„Meine Arbeit ist sichtbar“

+
Obermeister-Vize Nils Dietrich und Lehrlingswart Jochen Harte (r.) leiteten den Tischler-Eignungstest. ▪

ALTENA ▪ „Als Tischler kann ich meine Arbeit auch sehen.“ So begründet Christoph Wortmann seinen Schritt, diesen Beruf zu wählen. Gestern stellten sich mit ihm zwei Dutzend junge Frauen und Männer in der Überbetrieblichen Innungs-Lehrwerkstatt an der Rahmedesraße 354 einem einstündigen, freiwilligen Eignungstest. Von Johannes Bonnekoh

Ob die Jugendlichen im Alter von durchschnittlich 16 Jahren die Fragen zur Allgemeinbildung, räumlichem Denken, Mathematik und Konzentrationsübungen auch richtig bewältigt haben, erfahren sie Anfang kommender Woche. „Dann senden wir ihnen ihre Prüfungsergebnisse zu“, sagten gestern stellvertretender Innungs-Obermeister Nils Dietrich und Lehrlingswart Jochen Harte, die das Verfahren leiteten.

Der Test sollten die Jugendlichen, die sich für den Beruf des Tischlers interessieren, die Voraussetzungen deutlich machen, die dafür hilfreich sind. Selbstverständlich müsse ein Tischler eine praktische Ader haben, meinte Lehrlingswart Jochen Harte. „Aber Köpfchen gehört eben auch dazu.“ Und genau hier setze der Test an, der vom Bundesverband der Tischler-Innung entwickelt worden sei.

Rund zwei Dutzend Ausbildungsstellen stehen im Handwerksberuf des Tischlers kreisweit Jahr für Jahr zur Verfügung. Deshalb hatten gestern alle Teilnehmer gute Chancen, auch einen der begehrten Azubi-Plätze zu ergattern. Denn: „Der Teilnehmer bekommt nach dem Test ein Zertifikat mit seinen Ergebnissen. Es gibt Auskunft über die prinzipielle Eignung und rät unter Umständen dazu, Wissenslücken zu schließen“, sagt Nils Dietrich. Mit dem Zertifikat haben aber auch die Ausbildungsbetriebe selbst etwas in der Hand. So könne jeder Betriebsinhaber schon einmal beurteilen, welche Vorausetzungen der Bewerber mitbringe.

Auf eine dreijährige Tischler- früher sagte man Schreinerlehre, könne jeder aufbauen, unterstreichen Dietrich und Hartel. Ob es im Anschluss an die Gesellenprüfung die Meister- und Technikerschule sei oder sogar ein Studium. „Wir sagen immer: „Die Aufstiegschancen sind da. Man muss sich nur anstrengen.“

Christoph Wortmann bekam seinen „Traumberuf“ quasi vom Vater in die Wiege gelegt. „Er ist selbständig, ich bin damit aufgewachsen“, sagt der junge Mann. Und noch einmal kommt er ins Schwärmen: „Mit Holz zu arbeiten, ist etwas anderes, als in der Metallindustrie tätig zu sein. Holz lebt einfach.“

Bei den Rechenaufgaben (Addieren, Multiplizieren, Dividieren) einschließlich der Geometrie mit dem Erkennen von Körpern gab es gestern nach einem ersten Überblick der Prüfer kaum wirkliche Aussetzer. Kniffeliger wurde es für die Teilnehmer aber beim Part Allgemeinwissen. Zwar hat jeder wohl im Politikunterricht gelernt, für welche Amtsdauer der Bundespräsident gewählt wird oder wieviele Bundesländer Deutschland hat. Doch spätestens beim Aufzählen einer handvoll Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (es gibt 27!) wurde es manchmal schon eng.

Warum muss ein Tischler so was wissen? „In unserem Beruf arbeiten wir immer direkt mit dem Kunden zusammen. Da muss man schon eine gewisse Allgemeinbildung haben, sich ausdrücken können.“ Köpfchen zu haben sei dabei hilfreich. Übrigens: Manchmal hilft einfach regelmäßiges Zeitunglesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare