Kleine Kunstwerke auf großer Reise

100 Aktive malen und sammeln Burgsteine

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An der Sauerlandhalle beginnt die Hoffnungsschlange - eine lange Reihe aus Steinen. 

Altena - Alles fing mit einem bunt bemalten Stein an, den Janine Heinhaus beim Spaziergang mit ihrem Mann und ihren Kindern im Hönnetal fand. Auf der Rückseite entdeckte die Familie aus Altena einen Hinweis, dass der Stein aus dem Rheinland stammt. Das Interesse war geweckt. Janine Heinhaus nahm den Stein mit und wollte mehr darüber erfahren, wie dieser ins Sauerland kam.

Ihre Recherche ergab, dass die unterschiedlichsten Menschen aus den verschiedensten Städten in ganz Deutschland Steine bunt bemalen und an einer Stelle auslegen, in der Hoffnung, dass jemand diesen findet. Der Gedanke ist, dass derjenige den Stein mitnimmt, wieder an einer anderen Stelle aussetzt und somit den Stein auf eine lange Reise schickt.

Damit sich die Steinkünstler auch sicher sein können, dass ihre kleinen Werke reisen, wurden Gruppen im Sozialen Netzwerk Facebook gegründet, teilweise benannt nach den Orten, wo ihre Reise begann. Die Künstler erfahren so, wo ihr Stein gefunden wurde und können die Reise verfolgen. In den Gruppen sollen Fotos der Steine und ihr Fundort gepostet werden.

Auch auf dem Stein, den Janine Heinhaus fand, war der Name einer Facebook-Gruppe vermerkt. Und so erfuhr sie, dass der Stein ursprünglich aus dem Rheinland ins Hönnetal kam.

Für die junge Mutter aus Altena war das der Startschuss für eine neue Freizeitbeschäftigung. Nicht nur für sie selbst, sondern für die gesamte Familie. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern Joel (5) und Liana (1) begann sie, Steine mit Acrylfarbe zu bemalen, diese auszusetzen und neue zu finden. Das war vor rund zwei Monaten. „Mittlerweile bemalen meine Kinder und ich täglich neue Steine und gehen jeden Tag suchen“, sagt die 32-Jährige.

Die Motive, die Janine Heinhaus und ihre Kinder auf die Steine malen, sind ganz unterschiedlich. „Meinen ersten Stein bemalte ich mit einem Marienkäfer. Mittlerweile hole ich mir auch mal Inspirationen aus dem Internet“, sagt Janine Heinhaus. Oft zeichne sie auch einfach ein Muster, ein Segelschiff oder kleine Fische. Ihr Sohn bevorzugt hingegen Autos und Häuser. Der Esszimmertisch fungiert dabei als Arbeitsplatz. „Manchmal male ich aber auch noch abends, wenn die Kinder schon im Bett sind, um zur Ruhe zu kommen“, sagt die 32-Jährige.

Familie Heinhaus malt die unterschiedlichsten Motive. 

Bevor die Steine ausgesetzt werden, muss die Farbe mit Klarlack fixiert werden, damit diese bei Regen nicht wieder abwäscht. Gerade jetzt in der Coronazeit, in der die Kinder viel Zeit zuhause verbringen, seien die Steine eine tolle Aktion. „Wir sind sowieso schon immer viel mit unseren Kindern in die Natur gegangen. Durch die Steine gibt es für die Kinder jetzt zusätzlich ein festes Ziel und eine Beschäftigung für die ganze Familie“, sagt Janine Heinhaus. Der fünfjährige Joel fahre oft mit dem Fahrrad vor, um zu gucken, ob er auf dem Weg Steine entdecken kann. „Und meine Tochter sagt auch immer: Steine suchen, Steine suchen und inspiziert die Straßenränder“, berichtet die Altenaerin.

Oft seien sie in der Stadt oder an der Lennepromenade unterwegs. Doch auch an der Fuelbecke-Talsperre oder an der Sorpe legte die Familie ab und zu die kleinen Kunstwerke aus und findet neue. Janine Heinhaus hinterlässt auf ihren Steinen den Vermerk „Burgsteine Altena“, damit Fotos von ihren Steinen in der gleichnamigen Facebook-Gruppe veröffentlicht werden. „Ich finde es sehr schön, über die Facebook-Gruppe zu sehen, wo unsere Steine gefunden wurden. Vor ein paar Tagen ist einer in Lüdenscheid aufgetaucht“, berichtet sie.

Das war auch der Gedanke von Constantin Borbet, als er die Facebook-Gruppe „Burgsteine Altena“ gründete. „Der Spaß an den Steinen ist eine tolle Ablenkung in der Coronazeit“, sagt er. Er möchte damit anderen eine Freude bereiten, ein Lächeln schenken und eine schöne Zeit in der Natur bescheren.

Sein Weg zu den bunt bemalten Steinen war allerdings kein Zufall. „Meine Frau und ich haben mit den Kindern ein klassisches Familienbasteln begonnen und uns an Painted Rocks orientiert“, sagt der Altenaer. Übersetzt heißt das bemalte Steine. Inspiration suchte er in sozialen Netzwerken wie Pinterest und Instagram. Die bemalten Steine haben sie vor ihr Haus gelegt, wo eine Nachbarin diese entdeckte. „Das brachte die Sache ins Rollen.“

Aus diesem Grund erstellte er die Facebook-Gruppe. Erst wurden befreunde Familien eingeladen, deren Kinder dieselbe Grundschulklasse besuchen. Doch schnell schlossen sich immer mehr Menschen an. 800 Teilnehmer zählt die Gruppe mittlerweile, wovon 100 regelmäßig aktiv sind. Die meisten Gruppenmitglieder seien junge Mütter zwischen 25 und 35 Jahren, aber auch kinderlose Rentner seien dabei. Er setzt die Steine gerne am Wixberg aus. „Ich verteile immer so acht bis zehn Stück auf einer Tour. Der Burgstein mit der bisher weitesten Reise wurde in Hamburg gefunden.

Hoffnungsschlange

Besonders gezeichnet ist der Platz an der Sauerlandhalle. Bemalte Steine wurden dort zu einer Schlange gelegt, die am Parkplatz ihren Anfang findet und bis in den Wald hineinführt. Es handelt sich dabei um eine Hoffnungsschlange, die Mut machen soll in der Coronakrise.

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