Not-OP bei Frau aus Altena

Blutige Messerattacke in Bäckerei: Ärzte schildern, wie sie um das Leben des Opfers aus MK kämpften

Bei der Messerattacke in einer Bäckerei in Iserlohn wurde die Frau aus Altena lebensgefährlich verletzt. 
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Bei der Messerattacke in einer Bäckerei in Iserlohn wurde die Frau aus Altena lebensgefährlich verletzt. 

Dramatische Details aus dem OP-Saal schilderten Ärzte  im Bäckerei-Prozess vor Gericht: Dort kämpften sie nach  einer Messerattacke um das Leben einer Frau aus Altena (19).

  • Blutige Messerattacke in einer Bäckerei in Iserlohn.
  • Vor Gericht schildern Ärzte, wie sie dem Opfer aus Altena das Leben retteten.
  • Die Angeklagte schweigt vor Gericht.

Altena – Im Prozess um die Messerattacke in einer Bäckerei in Iserlohn-Letmathe  haben weitere Zeugen bestätigt, dass die 19-jährige Altenaerin immer wieder gesagt hat, dass ihre Kollegin ihr absichtlich in den Bauch gestochen habe. 

„Die Zeugin war klar orientiert, als sie im Rettungswagen sagte: ,Es war kein Unfall, es war Absicht!‘“, wie ein Zeuge erläuterte. Das hatte das Opfer der Messerattacke aus Altena auch vor Gericht mit großem Nachdruck ausgesagt. 

Messerattacke in Bäckerei in Iserlohn

Und ebenso nachdrücklich wiederholten Zeugen, dass die 48-jährige Angeklagte aus Iserlohn, die weiterhin vor Gericht schweigt, immer wieder gesagt habe, der Messerstich, der die Altenaerin schwer verletzte, sei durch die unglücklichen Bewegungen beider Beteiligten in dem sehr kleinen Nebenraum der Bäckerei zustande gekommen. 

Ein Polizist, der die 48-Jährige kurz nach dem Vorfall vernommen hatte, beschrieb sie als „verwirrt“. In ihrem „Schockzustand“ habe sie gestammelt und nur noch unterbrochene Sätze von sich gegeben, aus denen die Stichworte „drehen, springen, so erschrocken, geholfen und nicht geholfen“ herausragten. „Wie geht es ihr?“, habe sie gefragt und beteuert: „Es war ein Unfall.“ 

Messerattacke in Bäckerei: Angeklagte durch den Wind

Der Beamte brach das Gespräch angesichts der emotionalen Ausnahmesituation der 48-Jährigen ab. Bald darauf sprach die Angeklagte mit einer Psychiaterin in einer Klinik, in der sie wegen schwerer Depressionen behandelt wurde. Die Zeugin wiederholte die Behauptung der Angeklagten, „das Mädchen habe eine Spinne gesehen und sei vor Schreck ins Messer gelaufen“. 

Erschreckende Erkenntnisse gab es zur Gefährlichkeit des Messerschnitts, der oberhalb des Bauchnabels zehn bis 15 Zentimeter tief in den Bauchraum hineinragte: Eine Notärztin erinnerte sich daran, dass sie die Verletzung auf der Fahrt in eine Klinik in Hagen als „nicht lebensgefährlich“ eingestuft hatte. Den Blutverlust der kreislaufstabilen Patientin habe man auf etwa 200 Milliliter geschätzt. 

Fast 20 Blutkonserven benötigt

Ein ganz anderes Bild vermittelte die Vernehmung von Ärzten, die bei der anschließenden Notoperation im Einsatz waren: Durch den Stich sei die „untere Hohlvene“, ein großes Blutgefäß der Brust- und Bauchhöhle, verletzt worden. „Dieses Gefäß ist ultrawichtig“, erklärte ein Arzt. 

Nur durch besonders glückliche Umstände habe diese Verletzung nicht sofort zum Tode geführt. „Wir brauchten fast 20 Blutkonserven und haben sie zweimal wiederbelebt.“ 

Ein Oberarzt unterstrich diese Schilderung: Das Operationsteam habe das betroffene Blutgefäß notdürftig abgeklemmt, „um die Patientin überhaupt lebend vom Operationstisch zu kriegen“. 

Absicht oder Versehen? Gutachter beauftragt

Mit einem anschaulichen Bild erklärte der Arzt das Vorgehen: „Das ist die Hauptautobahn zurück zum Herzen. Aber für einen kurzen Zeitraum geht es auch über die Landstraße.“ 

Das Gericht hat beim Dortmunder Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff ein Gutachten in Auftrag gegeben, das zur Klärung der Frage „Versehen oder Absicht?“ beitragen soll. 

Der Experte soll am nächsten Verhandlungstag am 3. August vernommen werden. Bis zum 7. August will die Schwurgerichtskammer dann täglich verhandeln.

Auch in einem anderen Fall rettete nur eine Not-OP das Leben eines Mannes aus Altena: Er wurde in Werdohl niedergestochen.

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