Altenaer (23) kämpft bis heute mit den schweren Folgen

Messerstecher-Prozess: Opfer wäre ohne schnelle Hilfe verblutet

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Am Werdohler Bahnhof war es im April 2019 zu der Messerstecherei gekommen.

Ohne schnelle Hilfe wäre der Mann aus Altena verblutet, den ein Werdohler mit dem Messer niedergestochen haben soll. Im Prozess zeigte sich: Das Opfer kämpft bis heute mit den schweren Folgen.

Werdohl/Altena/Plettenberg - Der Messerstich in den Oberschenkel des 23-jährigen Altenaers, der Opfer einer Attacke am Werdohler Bahnhof wurde, hätte ohne schnelle medizinische Behandlung zum Verbluten geführt. 

Dies machten mehrere Ärzte im Landgericht Hagen deutlich, wo der Prozess gegen zwei 25-jährige Werdohler mit den Vernehmungen der Ärzte und der beiden Geschädigten fortgesetzt wurde

Arterie zu zwei Dritteln durch

„Bestand Lebensgefahr?“, wollte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen vom Direktor der Abteilung für Gefäßchirurgie am Klinikum Hellersen wissen. „Absolut“, erwiderte der Zeuge. 

Er schilderte die schweren Folgen des Messerstichs in den Oberschenkel, bei dem eine Arterie zu zwei Drittel zerschnitten wurde – mit der Folge eines großen Blutverlustes. Allerdings hatten schon die Polizisten das Bein „richtig abgedrückt“, so dass der Blutverlust nicht zum Tode führte. 

Ein halbes Dutzend weiterer Messerstiche war weit weniger gefährlich – dokumentierte aber die Wut, mit der der Täter auf den 23-jährigen Altenaer eingestochen hatte. „Die Schnittwunden mussten alle genäht werden“, erinnerte sich eine Oberärztin. 

Psychische Probleme nach Angriff

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der 23-Jährige zehn Monate später immer noch große gesundheitliche Probleme hat: Muskeln und Nerven sind von den Schnitten am Bein betroffen. Seit fast einem Jahr könne er nicht mehr arbeiten, berichtete der 23-Jährige. „Ich kann nicht laufen wie früher.“ 

Dazu kommen erhebliche psychische Probleme, die er im Rahmen einer Traumatherapie aufarbeitet. „Ich nehme Schlaftabletten und kann kaum alleine rausgehen, es geht mir überhaupt nicht gut.“ 

Mit einem solchen Angriff habe er nicht gerechnet: „Mir war nicht bewusst, dass so etwas passieren könnte.“ Als sehr mühsam erwies sich erneut die Rekonstruktion der Ereignisse: Immer wieder verstrickte sich der 21-jährige Begleiter des Hauptgeschädigten in Widersprüche zu seinen Aussagen bei der Polizei

Das nährte den Verdacht, dass die beiden Zeugen vielleicht nicht nur für ein Gespräch über ein angeblich geraubtes Handy zum Werdohler Bahnhof gefahren waren. Möglicherweise wollten sie auch zur Polizei für eine Anzeige. 

Harmloser Chat

Diese Version der Geschichte war aber zunächst wohl nicht erzählt worden. Dass eine junge Frau der Grund für den Gewaltausbruch gewesen war, bestätigte deren Vernehmung. Sie führe eine „harmonische Beziehung“ mit dem Hauptangeklagten, berichtete sie. Und deshalb hielt sie es schon für ein notwendiges Geständnis gegenüber ihrem Freund, dass sie mit dem zweiten Geschädigten aus Plettenberg eher harmlose Botschaften wie „Hallo, wie geht’s?“ ausgetauscht hatte.

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