besser lief. „Da ist eine Menge Lauf.“

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