Attacke am Bahnhof Werdohl

Er stach mehrmals zu: Messer-Angreifer muss lange ins Gefängnis

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Im Umfeld des Werdohler Bahnhofs eskalierte der Streit.

Zu viereinhalb Jahren Haft hat das Landgericht einen Werdohler (25) verurteilt, der mit einem Messer auf einen Altenaer und einen Plettenberger eingestochen hat. Sein Begleiter kam glimpflich davon.

Werdohl/Altena/Plettenberg – Zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts am Dienstag einen 25-jährigen Werdohler verurteilt. Das Verfahren gegen seinen Mitangeklagten wurde eingestellt. 

Die Richter gingen bei ihrer Entscheidung nicht von einem versuchten Totschlag aus: „Wir konnten nicht feststellen, dass der Angeklagte den Zeugen wirklich hat töten wollen“, erklärte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen in ihrer Urteilsbegründung.

Tötungsabsicht nicht nachweisbar

Einer der vier Stiche in die Beine des Opfers aus Altena sei zwar derart gefährlich gewesen, dass der Zeuge hätte sterben können. Es lasse sich aber nicht feststellen, dass der Angeklagte dieses Ergebnis gewollt habe. Als er von seinem Opfer abließ, habe sich ihm das Bild eines „verletzten, aber nicht sterbenden Menschen“ geboten. 

Weitere Schritte zur Vollendung eines möglichen Totschlags habe er unterlassen. Vor diesem Hintergrund müsse man von einem „unbeendeten Versuch“ und einem Rücktritt von einer möglichen Tötungsabsicht ausgehen. „Wir können nicht genau feststellen, in welchem Zustand sich der am Boden Liegende befand, als sich der Angeklagte abwandte.“ 

Stich in den Po unglaubwürdig

Dass die Strafe wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung gegen die beiden Opfer der Messerattacke dennoch relativ hoch ausfiel, lag auch an der Situation, in der der Angriff erfolgte: „Es waren Stiche gegen einen Flüchtenden und einen am Boden Liegenden“, sagte die Vorsitzende Richterin. 

„Dass Sieihm in den Po stechen wollten, glauben wir Ihnen nicht.“ Der Angeklagte hatte dies im Hinblick auf beide Taten – sowohl in Bezug auf den Angriff gegen den Altenaer als auch gegen den Plettenberger – behauptet. 

Zugunsten des 25-Jährigen ging die Kammer davon aus, dass eines der beiden Opfer ein Dönermesser dabei gehabt und damit möglicherweise gedroht hatte. Die Kammer könne auch nicht ausschließen, dass der Hauptgeschädigte aus Altena den Konflikt in der zweiten Runde mit einem Schlag eröffnet habe. 

Die beiden Opfer seien zum Werdohler Bahnhof gekommen, „um die Angeklagten zur Rede zu stellen“. Dieses Gespräch sei dann „sehr schnell eskaliert“. Was der Hintergrund der Streitigkeiten war, konnte im Landgericht nicht vollständig aufgeklärt werden. „Eine Frauengeschichte“, fasste die Vorsitzende die Angaben der Angeklagten und der Zeugen zusammen. 

"Riesenhemmschwelle zu töten"

Der letzte Zeuge hatte eine ganz andere Erklärung: Der Polizeibeamte brachte ein mögliches Drogengeschäft ins Spiel. Dafür gab es aber keine weiteren Anhaltspunkte. 

Staatsanwältin Sandra Ley ging in ihrem Plädoyer davon aus, dass der Angeklagte den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen habe. Die Kraft und Wucht der Stiche spreche für eine Tötungsabsicht. Sie beantragte vor diesem Hintergrund auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags und eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. 

Verteidiger Andreas Trode widersprach: Sein Mandant habe eher oberflächliche Stiche gesetzt, und es sei „im Grunde genommen Zufall, dass die Oberschenkelarterie getroffen wurde“. 

Er ergänzte: „Wir wissen selber, dass es eine Riesenhemmschwelle gibt zu töten.“ So beantragte der Verteidiger wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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