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Metalldiebe in Altena haben es auf Kupferdachrinnen abgesehen

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Von: Thomas Bender

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Drei Meter über der Erde ist Schluss: Auch an der Leichenhalle im Mühlendorf wurden zum wiederholten Male die Fallrohre aus Kupfer abmontiert.
Drei Meter über der Erde ist Schluss: Auch an der Leichenhalle im Mühlendorf wurden zum wiederholten Male die Fallrohre aus Kupfer abmontiert. © Bender, Thomas

Seit zwei Jahren ist Stephan Haack Baukirchmeister der Evangelischen Gemeinde Altena und als solcher auch für die Leichenhalle an den Friedhöfen im Mühlendorf zuständig. „In dieser Zeit wurden dort jetzt zum zweiten Mal die Fallrohre der Dachrinnen geklaut“, berichtet er.

Und das ist kein Einzelfall: Auch an der Friedrichskirche in der Rahmede fehlt das letzte Stück Fallrohr, in dieser Woche erst verschwanden welche von Kindergärten in Dahle, Nachrodt und Werdohl.

Der Schaden ist beträchtlich: 30 bis 40 Euro kostet ein Meter Kupferfallrohr in der gängigen Größe DN 100, hinzu kommt natürlich die Montage. Ob für den Schaden die Gebäudeversicherung einspringt, hänge von den Regelungen in der Versicherungspolice ab, heißt es im Allianz-Büro Jürgens an der Linscheidstraße. Denn: Der Basisschutz für Wohngebäude schützt vor Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, aber nicht vor Diebstahl. Einzelne Gesellschaften bieten gegen Aufpreis aber auch Schutz vor Schäden durch Diebstahl oder Vandalismus an.

Wert der Beute ist überschaubar

Der Wert der Beute ist überschaubar. Die Kupferrohre sind nicht schwer – sie wiegen etwa 1,5 Kilo pro Meter. „Vier Euro pro Kilo, wenn überhaupt“, werde bei Schrotthändlern für solche Ware bezahlt, schätzt Horst Nimmermann, der Betreiber des Schrottplatzes an der Bahnhofstraße. Auch ihm wird von Zeit zu Zeit dubiose Ware angeboten, aber ohne Erfolg: „Ich kaufe grundsätzlich nichts von privat und ich zahle grundsätzlich nicht bar“ – mit diesen Worten umreißt er seine geschäftlichen Grundsätze. In erster Linie nimmt er Metall ab, das in Firmen und Handwerksbetrieben anfällt – das sind allesamt Kunden, die er kennt und denen er vertrauen kann.

Die Fallrohrschellen ließen die Täter zurück, obwohl auch die aus dem begehrten Material sind.
Die Fallrohrschellen ließen die Täter zurück, obwohl auch die aus dem begehrten Material sind. © Bender, Thomas

Der Unternehmer ist ein gebranntes Kind: Auch auf seinem Firmengelände kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Diebstählen. Besonders spektakulär war ein Vorfall im Jahr 2012, als eine Zeugin nachts einen Transporter entdeckte, mit dem Diebesgut von Nimmermanns Gelände abtransportiert werden sollte. Daraufhin durchkämmten nicht nur Streifenpolizisten das Gelände, sondern es wurde auch ein Polizeihubschrauber alarmiert, der mit Suchscheinwerfern und Wärmebildkameras nach den Tätern suchte – allerdings erfolglos. Auch während der jüngsten Bauarbeiten der Bahn in diesem Bereich sei es immer wieder zu Metalldiebstählen gekommen, berichtete Nimmermann.

Polizei: „Nicht alle über einen Kamm scheren“

Der Kaufmann vermutet, dass umherfahrende Schrottsammler für die Diebstähle verantwortlich sind. Ähnlich sieht das die Polizei – „wobei man aber sicherlich nicht alle über einen Kamm scheren darf“, wie Polizeipressesprecher Christof Hüls einschränkt. Gelegentlich gelinge es seinen Kollegen auch, Metalldiebe festzunehmen. Allerdings sei die Zuordnung des Diebesgutes und damit auch die Strafverfolgung oft schwierig – ein Kupferfallrohr sehe nun mal aus wie das andere.

Wieso überhaupt Regenrinnen aus Kupfer? Das seien eigentlich nur Prestigeobjekte, meint der Dachdeckermeister Gerhard Arndt: „Die sind nur teuer und sonst gar nichts.“ Rinnen und Rohre aus Titanzink oder Kunststoff seien genauso gut.

Denkmalpfleger muss zustimmen

Darüber hat Arndt auch schon mit Baukirchmeister Stephan Haack gesprochen. Der denkt jetzt darüber nach, an der Leichenhalle Kunststofffallrohre in Kupferoptik anbringen zu lassen. Allerdings steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Deshalb müsste Altenas Denkmalpfleger Jürgen Wagner sein Okay zu Plastik am Bruchstein geben.

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