Von der Memel an die Lenne

Erich Kubbutat.

ALTENA - Es ist ein langer Lebensweg, der Erich Kubbutat von der Memel an die Lenne geführt hat.

Bei recht guter Gesundheit wird er am Dienstag in der Pflegestation von St. Vinzenz seinen 100. Geburtstag feiern. Der Bürgermeister hat sich angesagt, und Besuch von der Geistlichkeit gibt es auch. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffen würde“, sagt der Senior bescheiden. Zwei Gewohnheiten haben dem Rentner wohl dabei geholfen: Er hat nie geraucht – „zumindest nicht seit der Rückkehr aus der Gefangenschaft“ – und nie größere Mengen Alkohol getrunken. Erich Kubbutat gehört zu den Männern, deren Biographie stark vom Zweiten Weltkrieg geprägt ist: Von 1939 an führten ihn die Bewegungen der Wehrmacht nach Polen und die Tschechoslowakei, nach Jugoslawien und Italien. Dort wurde er im Januar 1945 verwundet und geriet in englische Gefangenschaft. Die Verletzung des linken Beines erwies sich als recht schwerwiegend und zog einen einjährigen Aufenthalt im Lazarett nach sich. Dort erfuhr Kubbutat vom Tod seiner Frau, die bei der Flucht aus Ostpreußen an Typhus gestorben war. „Man hat eine Menge mitgemacht“, beschreibt er diesen Schicksalsschlag.

In seiner Kindheit und Jugendzeit war noch kein Gedanke an eine solche Entwicklung. Geboren in Ragnitz, beging Erich Kubbutat mit Mitschülern am 27. Januar noch den Geburtstag des Kaisers Wilhelm II. Als junger Mann verdiente er seine erste eigenen Brötchen als Packer in einer Kolonialwaren-Großhandlung im nahen Tilsit. Rosinen und Sultaninen verpackte er von Hand auf‘s Gramm in Tüten. „Lehrstellen gab es kaum“, erinnert sich Kubbutat.

1959 kam Erwin Kubbutat über Eckernförde, wohin seine Eltern geflüchtet waren, nach Altena. Zuvor hatte er in einer Versehrtenwerkstatt Waschbretter gefertigt. In der Firma Mayweg in der Mühlenrahmede fand er Beschäftigung und arbeitete 17 Jahre lang im Packraum und im Magazin. Seit drei Jahren lebt Kubbutat jetzt im St.-Vinzenz-Pflegeheim, wo er der älteste Bewohner ist. - tk

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