Meister des Messings: Hier entstehen Klingelbeutel und Weihrauchfässer

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Reinhard Appelhaus zeigt den Besuchern seiner Firma seine Arbeit.

Altena - Weihrauchfässer, Klingelbeutel und mehr: Reinhard Appelhaus stellt alles her, was es für den Gottesdienst braucht.  Auch Schützen und Karnevalsfreunde bestellen bei dem Gürtler.

Fahnenzubehör und sakrale Kultgegenstände stellt die Firma Messingwaren Appelhaus her. Um dieses Kunsthandwerk „made in Altena“ kennenzulernen, besuchten Mitglieder der Kunstwerkstatt den kleinen Betrieb mit langer Familientradition. 

Mit der Unterstützung von nur zwei weiteren Mitarbeitern stellt Reinhard Appelhaus in der Heimecke Produkte her, die weltweit ihre Abnehmer finden – in Australien, Singapur, Kanada und den USA. 

Reinhard Appelhaus zeigte den Besuchern eine Wand mit vier Meisterbriefen, der älteste von seinem Urgroßvater. Die Familie betreibt ein selten gewordenes Handwerks: Neben „Metalldrückermeister“ trägt Reinhard Appelhaus auch die Berufsbezeichnung „Gürtler“. Sie bezeichnet Handwerker, die Metalle zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen, Schmuck oder religiösen Kultgegenständen bearbeiten und verformen.

Ehering glänzt wie neu 

An einem rotierenden Werkstück zeigte er den Besuchern, wie sich ein Buntmetallbecher verformen lässt. Um eine der Schleifmaschinen in Funktion zu sehen, gab ein Besucher sogar seinen Ehering aus der Hand. Beim Blick auf das Ergebnis staunten die Besucher: Der Ring sah fast aus wie neu, funkelte und glänzte wieder. 

Blinken und Blitzen – eine wichtige Eigenschaft auch für Kultgegenstände, die in der Werkstatt zumeist aus Messing mit goldiger Oberfläche entstehen: Der Katalog „Sakral Werk“ zeigt die breite Produktpalette – von Altarkreuzen über Kerzenleuchter und Klingelbeutel bis zum Weihrauchfass. Ein schwerer Leuchterfuß kann schon mal einen Preis von 1500 Euro erreichen. 

Weihwassereimer aus Edelstahl

Für den weihwasser-spendenden Priester stehen diverse Aspergille, „Weihwassersprengel“, zur Verfügung. Das „Messkännchen Edelstahl“ dient der Eucharistie. Nicht alles könne er selber machen, erklärt Reinhard Appelhans den Besuchern und fügt hinzu: „Da muss man ganz schön kreativ werden.“ 

Klingelbeutel und Weihrauchfass: Hier entsteht Sakrales

Wer den formschönen „Weihwassereimer aus Edelstahl“ sieht, würde nicht auf die Idee kommen, dass er auf Basis einer chinesischen Gemüseschale hergestellt wurde. Ein eingraviertes Kreuz, ein edler Henkel und ein Messingfuß veredeln das Produkt. „Die heiligen Bastelhallen“, scherzt der Gastgeber beim Rundgang durch die Arbeitsbereiche von der Metallverformung über die Schleiferei bis zum Lackierraum. 

Eine Werkstatt, 20 Arbeitsschritte

Am Beispiel eines Fahnenträgers zählt er die 20 Arbeitsgänge auf, die dieser bis zur Fertigstellung durchläuft. Ein großes Lager gibt es nicht: Hier wird zumeist auf Bestellung gefertigt. Der zweite große Geschäftsbereich der Firma ist Fahnenzubehör aller Art.

Dazu gehören aufgesetzte Spitzen, Ständer und Standarten. In die sogenannten „Rahmenspitzen“ lassen sich verschiedene Symbole einfügen: Eine Narrenkappe für Karnevalsvereine, eine Zielscheibe für Schützen, Notenschlüssel oder Lyra für Gesangsvereine und Spielmannszüge. Stark nachgefragt sind elegante Fähnchenträger für Räume, in denen Politik gemacht wird. Da geht Qualität „made in Altena“ auch schon mal nach Berlin oder Brüssel.Oder nach Rumänien: Auch ein Land, das die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, braucht eine angemessene Ausstattung. 

Viel Konkurrenz gibt es nicht: Die Nachfrage übersteige seine Produktionsmöglichkeiten, sagt Reinhard Appelhaus. Doch das sei für ihn kein Grund, noch mehr zu arbeiten. Es müsse auch Zeit für das Privatleben übrig bleibe

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