Kirche wie zu Königs Zeiten: Kritik auf dem "roten Sofa"

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Klare und kritische Worte findet Ulrich Hinz (rechts) im Gespräch mit Stefan Kemper auf dem roten Sofa.

Altena – "Wie in der Zeit der Monarchie": Der langjährige CDU-Politiker Ulrich Hinz findet deutliche Worte für die Situation der Kirche. Auf dem "roten Sofa" sparte er nicht mit Kritik.

Deutliche Worte zur Situation und Zukunft der Kirche fielen auf dem „Roten Sofa“ im Gemeindesaal von St. Matthäus. Und zwar von Ulrich Hinz, langjährigem CDU-Kommunalpolitiker in Altena und ehemaligem Caritas-Direktor. Hinz sagte, er habe den Eindruck, „dass die Kirche stehen geblieben ist – wie in der Zeit der Monarchie“. 

Sie folge einem Konzept ohne Gewaltenteilung in einer Welt, für deren demokratisches Credo diese Teilung der Macht unabdingbar ist: „Ich fürchte, dass wir uns gesellschaftspolitisch immer weiter von der Kirche entfernen.“

Mehr Verantwortung für Frauen 

Eine klare Antwort gab er auf Stefan Kempers Frage, ob Frauen in der katholischen Kirche mehr Verantwortung übernehmen sollten: „Man kann auf Dauer nicht so weitermachen, dass man die Hälfte des Volkes von den Ämtern ausschließt. Die Frauen sind genauso Volk Gottes wie die Männer.“ 

Ebenso entschieden war das langjährige CDU-Ratsmitglied (1969 bis 1984) und Kreistagsmitglied (1975 bis 2006) bei der Frage nach der Ökumene: „Es ist wichtiger denn je, dass wir als Christen zusammenhalten.“ Man dürfe aber eine „Alles-Wurscht“-Haltung nicht mit Toleranz verwechseln: Eine gelungene Ökumene gebe es nur auf der Grundlage unbestreitbarer Unterschiede. „Wir müssen in der Kirche die Türen und Fenster öffnen, damit der Heilige Geist dort wieder weht.“

„Was stand am Anfang deines Glaubensweges?“ Diese Frage hatte Stefan Kemper, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Altena, Ulrich Hinz als erste im Interview gestellt. Er erinnerte sich an ein selbstverständliches Aufwachsen in einer katholischen Familie. „Wir haben immer in der und mit der Gemeinde gelebt.“ 

"Gottlose Welt nicht vorstellen"

Auf die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern folgte 1964 sein Dienst bei der Bundeswehr. Beeindruckt von der katholischen Soziallehre engagierte sich Hinz in der Katholischen-Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Er bekannte sich zu einer Kirche, die Hierarchien auf dem Weg zu einem Miteinander der Gläubigen abbaut: „Wir sind Kirche.“ 

Christiane Frebel sprach zudem mit Stefan Hesse, seit 18 Monaten Leiter des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid, über die Kirche und den Glauben. Hesse erzählte von seinem Aufwachsen in der katholischen Gemeinde Maria Königin in Lüdenscheid, vom Amt des Messdieners in St. Josef und Medardus. 

Aus der Perspektive seiner beruflichen Arbeit mit Familien, Kindern und Jugendlichen hob Hesse die soziale Verantwortung der Kirche hervor. Deren Gemeinschaftssinn sei Vorbild für eine Gesellschaft, in der Menschen immer mehr unter ihrer Vereinzelung litten oder ökonomisch abgehängt seien.

 In diesem Sinne habe ihn die Hilfe für Obdachlose in seiner Heimatgemeinde geprägt. Stefan Hesse hob aber auch die spirituelle Bedeutung von Kirche, das „Zur-Ruhe-kommen in der Messfeier“ hervor. Sein Fazit: „Ich mag mir eine gottlose und glaubenslose Welt nicht vorstellen."


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